Kampfkunst im viktorianischen England – von Sandra Thoms

Wer Verbrecher jagt, der lebt gefährlich. Das war auch dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes nicht entgangen, weswegen er Bartitsu als Selbstverteidigung praktizierte. Oder wie Watson in „A Study in Scarlet“ anmerkt: „… is an expert singlestick player, boxer, and swordsman“. Heute hätte Holmes vermutlich Kung Fu oder Karate beherrscht, aber damals brachte ihm sein Schöpfer Doyle Bartitsu bei, eine Kampfkunst, die zwischen 1898 und 1902 in England maßgeblich von Edward William Barton-Wright entwickelt wurde und den Spazierstock als Waffe einsetzt.

Selbstverteidigung war gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Thema im viktorianischen England, es herrschte Panik aufgrund der immer brutaleren Gang-Aktivitäten in den großen Städten Europas. So war es nicht ungewöhnlich, dass Gentleman boxten, fochten oder eben andere Kampfsportarten ausübten. Zu dieser Zeit wurde auch Jiu Jitsu in Europa bekannt, das für Barton-Wright die Grundlage für seine Selbstverteidigungskunst darstellte. Dazu kamen Elemente des Savate (ein französischer Boxstil, der an Thai-Boxen erinnert), des Boxens und des Stockfechtens (Canne). Der Name Bartitsu setzt sich aus seinem Namen Barton und der Bezeichnung Jiu Jitsu zusammen.1898 gründete Barton den Bartitsu Club in Soho.

Natürlich beherrschte Holmes all diese Techniken meisterhaft – etwas, was in vielen Nacherzählungen oder Neuverfilmungen nur selten Erwähnung findet. Explizit aufgegriffen wurde es in neuerer Zeit vor allem in der Holmes-Verfilmung mit Robert Downey jr. und Jude Law als Watson.

Bartitsu wird auch heute noch gelehrt, in Deutschland vornehmlich in Wuppertal in der Schwertkampfschule „Alte Kampfkunst“. Stärker verbreitet ist Savate oder Canne mit eigenem Verband in Deutschland.


Hier ein paar Eindrücke vom Training der Schwertkampf-Schule „Alte Kampfkunst„, die genauer gesagt eine Schule für Historische Eu­ro­päische Kampfkünste mit dem Schwerpunkt Historische Fechtkunst ist. Die Fotos stellte uns Stefan Dieke zur Verfügung, der als einer der Pioniere der Historischen Fechtkunst in Deutschland gilt. Seit über 20 Jahren wimdet er sich der Erforschung, dem Training und der Vermittlung Historischer Europäischer Kampfkünste und ist ein international gefragter Experte in Sachen Historische Fechtkunst. Vielen Dank an dieser Stelle.


Die Autorin

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .

 

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