Morden in Kent – Interview mit Autorin und Canterbury-Fan Gitta Edelmann

CanterburyGitta Edelmann ist freie Autorin, Lektorin und Dozentin für Kreatives Schreiben. Sie lebt in Bonn und schreibt besonders gerne Kriminelles für Kinder und Erwachsene. Ihr neuester Krimi heißt Canterbury Blues und ist seit dieser Woche im Dryas Verlag erhältlich.

Welchen Bezug hast du zu England und speziell zu Canterbury?

I love Britain ;-). Schon als ich mit 17 zum ersten Mal in England war (übrigens in Kent!), habe ich mich dort zuhause gefühlt. Ich hatte später das Glück, mit meiner Familie einige Jahre in Schottland zu leben, und natürlich reise ich mindestens einmal im Jahr auf die Insel, um Freunde zu besuchen oder Neues zu erkunden.

Canterbury war eine der ersten Städte, die ich in England kennengelernt habe – das verbindet. Außerdem lebt dort eine Freundin, so kann ich Privates mit Recherche verbinden und habe natürlich einen anderen Einblick in das Leben dort.

Was gefällt dir an Canterbury?

Ich mag die Mischung aus historischem, altehrwürdigem Sitz des Erzbischofs und moderner Universitätsstadt. Die Kathedrale besuche ich jedes Mal, wenn ich dort bin, meist zum Evensong, der Abendandacht. Dann klingt wunderschöne Chormusik durch das gotische Gewölbe. Die Menschen, auf die ich in Canterbury treffe, sind freundlich und hilfsbereit – und shoppen kann man dort natürlich auch gut.

Was hat dich dort so stark inspiriert, dass du es in dein aktuelles Buch mit aufnehmen wolltest?

Ein großer Teil der Handlung von Canterbury Blues spielt nicht in Canterbury selbst, sondern auf dem Landsitz Feniston Park. Aber zwei Orte in Canterbury mussten natürlich unbedingt wieder vorkommen: Der Charity-Shop, in dem Agatha arbeitet, und der Pub White Swan. Beide Orte sind fiktiv, aber sie sind anderen nachempfunden, die ich kenne. Gerade in der Burgate gibt es eine ganze Reihe solcher Charity-Shops und ich entdecke dort immer wieder Interessantes. Und der White Swan  – ich liebe Pubs und die lockere Art mit der man nach der Arbeit mit den Kollegen etwas trinken geht oder sich mit Freunden trifft. Natürlich bietet der Pub so immer eine gute Möglichkeit, Ella Martin mit anderen Leuten zusammentreffen zu lassen.

Wie würdest du deine Hauptfigur Ella Martin beschreiben?

Ella ist eine erfolgreiche Liebesromanautorin Anfang 30. Sie ist Optimistin, hat natürlich eine lebhafte Fantasie und ist sehr wissbegierig. So ist es kein Wunder, dass sie Dingen auf den Grund gehen will. Sie findet schnell Kontakt zu anderen Menschen und stürzt sich mit Begeisterung in ihr englisches Leben. Sie liebt Tee, Shortbread und Guinness, singt im Chor und häkelt gerne. Ehrlichkeit und Treue in Freundschaft und Liebe sind ihr sehr wichtig, sind die nicht gegeben, bleibt sie lieber allein.

Wie viel Zeit verbringst du für deine Buchrecherchen vor Ort?

Das ist unterschiedlich und kommt natürlich darauf an, wie gut ich den Ort kenne. Da ich sowieso oft in Großbritannien bin, muss ich nicht allzu viel neu recherchieren. Vor dem ersten Band, Canterbury Requiem, war ich aber extra eine ganze Woche in Canterbury, um wirklich alle geplanten Orte noch einmal anzuschauen und die Atmosphäre der Stadt zu atmen. Auch vor Canterbury Serenade habe ich einige Tage in Canterbury verbracht. Dabei hatte ich das Glück, das ehemalige Gefängnis besichtigen zu können, so dass ich es als Handlungsort ins Buch einbauen konnte. Manchmal funktioniert Recherche auch so herum.

Wo schreibst du am liebsten: am Schreibtisch, im Bett oder am Küchentisch?

Das wechselt. Ich sitze zurzeit am liebsten auf dem Sofa mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse Tee auf dem Tischchen neben mir. Auch mein Balkon ist je nach Jahreszeit ein toller Schreibort. Und ich schreibe gern im Zug.

Bist du eher ein 9-to-5-Schreiber oder schreibst du täglich in mehreren Etappen?

Meine Schreibzeit ist normalerweise von 8 bis 11 oder halb 12, in dieser Zeit bin ich am produktivsten. Am Nachmittag arbeite ich noch in Teilzeit in einer offenen Ganztagsgrundschule, wo ich hauptsächlich Kreativangebote mache – von Häkeln bis Geschichtenschreiben. Am Spätnachmittag ist dann Zeit für Bürokram wie das Bearbeiten von Mails oder Entwerfen von Konzepten und Programmtexten für Workshops, Beantworten von Interviewfragen, Vorbereitung von Lesungen o.ä. Abends schreibe ich normalerweise nicht, aber manchmal überarbeite ich dann noch meinen Text.

Was fällt dir leicht beim Schreiben?

Eigentlich alles. Ich liebe es, mir Geschichten auszudenken – obwohl ich manchmal beim genauen Plotten schon sehr hart arbeiten muss – sie dann aufzuschreiben und an Formulierungen zu feilen. Ich habe auch immer schon ein paar Ideen für mögliche neue Geschichten.

Wovon lässt du dich am ehesten ablenken?

Wenn ich wirklich Schreibzeit habe, lasse ich mich nicht ablenken. Dann rufe ich weder Mails ab, noch gehe ich ans Telefon. Aber es gibt schon Dinge, die mich daran hindern zu schreiben. Die Steuererklärung z.B., oder positiv: Besuch von einem meiner Kinder (ich habe vier erwachsene Kinder). Das heißt dann allerdings für mich, dass ich von vornherein weiß, an diesen Tagen wird’s nichts mit dem Schreiben. Ich plane meine Zeit ziemlich klar durch. Dann kann ich mich in der Schreibzeit auch wirklich aufs Schreiben konzentrieren und effektiv arbeiten.

