Blogtour Tag 4: „Durchbrennen nach Gretna Green“

von Sophia Farago

Du bist eine junge, englische Adelige, wir schreiben das Jahr 1811 und deine Eltern haben einer Hochzeit mit deinem Angebeteten nicht zugestimmt? Sie sagen, er sein nicht standesgemäß? Oder habe zu wenig Vermögen? Ach, du Ärmste!

Was sagst du da? Ihr wollt euch nicht abhalten lassen, und habt beschlossen, nach Greta Green durchzubrennen? In Schottland sind die Ehegesetze bei weitem weniger streng. Dort reicht es aus, seinen Heiratswillen vor irgendeinem Erwachsenen kundzutun und schon ist man unauflöslich verbunden. Auch die Eltern können nichts mehr dagegen unternehmen. Der erste Ort nach der Grenze ist Gretna Green, das erste Haus, das des Schmieds. Der ist inzwischen daran gewöhnt, Engländer vor seinem Amboss für Mann und Frau zu erklären. Er sorgt auch für die nötigen Trauzeugen und alles, was zur Zeremonie dazu gehört. Du hast gehört, er führt inzwischen sogar ein Heiratsregister und verlangt dafür nur eine geringe Gebühr. Der Weg zu diesem Schmid ist euer Ziel.

Hast du dir das wirklich gut überlegt? Die feine Gesellschaft wird die Hände zusammenschlagen. Deine Familie wird lange brauchen, um sich von diesem Skandal zu erholen. Und du und dein Mann werden von den strengkonservativen Adeligen gemieden werden. Und das sind, wie du weißt, die meisten Mitglieder der vornehmen Gesellschaft. Du sagst, dass macht dir nichts? Dieser Mann sei es wert, solche Bürden auf sich zu nehmen?

Gut, dann pass gut auf, was ich dir empfehle. Erzähle niemandem von eurem Plan! Auch nicht deiner Zofe oder deiner besten Freundin. Sicher denken sie, du bist dabei in dein Unglück zu laufen und verständigen deine Eltern. Dein Liebster will zwei Plätze in der Postkutsche buchen? Bloß nicht! Das mag zwar billig sein, aber denke an den weiten Weg! Die Kutschen sind schlecht gefedert, man teilt den Platz mit allerhand Gesindel, von den Unfällen, die durch betrunkene Postkutscher passieren, ganz zu schweigen. Nein, ein ordentliches Fahrzeug mit vier Pferden muss her.

Hinterlasse einen Brief, in dem du alles erklärst und um Verzeihung bittest. Viellicht hast du ja das Glück, und deine Eltern empfangen deinen Gemahl nach der Trauung, wenn sie merken, wie sehr du ihn liebst. Verstecke den Brief so, dass er nicht gefunden wird, bevor du einen uneinholbaren Vorsprung hast.

Nimm nur das Allernötigste mit. Je schwerer der Koffer, desto langsamer kommt ihr voran. Du brauchst kaum Kleidung, da ihr am Weg in den Norden ohnehin nicht übernachten könnt. Kein ehrbares Wirtshaus wird euch ohne Trauschein Unterkunft gewähren.

Die Zeremonie beim Schmid ist schnell vorüber und endlich seid ihr Mann und Frau. Vergiss nicht, dir ein Dokument auszustellen zu lassen, das die Eheschließung bezeugt. Am Heimweg steht euch nun jede Unterkunft zur Verfügung, die ihr euch leisten könnt. Du kannst ja jetzt stolz deinen Ehering und das Dokument vorweisen.


Hochzeitsfoto Sophia FaragoAuch Sophia Farago hat in Gretna Green geheiratet

Heutzutage gelten natürlich in England und Schottland die gleichen Ehegesetze. Mein Mann und ich sind 2001 nach Gretna Green durchgebrannt, um dort zu heiraten.

Wir mussten nicht bei Nacht und Nebel losziehen und konnten statt der Kutsche das Flugzeug nehmen. Dafür hatten wir unsere Vermählung zuerst beim österreichischen Standesamt anzumelden und alle Dokumente beglaubigt übersetzen zu lassen. Ein Priester der United Reformed Church vermählte uns vor dem Amboss des Schmids. Die Zeremonie wurde stilecht von einem Dudelsackbläser begleitet.

Die Tatsache, dass meine Kinder die beiden Trauzeugen waren beweist, dass wir nicht mehr ganz so jung waren und auch ohne Einwilligung der Eltern hätten heiraten dürfen.

 


Das Buch „Der Heiratsplan“

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LANCROFT ABBEY REIHE

England, 1811. Frederica, die älteste Tochter des verstorbenen Viscount of Panswick, träumt von einer glanzvollen Saison in London. Doch ihr Vater hat der Familie einen Berg Schulden hinterlassen.

Um wenigstens das Anwesen Lancroft Abbey zu retten, beschließt ihre Mutter, alles auf eine Karte zu setzen. Anstelle von Frederica soll zuerst die zweitälteste und schönste Tochter Penelope in London debütieren, ausgestattet mit dem letzten Bargeld.

Als sich Penelopes Anstandsdame das Bein bricht, übernimmt Frederica, als verwitwete Cousine verkleidet, ihren Part. Die ersten Versuche, Kontakt zur vornehmen Gesellschaft aufzunehmen, scheitern kläglich. Kann Frederica ihre Aufgabe doch noch erfüllen und einen reichen Junggesellen für ihre Schwester finden?

Taschenbuch, 320 Seiten; ISBN: 978-3-940855-60-2
8,95 € [D], 9,30 € [A] (erscheint bei Dryas nur als Taschenbuch)

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Ein Kommentar

  • Stefanie Aden

    Huhu,
    vielen dank für den Beitrag.
    Das habe ich nun nicht gewusst mit Gretna Green. Aber wie gesagt sind die Zeiten, Gott sei Dank, vorbei. Sodas man sich seinen angerauten heute selber aussuchen kann.
    Wenn ich mir so überlege welche Strapazen auf einem zukommen und vor allem kann es auch sein das es nicht gelingt. Und dann?
    Ich weiß nicht wie ich reagiert hätte. Bin schon total auf die Geschichte der beiden Geschwister gespannt.
    Lg Stefanie

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