Viktorianisches Design: Museumstipp für London-Besucher

Eingang Victoria and Albert Museum in South Kensington

Wer seinen Jahresurlaub noch nicht vollständig geplant hat, dem sei ein Abstecher nach London ans Herz gelegt. Die Stadt lohnt sich immer – finden wir zumindest beim Dryas Verlag …

Sollte London auf dem Reiseplan stehen, möchten wir einen Museumstipp mitgeben, ein Muss für jeden Fan des viktorianischen England: das Victoria and Albert Museum in South Kensington.

Das Museum wurde 1852 gegründet unter dem Namen „Museum of Manufactures“, also „Museum für Industrieerzeugnisse“. Nachdem die Weltausstellung 1851 in London so ein großer Erfolg gewesen war, wollte man das Interesse an aktuellen Produkten der britischen Wirtschaft aufrechterhalten – ein Vorhaben, das von Prinzgemahl Albert großzügig finanziell unterstützt wurde. Die Sammlung wuchs rasch. 1857 musste das Museum bereits umziehen, nach South Kensington – woraufhin der wenig attraktive Museumsname abgelegt wurde und es sich fortan „Museum of South Kensington“ nannte.

Aber auch dieses Gebäude war bald zu klein für die Sammlung. So legte Queen Victoria 1899 den Grundstein für einen angemessenen Neubau, woraufhin das Museum konsequenterweise „Victoria and Albert Museum“ getauft wurde.

arcos-252523_1920Ort und Name sind seither erhalten geblieben, nur zeigt die Sammlung jetzt eben nicht mehr die aktuelle britische Produktion, sondern gibt einen großartigen historischen Überblick über viktorianische Designs – von Kleidung über Möbel bis hin zu Schmuck und diversen Alltagsgegenständen.

Im Anschluss an den Museumsbesuch bietet sich übrigens noch ein Bummel durch das Viertel South Kensington an. Das Gebiet des heutigen South Kensington war nämlich bis zur Weltausstellung 1851 Ackerland. Danach kauften die Macher der Weltausstellung eine Fläche in South Kensington, die heutige Exhibition Road, für weitere Ausstellungsprojekte. Im Zuge der Entstehung diverser Museen (neben dem Victoria and Albert Museum z. B. auch das Natural History Museum) und des Imperial College entwickelte sich auch South Kensington zu einem attraktiven Vorort, in dem man heute viele Beispiel viktorianischer Architektur bewundern kann.


Weitere Infos unter http://www.vam.ac.uk/

Öffnungszeiten

Täglich: 10.00 – 17.45

Freitag: 10.00 – 22.00


Über die Autorin

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .

Scotland Yard und seine Vorgänger

Die Entstehungsgeschichte der legendären Polizeibehörde Londons  – von Sandra Thoms

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Nachdem 1809 Berlin als erste große Stadt Europas ihre eigene Polizeibehörde bekommen hatte, 1811 dann Paris mit der „Sûreté“ folgte, war es 1829 auch in London so weit: Die Metropolitan Police wurde gegründet – und damit eine Polizeibehörde mit legendärem Ruf bei allen Krimilesern. Diesen hat sie sicher unter anderem ihrem berühmtesten „Consulting Detective“ Sherlock Holmes zu verdanken.

Die Metropolitan Police ist für den Bezirk Greater London zuständig, nicht aber für die City of London, die ihre eigene Behörde hat, die City of London Police. Gründungsvater der Metropolitan Police war der damalige Innenminister Robert Peel, was den Beamten den Spitznamen „Bobbies“ (hergeleitet von „Robert“) oder „Peeler“ einbrachte.

Der erste Sitz der Behörde, die zu Beginn aus zwei Police-Commissioners bestand, war ein Gebäude am Ende einer Straße namens Great Scotland Yard. Das führte zu dem allgemein übliche Spitznamen der Behörde, „Scotland Yard“. Warum diese Straße so hieß, ist nicht bekannt. Einer Legende nach war das Gebäude, welches Teil des Whitehall-Palasts war, das Quartier der schottischen Könige, wenn diese London besuchten. Das Gebäude wurde allerdings bereits 1890 zu klein für die wachsende Polizeibehörde und man musste umziehen. Das neue Gebäude lag zwar an einer anderen Straße, wurde aber „New Scotland Yard“ getauft. Der Name für den Sitz der Behörde wurde auch nach zwei weiteren Umzügen beibehalten.

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Vor der Gründung des Scotland Yard war ein von den Bürgern gewählter, aber nicht bezahlter Friedensrichter für strafrechtliche Angelegenheiten zuständig. Er wurde von den Common-Informers (Spitzel) und den Thief-Takers (Diebesfänger) unterstützt. Besonders Thief-Takers konnten in dem System gut verdienen, denn nach Ergreifung des Täters erhielt der Thief-Taker nicht nur eine Prämie, sondern auch den Besitz des Verurteilten. Berüchtigt war Ende des 17. Jahrhunderts Jonathan Wild, „Thief-Taker General of Great Britain and Ireland“. Wild war als Straßenräuber aufgewachsen und schaffte es bis zum Boss der Londoner Unterwelt. Wer nicht tat, was er wollte, wurde angezeigt. 1725 wurde Wild das Handwerk gelegt und er landete selbst am Galgen.

Der Autor Henry Fielding (1707–1754) schrieb in Folge die Biografie von Jonathan Wild – und sagte unter dem Eindruck der in diesem Zusammenhang gesammelten Erkenntnisse dem Verbrechen den Kampf an. Er ließ sich zum Friedensrichter wählen und konnte das Innenministerium überzeugen, ihm bezahlte Beamte zur Verfügung zu stellen. Diese „Bow-Street-Runner“ waren bis zur Gründung von Scotland Yard die Einzigen, die einer Polizeibehörde zumindest nahe kamen. Ihren Namen erhielten sie übrigens ebenfalls nach der Straße, in der sich ihre Zentrale befand.

Als Robert Peel seine Beamten auf die Straße schickte, trugen diese bereits eine Uniform mit Frack und Zylinder, damit jeder sie erkennen konnte. Doch natürlich schreckte dies Verbrecher nicht unbedingt ab, sondern verlagerte das Verbrechen nur an vermeintlich unbeobachtete Orte. Um auch dort tätig sein zu können, bezogen 1842 zwölf Polizisten, die nur in Zivil gekleidet ermittelten, das Scotland Yard.

Mit der Entstehung der Polizeibehörden in den unterschiedlichen Ländern entwickelten sich auch die Techniken für die Verbrecherjagd weiter. Zum Beispiel wurden Wiederholungstäter in einer Kartei erfasst. 1894 wurde in England die Bertillonage eingeführt, eine Identifizierungsmethode aus Frankreich, bei welcher Verbrecher durch den Vergleich von Körpervermessungen identifiziert werden. 1900 kam dann offiziell die Daktyloskopie, die Identifizierung durch Fingerabdrücke, hinzu. Nachdem die Beamten von Scotland Yard mit diesen neuen Methoden tatsächlich Aufklärungsarbeit leisten konnten, schwand das Misstrauen in der Bevölkerung und ihr Ansehen wuchs.

Wobei ein nicht unerheblicher Teil des Ansehens auf die Detektivgeschichten von Charles Dickens, Wilkie Collins und Arthur Conan Doyle zurückzuführen ist.