Für welches Genre schreibst du am liebsten?

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Ich liebe beim Schreiben gerade die Vielfältigkeit. Kurzgeschichten oder Romane. Für Kinder oder Erwachsene. Lustig oder ernst. Modern oder historisch. Mehr oder weniger Krimi ist aber fast immer dabei, ebenso wie ein Hauch Liebe und Freundschaft. Ich mag genreübergreifende Geschichten und probiere gerne Neues aus. In Canterbury Blues wird Ella entsprechend nicht nur mit einem neuen, etwas ungewöhnlichen Kriminalfall konfrontiert, sondern auch mit privaten Verwicklungen.

Wo Cornwall am inspirierendsten ist – Reisetipp von Autorin Rebecca Michéle

Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle)

Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle)

Das zauberhafte ehemalige Fischerdorf St Ives im Westen Cornwalls ist der beliebteste Ferienort in der Grafschaft. Drei Strände (Porthminster Beach, Porthmeor Beach, Porthgwidden Beach) mit kristallklarem Wasser und feinem, weißem Sand laden zum Baden ein, ein kurzes Stück weiter lockt die Carbis Bay mit einem kilometerlangen Sandstrand. Alle Strände sind mehrfach ausgezeichnet worden.

In St Ives findet der Besucher nicht nur Badevergnügen, schmale Gässchen mit jahrhundertealten Cottages und eine Vielzahl von Geschäften vor, sondern auch die sehenswerte Tate Gallery, ein „Ableger“ von der Tate in London. Die Galerie geht auf eine Künstlerkolonie zurück, die 1928 von den Londonern Ben Nicholson und Christopher Wood gegründet wurde und in die auch der lokale Maler Alfred Wallis eingeladen wurde, und bietet eine Vielzahl moderner Kunst. Der Eintritt ist kostenlos.

Die Tate St Ives leitet seit 1980 auch das Barbara Hepworth Museum in St Ives, das frühere Atelier der britischen Bildhauerin, das nach ihrem Tod zusammen mit ihrem Skulpturengarten zum Museum umgestaltet wurde.

Bucht St Ives (Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle))

Bucht St Ives (Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle))

Nicht versäumen sollte man eine Wanderung an der Küste auf dem South West Path in Richtung Land’s End. Bereits nach wenigen Minuten lässt man den Trubel der Stadt hinter sich, es gibt nur noch den Wanderer, das Meer und die Seevögel. Ein Gefühl der absoluten Ruhe, des Friedens und der Freiheit.

Für geübte Wanderer bietet sich eine Tagestour in das kleine, romantische Dorf Zennor an. Die Strecke beträgt 11 Kilometer (ca. 4–5 Stunden) und bietet spektakuläre Ausblicke und bizarre, schroffe Klippenformationen. Der Weg ist manchmal eben, oft geht es aber auch steil bergauf und bergab. Eine gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollten gegeben sein. Ausreichend zu trinken und Sonnenschutz (Hut, Mütze) mitnehmen, da es keinen Schatten gibt.

Zwischen Zennor und St Ives verkehren in regelmäßigen Abständen Linienbusse (meist zweistöckig mit offenem Oberdeck). Es empfiehlt sich, zuerst mit dem Bus nach Zennor zu fahren und dann auf dem Küstenweg nach St Ives zu wandern. So ist man zeitlich flexibel und unabhängig.

Im Tourist Information Center (The Guildhall, Street-An-Pol) in St Ives finden sich zahlreiche Unterlagen über die Stadt, den Küstenpfad und auch über Rundwanderwege. Ebenso ist dort ein kostenloser Fahrplan aller Linienbusse erhältlich.


Michele_hell-683x1024Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit 15 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane und Krimis veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de

Wie lebt es sich in einem viktorianischen Haushalt?

"The Governess" von Richard Redgrave

„The Governess“ von Richard Redgrave

In der viktorianischen Ära blühte die britische Wirtschaft und das Arbeitsleben trennte sich vom Familienleben. Unterstützt von der anglikanischen Kirche entwickelte sich ein hehres Bild von Ehe und Familie und gerade die Frauen der prosperierenden Mittelklasse unternahmen große Anstrengungen, diesem Ideal zu entsprechen. Ihre oberste Pflicht war es, dem männlichen Haushaltungsvorstand (Gatte/Vater) ein gepflegtes und gemütliches Zuhause zu bieten. Unterstützt wurden sie dabei von einem Heer von Dienstboten.

Je größer der Haushalt war, umso mehr Dienstboten gab es: Hausmädchen, Zofen, Kindermädchen, Ammen, Kammerdiener, Diener, um nur einige zu nennen. Köchin oder Koch nahmen eine Sonderstellung ein. Grundsätzlich kann man sagen: Je schmutziger die Arbeit war, umso niedriger stand man in der häuslichen Hierarchie und umso schlechter war die Entlohnung. Es war also ungefähr wie heute.

In „Engel der Themse“ ist es Emma, die ganz unten steht. Als Tochter eines irischen Arbeiters hat sie nicht viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Sie fängt als Scullery-Maid, was nur unzureichend mit „Küchenmädchen“ übersetzt ist, in Whitewood Manor an. Sie scheuert und poliert die kupfernen Töpfe und eisernen Pfannen und muss die Feuer im Haus in Gang halten. Wenn selbst die anderen Dienstboten noch schlafen, schleicht sie sich aus der Dachkammer, die sie sich mit einem anderen Dienstmädchen teilt, und huscht wie ein rußbefleckter Geist mit Ascheeimer und Kehrbesen durchs Haus, um die Öfen einzuheizen und die Kamine zu säubern und neu zu bestücken. Danach geht sie der Köchin zur Hand und bedient am Gesindetisch. Und natürlich ist sie es, die am Ende des Tages auf den Knien liegt und die Küche schrubbt. Ein armseliges Leben, das einem wunde Finger und schmerzende Knie bescherte. Also nicht unbedingt die Art Hausarbeit, die Charlotte Brontë vorschwebte, als sie in einem Brief an eine Freundin schrieb:

