Blenheim Palace, ein Geheimtipp von Katharina Mylius

Als ich das erste Mal von „Blenheim Palace“ hörte, war ich sehr neugierig, was für ein „Palast“ sich wohl hinter dem Namen versteckte. Daher machte ich mich frühmorgens mit einem gebürtigen Oxforder auf den Weg dorthin.

In einem roten Doppeldeckerbus fuhren wir hinaus in das kleine Dorf Woodstock, das etwa zwanzig Minuten von Oxford entfernt liegt. Der Bus hielt direkt vor den Toren des Blenheim Palace – dem Ort, an dem einst Winston Churchill geboren wurde und dem eine Ausstellung im Schloss gewidmet war, wie ich von meinem Freund erfahren hatte. Er war es auch, der vorschlug, nicht den Haupteingang zu benutzen, sondern das Gelände durch das Osttor zu betreten. Ein Geheimtipp, meinte er verheißungsvoll.

 

© Katharina M. Mylius

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Und er behielt recht, denn kurz darauf eröffnete sich uns ein wahrlich grandioser Ausblick: Vor uns erstreckte sich der Queen Pool, ein großer Stausee, über den eine mächtige Brücke hin zum Blenheim Palace führte. Leichter Nebel lag über dem See und bis auf das Quaken einer Entenfamilie war alles still. Das imposante Barockschloss stand auf einer Anhöhe und erstrahlte im Licht der aufgehenden Sonne rot-gelb. Hohe Bäume umrahmten das Schloss und zogen sich kilometerweit über das Gelände. Dazwischen lagen sattgrüne Wiesen. Es war so einsam und friedlich.

© Katharina M. Mylius

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Gemütlich spazierten wir einen schmalen Weg entlang auf das Schloss zu. Dann war auf einmal Hundegebell zu hören. Ein Border Collie kam auf uns zugesprungen, wurde jedoch von seinem Herrchen zurückgepfiffen. Der ältere Herr in der Wachsjacke und den Gummistiefeln grüßte uns freundlich. „Ist das etwa der zwölfte Duke of Marlborough, der heutige Schlossherr?“, flüsterte ich meinem Begleiter aufgeregt zu. Doch der schüttelte den Kopf und erklärte mir, dass die Woodstocker Bürger den Schlosspark mit einem Pass das ganze Jahr über besuchen konnten. Welch ein herrschaftlicher Ort, um seinen Hund Gassi zu führen!

Beim Schloss angekommen, war ich überwältigt von den aufwendigen Verzierungen der Fassaden und Dächer. Hier hatte man ein Vermögen verbaut. Doch mein persönliches Highlight waren die wunderschönen Gärten, die um das Schloss herum angelegt worden waren: Ein kleiner Lavendelgarten duftete herrlich und auch im etwas abgelegenen Rose Garden standen farbige Rosen in Blüte.

© Katharina M. Mylius

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Unser Spaziergang wurde gekrönt von einem Besuch im Schlosscafé. Auf einer Terrasse genossen wir einen Tee und Scones und blickten hinunter zu den Water Terraces, einer kunstvoll angelegten Brunnenlandschaft. Langsam füllte sich die Terrasse mit weiteren Besuchern – mit Schulklassen, Touristengruppen und Familien mit kleinen Kindern. Die anfängliche Ruhe und die Einsamkeit wichen einem lebhaften Gewusel. Doch das störte nicht weiter, denn dieser besondere Ort war einfach viel zu schön, um ihn nicht mit anderen zu teilen.

© Katharina M. Mylius

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