Wie lebt es sich in einem viktorianischen Haushalt?

"The Governess" von Richard Redgrave

“The Governess” von Richard Redgrave

In der viktorianischen Ära blühte die britische Wirtschaft und das Arbeitsleben trennte sich vom Familienleben. Unterstützt von der anglikanischen Kirche entwickelte sich ein hehres Bild von Ehe und Familie und gerade die Frauen der prosperierenden Mittelklasse unternahmen große Anstrengungen, diesem Ideal zu entsprechen. Ihre oberste Pflicht war es, dem männlichen Haushaltungsvorstand (Gatte/Vater) ein gepflegtes und gemütliches Zuhause zu bieten. Unterstützt wurden sie dabei von einem Heer von Dienstboten.

Je größer der Haushalt war, umso mehr Dienstboten gab es: Hausmädchen, Zofen, Kindermädchen, Ammen, Kammerdiener, Diener, um nur einige zu nennen. Köchin oder Koch nahmen eine Sonderstellung ein. Grundsätzlich kann man sagen: Je schmutziger die Arbeit war, umso niedriger stand man in der häuslichen Hierarchie und umso schlechter war die Entlohnung. Es war also ungefähr wie heute.

In „Engel der Themse“ ist es Emma, die ganz unten steht. Als Tochter eines irischen Arbeiters hat sie nicht viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Sie fängt als Scullery-Maid, was nur unzureichend mit „Küchenmädchen“ übersetzt ist, in Whitewood Manor an. Sie scheuert und poliert die kupfernen Töpfe und eisernen Pfannen und muss die Feuer im Haus in Gang halten. Wenn selbst die anderen Dienstboten noch schlafen, schleicht sie sich aus der Dachkammer, die sie sich mit einem anderen Dienstmädchen teilt, und huscht wie ein rußbefleckter Geist mit Ascheeimer und Kehrbesen durchs Haus, um die Öfen einzuheizen und die Kamine zu säubern und neu zu bestücken. Danach geht sie der Köchin zur Hand und bedient am Gesindetisch. Und natürlich ist sie es, die am Ende des Tages auf den Knien liegt und die Küche schrubbt. Ein armseliges Leben, das einem wunde Finger und schmerzende Knie bescherte. Also nicht unbedingt die Art Hausarbeit, die Charlotte Brontë vorschwebte, als sie in einem Brief an eine Freundin schrieb:

“I discovered a most unladylike talent for cleaning, sweeping up hearths, dusting rooms, making beds etc., so if everything else fails ‒ I can turn my hand to that ‒ if anybody will give me good wages, for little labour.”

(Autorin: Anne Breckenridge)

5 Kommentare

  • Jenny Siebentaler

    Whahh das ist ja mal echt cool 😀
    sollte ich mir wohl mal ganz dringend merken und notieren 🙂 Engel der Themse 🙂

    VLG Jenny

  • Jutta

    Hallo,
    das klingt nach einem Buch ganz nach meinem Geschmack. Ich liebe gute historische Krimis.

    lg, Jutta

  • Bettina Hertz

    Hallo,
    Danke für deinen Beitrag. Wenn man auf der falschen Seite zu dieser Zeit stand, hatte man wahrlich kein leichtes Leben und kaum eine Möglichkeit, dem Elend zu entfliehen.
    LG Bettina Hertz

  • Margareta Gebhardt

    Hallo ,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag .
    Ich bin gespannt wie es weiter geht.

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt (Stern44 )

  • Tiffi2000

    Hallo,

    vielen Dank für den spannenden Beitrag! Das Buch klingt sehr interessant 🙂

    LG

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