„I discovered a most unladylike talent for cleaning, sweeping up hearths, dusting rooms, making beds etc., so if everything else fails ‒ I can turn my hand to that ‒ if anybody will give me good wages, for little labour.“

(Autorin: Anne Breckenridge)

Krimiautorin verschwunden – das Rätsel um Agatha Christie

Agatha Christie 1925

Agatha Christie 1925

„Ich kann nicht länger in diesem Haus bleiben“, stand in dem Brief, den die Sekretärin der berühmten Krimiautorin Agatha Christie am 4. Dezember 1926 fand. Am Tag zuvor hatten Agatha und ihr Mann Archie Christie einen heftigen Streit gehabt, nachdem er ihr mitgeteilt hatte, dass er eine Affäre habe und sie verlassen wolle. Einen Tag später war die Autorin verschwunden, sie hatte nur einen Brief hinterlassen, der keinerlei Hinweise gab, wo sie sein könnte. Ihr Auto wurde am nächsten Morgen in der Nähe von Silent Pool gefunden, einem See, in dem die Autorin einige ihrer Figuren ertrinken ließ. In dem Auto lagen ihr Führerschein, ihr Mantel und ihr Koffer.

Silent Pool

Silent Pool

Sofort begann eine groß angelegte Suchaktion. Hatte die Autorin sich in ihrer Verzweiflung das Leben genommen? War Archie nach dem Streit wirklich zu Freunden gefahren oder hatte er vielleicht bei dem Verschwinden die Hände im Spiel? War Agatha Christie Opfer ihres Ruhms geworden und man hatte sie entführt? Der See wurde mit Baggern durchsucht und man setzte eine Belohnung aus für jeden Hinweis, der half, sie zu finden. Scotland Yard schaltete sich ein. Und auch Arthur Conan Doyle wollte helfen. Der Autor war ein begeisterter Spiritist und befragte ein Medium nach dem Verbleib der Kollegin, das ihm mitteilte, dass sie zumindest nicht tot sei.

 

Schließlich erhielt Christies Schwager einen Brief, der am 4. Dezember in London abgeschickt worden war und in dem Agatha ihm schrieb, dass sie einige Tage lang nach Yorkshire zur Kur fahren wolle. Sofort wurden die Gästelisten der Hotels geprüft, aber die Autorin war dort nie angekommen.

 

Elf Tage blieb sie verschwunden. Am 14. Dezember wurde Agatha Christie schließlich in Harrogate, einer Stadt in Mittelengland, in einem Hotel gefunden. Sie war dort unter falschem Namen abgestiegen, feierte und tanzte. Selbst als ihr Mann ins Hotel kam, beharrte sie auf ihre falsche Identität. Später behauptete sie, sie habe an Amnesie gelitten. Was genau sie in den elf Tagen getan hatte, blieb und bleibt für immer ein Rätsel.

 

Ebenfalls um eine unter mysteriösen Umständen verschwundene Person geht es in dem Krimi „Das Geheimnis von Benwick Castle“ von Rob Reef, der elf Jahre nach Christies Verschwinden spielt, also 1937. Sir Alistair Benwick, Hausherr einer im Rannoch Moor gelegenen Burg, wollte in die Stadt zu seinen Anwälten fahren – wo er nie ankam. Von ihm fehlt jede Spur, weswegen sein Bruder Detektiv John Stableford um Hilfe bittet. Ein Lesetipp für alle, die Stableford in die schottischen Highlands folgen wollen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Houdini und Scotland Yard – von Kriminalistik und Zauberei

Harry_HoudiniDie Antwort auf die Frage, wie es der Giftmörderin Adelaide Bartlett 1885 gelang, ihrem Ehegatten Chloroform in flüssiger Form zu verabreichen, ohne dabei seine Speiseröhre zu verätzen, ist heutzutage ebenso in Vergessenheit geraten wie das Geheimnis jenes Zaubertricks, den der französische Illusionist Hamilton am 16. Januar 1860 zum ersten Mal vorführte: Er ließ ein etwa sechsjähriges Mädchen auf die Bühne treten und bat einige Zuschauer, sich davon zu überzeugen, dass an ihm selbst und dem Kind keinerlei Hilfsmittel angebracht waren. Dann nahm er ein einzelnes Haar des Mädchens zwischen Daumen und Zeigefinger und hob es mit Leichtigkeit daran ungefähr einen halben Meter vom Boden. Danach setzte er es behutsam wieder ab.

Wie im Mordfall Bartlett gab es selbstverständlich auch für diesen Trick eine ganz natürliche Erklärung. 1885 bot der Zaubergerätehändler Voisin den Trick für gerade mal 15 Francs seinen Kollegen zum Kauf an. Zahlreiche Illusionisten führten das Kunststück daraufhin vor, doch geriet der Trick nach einer Weile aus der Mode und schließlich ganz in Vergessenheit. Das Geheimnis ging verloren. Bis heute ist es keinem Zauberkünstler mehr gelungen, das verblüffende Kunststück nachzumachen.

Einer der bekanntesten Illusionisten und Salonmagier tritt in dem neuen Roman von Robert C. Marley „Inspector Swanson und der Magische Zirkel“ auf: Harry Houdini. Ein Name, der selbst im 21. Jahrhundert noch als Synonym für spektakuläre Entfesselungskunst steht.

 

Der Große Houdini

 

houdini1874 wurde der Große Houdini, wie man ihn später nannte, unter dem Namen Ehrich (nach anderen Quellen Erich) Weiß in Budapest als Sohn eines Rabbis geboren und wuchs, nach der Emigration der Familie in die USA, in Wisconsin auf. Schon als Kind faszinierte ihn die Zauberei. Kaum den Kinderschuhen entwachsen, trat er zunächst mit einem seiner Brüder auf Jahrmärkten auf. Da mit der Zauberei kaum Geld zu verdienen war, verdingte sich der junge Ehrich zeitweilig als Zeitungsverkäufer und Arbeiter in einer Krawattenfabrik. Nach seiner Hochzeit mit Beatrice Raymond – genannt Bessie – trat er mehr oder weniger erfolgreich ausschließlich als Zauberer und Entfesselungskünstler auf. Doch das Geld war knapp. Oftmals musste er auf den Märkten Kartoffeln stehlen, um sich und Bessie überhaupt ernähren zu können.

Im Jahre 1899 traf Ehrich Weiß mit dem Theateragenten Martin Beck zusammen, der ihm riet, die herkömmliche Salonmagie mit ihren Tauben und aus Hüten erscheinenden Blumensträußen und Tüchern an den Nagel zu hängen und sich voll und ganz auf spektakuläre Entfesselungstricks zu verlegen. Doch auch hier ließ der Erfolg auf sich warten. Der große Erfolg sollte erst in England kommen, und das auf völlig unvorhergesehene Weise!

 

Scotland Yard lässt sich herausfordern

 

Bei einem Gastspiel in London forderte Ehrich, der mittlerweile unter dem Namen Harry Houdini auftrat, großspurig die Londoner Polizei heraus. Er sei der größte Ausbruchskünstler der Welt! Nicht einmal Scotland Yard sei es möglich, ihn festzuhalten, behauptete Houdini! Superintendent Melville ging tatsächlich darauf ein. Im Beisein eines Journalisten fesselte er Houdini mit Hilfe vermeintlich ausbruchsicherer Handschellen an einen Pfeiler und teilte dem ambitionierten Entfesselungskünstler mit, dies sei genau die Art und Weise, wie man in England mit vorlauten Amerikanern umgehe. Mit den Worten: „Lassen wir ihn ein paar Stunden hier und gehen derweil einen Tee trinken“, wandte sich Melville grinsend an den Journalisten und wollte eben davongehen, als ihm Harry Houdini von hinten auf die Schulter tippte, dem Superintendenten die geöffneten Handschellen hinhielt und sagte: „Nun, ich würde Sie ganz gern begleiten, Gentlemen.“

Dieses Ereignis ging durch die Presse und begründete Houdinis Ruhm. Fortan trat er in London, Berlin und Moskau auf und kehrte als Star in die Vereinigten Staaten zurück. Er schrieb Bücher, trat in Filmen auf und tourte mit seiner Show um die Welt.

 

Harry Houdinis Siegeszug hat begonnen!

 

Lady Jane Doyle

Lady Jane Doyle

„Nicht schlecht für Kirmesbuden-Harry“, schrieb er in jenen Tagen in sein Tagebuch. Eine seiner spektakulärsten Vorführungen war die Wasserfolter – ein Kunststück, bei dem sich der Illusionist, in eine Zwangsjacke gekleidet und mit Handschellen gefesselt, aus einem mit Wasser gefüllten Glaskasten befreite. Houdini perfektionierte den Trick und machte ihn noch spektakulärer, indem er sich kopfüber in dem Glas- und Wassergefängnis festschnallen ließ.

1923 wurde Harry Houdini in New York als Freimaurer in die Cecil Lodge aufgenommen. Seit er über Geld verfügte, war es ihm ein Anliegen, Gutes zu tun und den weniger Begünstigten dieser Welt zu helfen. Mit seinem Freimaurer-Bruder Sir Arthur Conan-Doyle verband ihn eine enge Freundschaft. Während der Skeptiker Houdini jedoch nichts vom Spiritismus hielt und zahlreiche Möchtegern-Medien und Geisterbeschwörer als Scharlatane entlarvte, sah Conan Doyle den Spiritismus als erwiesene Tatsache an. Als Lady Jean Conan Doyle, die sich als Medium betätigte, Houdini anbot, Kontakt zu dessen geliebter, verstorbener Mutter herzustellen, kam es zum Bruch.

 

Ein unerwartetes Ende

 

Ebenso wie sein Erfolg kam auch Harry Houdinis Ende vollkommen unerwartet und überraschend. Am 21. Oktober 1926 wurde er während einer Pause im Umkleideraum des Princess Theaters in Montreal von drei Studenten aufgesucht. Der Kräftigste von ihnen sprach Houdini auf dessen Behauptung an, er könne jeden Faustschlag gegen seinen Körper – wie stark er auch sei – mit Leichtigkeit auffangen. Und er bat den Entfesselungskünstler, dies ausprobieren zu dürfen. Houdini, der auf dem Sofa lag, stimmte zu. Vier rasche, kräftige Schläge trafen ihn mit voller Wucht, als er sich gerade vom Sofa erheben wollte. „Nicht so!“, stöhnte Houdini und rang nach Luft. „Ich muss mich vorbereiten.“ Der junge Mann entschuldigte sich und schlug auf Houdinis Zeichen abermals zu. Diesmal hielt der Illusionist stand. Doch die ersten Schläge hatten das Schicksal des Entfesselungskünstlers bereits besiegelt. Ohne es zu ahnen, trat der Todgeweihte noch drei weitere Abende unter Schmerzen mit einem perforierten Blinddarm auf. Als ihn Bessie schließlich dazu überredete, einen Arzt aufzusuchen, war es zu spät. Nach einer misslungenen Notoperation starb Harry Houdini, der größte Entfesselungskünstler aller Zeiten, am Abend des 29. Oktober 1926. Er wurde nur 57 Jahre alt.

Die Zauberkunst ist ein seltsames und rätselhaftes Geschäft; genau wie die Kunst, das perfekte Verbrechen zu verüben – zumindest in der Literatur. Wer dieser Verbindung nachgehen möchte, dem sei Robert C. Marleys Roman „Inspector Swanson und der Magische Zirkel“ empfohlen.

 

Von Gerald Hagemann (Übersetzer der Swanson-Reihe)
und René Adebahr Hagemann (Zauberkünstler & Illusionist)

Jules Verne und seine Visionen der Zukunft

jules-verne-393713„Sie sehen“, sagte Kapitän Nemo, „ich verwende bunsensche Elemente, nicht ruhmkorffsche. … Die erzeugte Elektrizität zieht sich nach hinten, wo sie durch sehr große Elektromagnete auf ein besonderes System von Hebeln und Rädergetrieben wirkt, welche die Bewegung auf die Welle der Schraube hinleitet. Diese, deren Durchmesser 6 Meter mißt und das Gewinde 7 1/2 Meter, kann in einer Sekunde bis auf 120 Umdrehungen erzeugen.“

„Und damit erhalten Sie?“

„Eine Geschwindigkeit von 50 Meilen in der Stunde.“

Hier fand ein Geheimnis statt, aber ich bestand nicht darauf, es kennenzulernen. Wie wurde es möglich, dass die Elektrizität mit solcher Kraft wirkte?*

*(aus „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne)

Ein mit Elektrizität betriebenes Unterseeboot – für Jules Vernes Zeitgenossen eine unglaubliche Vorstellung, für die Leser heute nichts Besonderes. Genauso die Mondlandung, ein wichtiges Thema bei Verne, oder die Reise in 80 Tagen um die Welt.

Von Unbekannt - Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter'm Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV-V, Wien, Pest, Leipzig: A. Hartleben, 1874, Seite 112., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13286200

Von Unbekannt – Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV-V, Wien, Pest, Leipzig: A. Hartleben, 1874, Seite 112., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13286200

Jules Verne, der oft als „Vater der Science-Fiction“ bezeichnet wird, rückte als einer der ersten Autoren Schilderungen wissenschaftlich-technischer Vorgänge in den Mittelpunkt seiner Bücher. Genau das macht Science-Fiction aus. Natürlich sind die Grenzen zur Fantasy nicht immer eindeutig. So kann man sich sicher darüber streiten, ob einige der vor Jules Verne erschienenen Utopien schon als Science-Fiction zählen können. Auch ist Verne nicht der Erste, der eine Mondlandung beschreibt. Doch meist ging es den Autoren in diesem Fall nicht um die Technik, sondern um gesellschaftliche Aussagen, wie z. B. bei Savinien Cyrano de Bergerac in seinem Roman „Reise zum Mond und zur Sonne“ von 1655.

Verne wurde 1828 geboren und erlebte somit eine Epoche rasanten industriellen Fortschritts. Dinge wurden möglich, an die vorher niemand auch nur gedacht hatte, wodurch oft ein geradezu unbegrenzter Glaube an die Wunderkraft der Technik entstand. Auch Verne war fasziniert von den neuen Möglichkeiten, er studierte Berichte über Erfindungen, lotete ihre Einsatzmöglichkeiten aus und entwickelte so Abenteuer, die bis heute begeistern. Seine Bücher wurden in 143 Sprachen übersetzt, somit liegt er nach einer Statistik der UNESCO hinter der Bibel, Lenin, Enid Blyton, Marx und Agatha Christie auf dem 6. Platz der Weltrangliste der am meisten übersetzten Autoren.

Jules Verne war der Sohn eines Rechtsanwalts aus Nantes und studierte auf Wunsch des Vaters hin Jura in Paris. Doch das Theater interessierte ihn mehr als sein Studium, und schon bald begann er, Stücke zu schreiben.

Jules Vernes 1863 erschienener Roman Cinq semaines en ballon (Fünf Wochen im Ballon), illustriert von Riou und de Montaut. (Quelle: Von Édouard Riou - Scan of this book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1587091)

Jules Vernes 1863 erschienener Roman Cinq semaines en ballon (Fünf Wochen im Ballon), illustriert von Riou und de Montaut. (Quelle: Von Édouard Riou – Scan of this book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1587091)

Nach der Heirat mit der reichen Witwe Honorine Morel war er finanziell unabhängig, arbeitete aber weiter für das Theater und auch an der Börse. Ein Freund Jules Vernes plante eine Ballonfahrt und Verne half beim Bau des Ballons. Leider verunglückte der Freund tödlich in dem Ballon, was Jules Verne dazu brachte, seinen ersten Roman zu schreiben: „Fünf Wochen im Ballon“. Dieser wurde 1863 mit großem Erfolg im Verlag Hetzel veröffentlicht. Der Verleger war so begeistert von Verne, dass er mit ihm eine ganze Romanserie, die „Voyages Extraordinaires“ (Die außergewöhnlichen Reisen) herausbrachte.

Jules Verne wurde schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit, der selbst der Papst eine Audienz gewährte. 1905 starb er in Amiens. Den ersten Flug der Brüder Wright 1903 hat er demnach noch mitbekommen.

Fisher_Echo8_300dpi_RGBScience-Fiction hat sich seit Jules Verne als Genre fest etabliert. Daher freuen wir uns, nun auch im Dryas Verlag einen ersten Science-Fiction-Roman im Programm zu haben: „Echo 8“ von Sharon Lynn Fisher. Was bei Verne noch Utopie war, die Mondlandung, ist in der heutigen Science-Fiction ja schon keine Vision mehr. Daher wird in „Echo 8“ auch nicht mehr der Mond erforscht. Stattdessen bekommt es die Parapsychologin Tess mit Besuchern aus einem Paralleluniversum zu tun – und einem hartnäckigen FBI-Agenten aus ihrer eigenen Welt. Hier geht´s zum Buch.

Blenheim Palace, ein Geheimtipp von Katharina Mylius

© Katharina M. Mylius

Als ich das erste Mal von „Blenheim Palace“ hörte, war ich sehr neugierig, was für ein „Palast“ sich wohl hinter dem Namen versteckte. Daher machte ich mich frühmorgens mit einem gebürtigen Oxforder auf den Weg dorthin.

In einem roten Doppeldeckerbus fuhren wir hinaus in das kleine Dorf Woodstock, das etwa zwanzig Minuten von Oxford entfernt liegt. Der Bus hielt direkt vor den Toren des Blenheim Palace – dem Ort, an dem einst Winston Churchill geboren wurde und dem eine Ausstellung im Schloss gewidmet war, wie ich von meinem Freund erfahren hatte. Er war es auch, der vorschlug, nicht den Haupteingang zu benutzen, sondern das Gelände durch das Osttor zu betreten. Ein Geheimtipp, meinte er verheißungsvoll.

 

© Katharina M. Mylius

© Katharina M. Mylius

Und er behielt recht, denn kurz darauf eröffnete sich uns ein wahrlich grandioser Ausblick: Vor uns erstreckte sich der Queen Pool, ein großer Stausee, über den eine mächtige Brücke hin zum Blenheim Palace führte. Leichter Nebel lag über dem See und bis auf das Quaken einer Entenfamilie war alles still. Das imposante Barockschloss stand auf einer Anhöhe und erstrahlte im Licht der aufgehenden Sonne rot-gelb. Hohe Bäume umrahmten das Schloss und zogen sich kilometerweit über das Gelände. Dazwischen lagen sattgrüne Wiesen. Es war so einsam und friedlich.

© Katharina M. Mylius

© Katharina M. Mylius

Gemütlich spazierten wir einen schmalen Weg entlang auf das Schloss zu. Dann war auf einmal Hundegebell zu hören. Ein Border Collie kam auf uns zugesprungen, wurde jedoch von seinem Herrchen zurückgepfiffen. Der ältere Herr in der Wachsjacke und den Gummistiefeln grüßte uns freundlich. „Ist das etwa der zwölfte Duke of Marlborough, der heutige Schlossherr?“, flüsterte ich meinem Begleiter aufgeregt zu. Doch der schüttelte den Kopf und erklärte mir, dass die Woodstocker Bürger den Schlosspark mit einem Pass das ganze Jahr über besuchen konnten. Welch ein herrschaftlicher Ort, um seinen Hund Gassi zu führen!

Beim Schloss angekommen, war ich überwältigt von den aufwendigen Verzierungen der Fassaden und Dächer. Hier hatte man ein Vermögen verbaut. Doch mein persönliches Highlight waren die wunderschönen Gärten, die um das Schloss herum angelegt worden waren: Ein kleiner Lavendelgarten duftete herrlich und auch im etwas abgelegenen Rose Garden standen farbige Rosen in Blüte.

© Katharina M. Mylius

© Katharina M. Mylius

Unser Spaziergang wurde gekrönt von einem Besuch im Schlosscafé. Auf einer Terrasse genossen wir einen Tee und Scones und blickten hinunter zu den Water Terraces, einer kunstvoll angelegten Brunnenlandschaft. Langsam füllte sich die Terrasse mit weiteren Besuchern – mit Schulklassen, Touristengruppen und Familien mit kleinen Kindern. Die anfängliche Ruhe und die Einsamkeit wichen einem lebhaften Gewusel. Doch das störte nicht weiter, denn dieser besondere Ort war einfach viel zu schön, um ihn nicht mit anderen zu teilen.

© Katharina M. Mylius

© Katharina M. Mylius

Blogtour Tag 4: „Durchbrennen nach Gretna Green“

von Sophia Farago

Du bist eine junge, englische Adelige, wir schreiben das Jahr 1811 und deine Eltern haben einer Hochzeit mit deinem Angebeteten nicht zugestimmt? Sie sagen, er sein nicht standesgemäß? Oder habe zu wenig Vermögen? Ach, du Ärmste!

Was sagst du da? Ihr wollt euch nicht abhalten lassen, und habt beschlossen, nach Greta Green durchzubrennen? In Schottland sind die Ehegesetze bei weitem weniger streng. Dort reicht es aus, seinen Heiratswillen vor irgendeinem Erwachsenen kundzutun und schon ist man unauflöslich verbunden. Auch die Eltern können nichts mehr dagegen unternehmen. Der erste Ort nach der Grenze ist Gretna Green, das erste Haus, das des Schmieds. Der ist inzwischen daran gewöhnt, Engländer vor seinem Amboss für Mann und Frau zu erklären. Er sorgt auch für die nötigen Trauzeugen und alles, was zur Zeremonie dazu gehört. Du hast gehört, er führt inzwischen sogar ein Heiratsregister und verlangt dafür nur eine geringe Gebühr. Der Weg zu diesem Schmid ist euer Ziel.

Hast du dir das wirklich gut überlegt? Die feine Gesellschaft wird die Hände zusammenschlagen. Deine Familie wird lange brauchen, um sich von diesem Skandal zu erholen. Und du und dein Mann werden von den strengkonservativen Adeligen gemieden werden. Und das sind, wie du weißt, die meisten Mitglieder der vornehmen Gesellschaft. Du sagst, dass macht dir nichts? Dieser Mann sei es wert, solche Bürden auf sich zu nehmen?

Gut, dann pass gut auf, was ich dir empfehle. Erzähle niemandem von eurem Plan! Auch nicht deiner Zofe oder deiner besten Freundin. Sicher denken sie, du bist dabei in dein Unglück zu laufen und verständigen deine Eltern. Dein Liebster will zwei Plätze in der Postkutsche buchen? Bloß nicht! Das mag zwar billig sein, aber denke an den weiten Weg! Die Kutschen sind schlecht gefedert, man teilt den Platz mit allerhand Gesindel, von den Unfällen, die durch betrunkene Postkutscher passieren, ganz zu schweigen. Nein, ein ordentliches Fahrzeug mit vier Pferden muss her.

Hinterlasse einen Brief, in dem du alles erklärst und um Verzeihung bittest. Viellicht hast du ja das Glück, und deine Eltern empfangen deinen Gemahl nach der Trauung, wenn sie merken, wie sehr du ihn liebst. Verstecke den Brief so, dass er nicht gefunden wird, bevor du einen uneinholbaren Vorsprung hast.

Nimm nur das Allernötigste mit. Je schwerer der Koffer, desto langsamer kommt ihr voran. Du brauchst kaum Kleidung, da ihr am Weg in den Norden ohnehin nicht übernachten könnt. Kein ehrbares Wirtshaus wird euch ohne Trauschein Unterkunft gewähren.

Die Zeremonie beim Schmid ist schnell vorüber und endlich seid ihr Mann und Frau. Vergiss nicht, dir ein Dokument auszustellen zu lassen, das die Eheschließung bezeugt. Am Heimweg steht euch nun jede Unterkunft zur Verfügung, die ihr euch leisten könnt. Du kannst ja jetzt stolz deinen Ehering und das Dokument vorweisen.


Hochzeitsfoto Sophia FaragoAuch Sophia Farago hat in Gretna Green geheiratet

Heutzutage gelten natürlich in England und Schottland die gleichen Ehegesetze. Mein Mann und ich sind 2001 nach Gretna Green durchgebrannt, um dort zu heiraten.

Wir mussten nicht bei Nacht und Nebel losziehen und konnten statt der Kutsche das Flugzeug nehmen. Dafür hatten wir unsere Vermählung zuerst beim österreichischen Standesamt anzumelden und alle Dokumente beglaubigt übersetzen zu lassen. Ein Priester der United Reformed Church vermählte uns vor dem Amboss des Schmids. Die Zeremonie wurde stilecht von einem Dudelsackbläser begleitet.

Die Tatsache, dass meine Kinder die beiden Trauzeugen waren beweist, dass wir nicht mehr ganz so jung waren und auch ohne Einwilligung der Eltern hätten heiraten dürfen.

 


Das Buch „Der Heiratsplan“

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LANCROFT ABBEY REIHE

England, 1811. Frederica, die älteste Tochter des verstorbenen Viscount of Panswick, träumt von einer glanzvollen Saison in London. Doch ihr Vater hat der Familie einen Berg Schulden hinterlassen.

Um wenigstens das Anwesen Lancroft Abbey zu retten, beschließt ihre Mutter, alles auf eine Karte zu setzen. Anstelle von Frederica soll zuerst die zweitälteste und schönste Tochter Penelope in London debütieren, ausgestattet mit dem letzten Bargeld.

Als sich Penelopes Anstandsdame das Bein bricht, übernimmt Frederica, als verwitwete Cousine verkleidet, ihren Part. Die ersten Versuche, Kontakt zur vornehmen Gesellschaft aufzunehmen, scheitern kläglich. Kann Frederica ihre Aufgabe doch noch erfüllen und einen reichen Junggesellen für ihre Schwester finden?

Taschenbuch, 320 Seiten; ISBN: 978-3-940855-60-2
8,95 € [D], 9,30 € [A] (erscheint bei Dryas nur als Taschenbuch)

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Die gesamte Blogtour

Viktorianisches Design: Museumstipp für London-Besucher

Eingang Victoria and Albert Museum in South Kensington

Wer seinen Jahresurlaub noch nicht vollständig geplant hat, dem sei ein Abstecher nach London ans Herz gelegt. Die Stadt lohnt sich immer – finden wir zumindest beim Dryas Verlag …

Sollte London auf dem Reiseplan stehen, möchten wir einen Museumstipp mitgeben, ein Muss für jeden Fan des viktorianischen England: das Victoria and Albert Museum in South Kensington.

Das Museum wurde 1852 gegründet unter dem Namen „Museum of Manufactures“, also „Museum für Industrieerzeugnisse“. Nachdem die Weltausstellung 1851 in London so ein großer Erfolg gewesen war, wollte man das Interesse an aktuellen Produkten der britischen Wirtschaft aufrechterhalten – ein Vorhaben, das von Prinzgemahl Albert großzügig finanziell unterstützt wurde. Die Sammlung wuchs rasch. 1857 musste das Museum bereits umziehen, nach South Kensington – woraufhin der wenig attraktive Museumsname abgelegt wurde und es sich fortan „Museum of South Kensington“ nannte.

Aber auch dieses Gebäude war bald zu klein für die Sammlung. So legte Queen Victoria 1899 den Grundstein für einen angemessenen Neubau, woraufhin das Museum konsequenterweise „Victoria and Albert Museum“ getauft wurde.

arcos-252523_1920Ort und Name sind seither erhalten geblieben, nur zeigt die Sammlung jetzt eben nicht mehr die aktuelle britische Produktion, sondern gibt einen großartigen historischen Überblick über viktorianische Designs – von Kleidung über Möbel bis hin zu Schmuck und diversen Alltagsgegenständen.

Im Anschluss an den Museumsbesuch bietet sich übrigens noch ein Bummel durch das Viertel South Kensington an. Das Gebiet des heutigen South Kensington war nämlich bis zur Weltausstellung 1851 Ackerland. Danach kauften die Macher der Weltausstellung eine Fläche in South Kensington, die heutige Exhibition Road, für weitere Ausstellungsprojekte. Im Zuge der Entstehung diverser Museen (neben dem Victoria and Albert Museum z. B. auch das Natural History Museum) und des Imperial College entwickelte sich auch South Kensington zu einem attraktiven Vorort, in dem man heute viele Beispiel viktorianischer Architektur bewundern kann.


Weitere Infos unter http://www.vam.ac.uk/

Öffnungszeiten

Täglich: 10.00 – 17.45

Freitag: 10.00 – 22.00


Über die Autorin

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .

Golf – Ein mörderisches Vergnügen

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„Sie spielen nicht Golf, Mr Poirot?“, fragte Bex. „Ich? Niemals. Was für ein Zeitvertreib!“, antwortete der erregt. „Stellen Sie sich vor, jedes Loch hat eine andere Länge. Die Hindernisse sind nicht mathematisch angeordnet. Selbst die Grüns fallen regelmäßig nach einer Seite ab! Es gibt nur eine befriedigende Sache: die – wie werden sie doch gleich genannt? –, die Abschläge! Wenigstens die sind symmetrisch.“ (Agatha Christie: „The Murder on the Links“ (1923), Übersetzung: Reef.)

Tatsächlich betrachten wie Hercules Poirot wohl die meisten Menschen das Golfspiel als eine hochgradig irrationale Beschäftigung. Die Golfer selbst bilden hier keine Ausnahme. Allerdings haben sie zu ihrem Sport ein fast sakrales Verhältnis entwickelt, und spätestens, seitdem der Astronaut Alan Shepard 1971 zwei Golfschläge auf dem Mond vollführte, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass diesem Spiel etwas Transzendentes anhaftet.

golfonthemoonErste irdische Hinweise auf einen Zeitvertreib mit Ball und Schläger lassen sich um das Jahr 1200 ausmachen. Zu dieser Zeit begannen Menschen auf der ganzen Welt einen kleinen Ball mit einem dafür ungeeigneten Stock in ein viel zu kleines Loch zu schlagen. Die Grundidee des Golfspiels war geboren.

Die eigentliche Geschichte des modernen Golfsports beginnt allerdings unstrittig in Schottland. Dort entwickelte sich im 14. Jahrhundert eine Version des Spiels, welche sich in den Grundregeln bis heute kaum geändert hat. Die Schotten liebten diesen Sport so sehr, dass sich König James II. 1457 veranlasst sah, „ye golf“ zu verbieten. Stattdessen sollten sich seine Untertanen im Bogenschießen üben. Die Wiederholung dieses Bannspruches durch seine Nachfolger James III. (1471) und James IV. (1491) lässt jedoch die Vermutung zu, dass das Verbot nur wenig Beachtung gefunden hatte. Zudem wurde bald bekannt, dass James IV. selbst Golf spielte. Als 1502 England und Schottland Frieden schlossen, verbreitete sich das Spiel rasch in ganz Großbritannien.
Auf den Kontinent kam das „moderne“ Golf durch Maria Stuart. Die Königin von Schottland führte das Spiel in Frankreich ein. Man kann davon ausgehen, dass sie eine begeisterte Golferin war. Angeblich soll sie 1567 nur einen Tag nach der Ermordung ihres zweiten Gatten eine Runde in Musselburgh gespielt haben. Auf diesem Platz in der Nähe von Edinburgh kann man übrigens heute noch spielen – und man sollte es auch tun, denn das traditionsreichste Golfturnier der Welt, die „Open“, wurde hier zwischen 1874 und 1898 sechs Mal ausgetragen. Schon für 15 Euro lässt sich an Wochentagen auf dem Old Course Golfgeschichte atmen.

The_MacDonald_boys_playing_golf-18th_century_by-jeremiah-davison-839x1024Golf entwickelte sich schnell zu einem britischen Volkssport und ist selbst für die reserviertesten Untertanen Ihrer Majestät eine hochemotionale Angelegenheit. Fragen Sie einmal einen passionierten Insel-Golfer nach John Henrie und Pat Rogie, und er wird Ihnen – vielleicht mit Tränen in den Augen – erzählen, wie diese beiden Männer 1593 für ihren Sport in den Kerker gewandert sind. Tatsächlich saßen sie ein, weil man sie am Tage des Herrn zur Stunde des Gottesdienstes wiederholt beim Golfspielen erwischt hatte. P.G. Wodehouse widmete den besagten Rebellen die vielleicht humorvollste Sammlung von Golfgeschichten: „The Clicking of Cuthbert“ (1922). Das „kriminelle“ Verhalten dieser Herren zeigt auch einmal mehr, dass sich Golf und Verbrechen näherstehen, als man es gemeinhin vermuten würde. Es ist daher doch fast folgerichtig, dass dieser urbritische Volkssport eine lange und fruchtbare Liaison mit dem urbritischen Kriminalroman eingegangen ist. Deutsche Krimi-Fans mag das überraschen, was einfach daran liegt, dass nur sehr wenige dieser Golf-Krimis übersetzt worden sind. In den 1920er und 1930er Jahren waren sie besonders en vogue. Fast jeder berühmte und weniger berühmte Autor schrieb in dieser Zeit wenigstens einen Detektivroman, in dem diesem Spiel eine tragende Rolle zukommt. Zu nennen (weil auf Deutsch erschienen) sind hier zum Beispiel Ronald A. Knox’ „Der Mord am Viadukt“ (1925) und Rex Stouts „Die Lanzenstange“ (1934). Aber es gab auch Wiederholungstäter unter den Autoren. Herbert Adams etwa brachte es auf sieben Golf-Krimis und Agatha Christie schrieb immerhin vier Romane, in denen Golf eine gewichtige Rolle spielt. Die junge Agatha soll eine begeisterte Golferin gewesen sein und spielte regelmäßig in Churston und Torquay. Nach ihrer Scheidung von Archibald Christie soll sie den Sport allerdings aufgegeben haben. Bis heute hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der Grund dafür das niedrigere Handicap ihrer Rivalin gewesen sei, die Archie kurze Zeit nach der Trennung von Agatha heiratete.

TheClickingOfCuthbertWie dem auch sei, ihre Kenntnisse des Golfsports zeigen sich in Poirots zweitem Abenteuer „Mord auf dem Golfplatz“ (1923) ebenso wie in „Ein Schritt ins Leere“ (1934), „Kurz vor Mitternacht“ (1944) und dem siebten Marple-Krimi „16 Uhr 50 ab Paddington“ (1957). Der Golf-Krimi ist im angelsächsischen Raum bis heute ein blühendes Sub-Genre. In den Vereinigten Staaten werden ganze Serien mit golfenden Detektiven verlegt (etwa Roberta Isleibs „Cassandra Burdette Mysteries“ oder die „Lee Ofsted“-Serie von Charlotte und Aaron Elkins). Viele Autoren der Gegenwart haben sich wenigstens an einem Golf-Krimi versucht (z. B. Harlan Coban: „Back Spin“ (1997), Catherine Aird: „A Hole in One“ (2005), Ian Simpson: „Murder on the Second Tee“ (2014). Einen guten Überblick bietet die Seite http://librarybooklists.org/mybooklists/mysteriesgolf und Thomas F. Taylors „The Golf Murders“ (1997)). Auch die wohl berühmteste literarische Golfszene überhaupt entstammt der Feder eines britischen Kriminalromanautors. In „Goldfinger“ (1959) lässt Ian Fleming James Bond eine Runde mit dem gleichnamigen Erzschurken im fiktionalen Royal St Mark’s Club spielen. In der Kinoversion findet dieses grandiose Aufeinandertreffen, gespielt von Sean Connery und Gert Fröbe, übrigens auf dem Anwesen von Stoke Park (nahe Heathrow) statt. Auch auf diesem Platz lässt sich noch trefflich golfen. Das Atmen von Filmgeschichte hat allerdings seinen Preis. Im Sommer kann eine Runde dort bis zu 250 Euro kosten.

Zum Autor des Beitrags: Rob Reef wurde 1968 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Berater und Texter in einer Werbeagentur. Seit seiner Jugend liest und sammelt er alte Englische Detektivromane. Seine Leidenschaft für den Golfsport entdeckte er in Devon. Reef lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin. Auf sein Handicap angesprochen, antwortet er: „Golf.“

Sein Golf-Krimi „Stableford“ ist 2015 im Goldfinch Verlag erschienen (http://www.dryas.de/britcrime/stableford)

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