Piskies – früher und heute ein Betrag von Rebecca Michéle

Piskies, manchmal auch Pixis geschrieben, sind mit Cornwall so fest verwurzelt wie die Legende von König Artus, die Cornish Pasties und die köstliche Clotted Cream.

Was sind Piskies?

Piskies sind kaum kniehohe Gnome mit zerfurchten Gesichtern, nach oben spitz zulaufenden Ohren, auf den Köpfen Hüte aus Blütenkelchen, in grüne Wämser gekleidet und mit langen, spindeldürren Fingern. Die Piskies leben in den wild-romantischen, mit Farnkraut und Efeu überwucherten Tälern der Bachläufe, aber auch im niedrigen Heidekraut des Bodmin Moores und an den Küsten. Am liebsten sitzen sie auf Fliegenpilzen, die ihre bevorzugte Nahrung sind.

Wo kommen Piskies her?

Über die Herkunft der Piskies gibt es verschiedene Versionen: Sie können sowohl Nachkommen einer uralten, einst den Westen Cornwalls bevölkernden Rasse sein oder die Geister totgeborener Kinder, die sich mit der Zeit in Ameisen verwandeln. Die Möglichkeit, dass die Piskies früher mächtige, keltische Druiden waren, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen wollten und dafür als Strafe von Gott geschrumpft wurden, besteht ebenfalls. Wie ihr Name entstand, ist ungeklärt. Es gibt Meinungen, dass er sich von dem Stamm der Pikten ableitet.

Piskies – ein freudiges Fest

Die Piskies lieben es, rauschende Feste zu feiern, Musik und Tanz, und die meisten beherrschen das Spiel auf Flöten, angefertigt aus Blütenstängeln. Eine ebensolche Freude empfinden Piskies, wenn sie den Menschen Streiche spielen können. Mit tanzenden Lichtern bringen sie Wanderer vom rechten Weg ab, die dann tage-, wochen- oder sogar jahrelang umherirren, ohne zu bemerken, wie die Zeit verrinnt. Den Bauern verstecken Piskies das Vieh, sie reiten nachts deren Pferde bis zur Erschöpfung und lassen die Milch sauer werden. Auch sollen sie Säuglinge aus den Wiegen entwenden und ihre eigenen Kinder hineinlegen. Historisch fundiert ist ein Vorfall aus dem Jahr 1841: Eltern hatten ihren fünfzehnmonatigen Sohn inmitten des Moores ausgesetzt, nachdem sie ihn zuvor misshandelt hatten und ihn beinahe verhungern ließen. Vor Gericht gaben die Eltern an, das Kind sei ein ihnen von den Piskies untergeschobenes Wechselbalg. Das Verfahren wurde daraufhin eingestellt; was mit dem Kind geschah, ist nicht überliefert.

Ein Aberglaube, der Schutz fordert?

Die Menschen schützten sich auf vielfältige Weise vor den Piskies: Sie nagelten Bleistücke auf die Dächer ihrer Häuser, um die Gnome daran zu hindern, darauf zu tanzen, was unweigerlich großes Unglück über das Haus gebracht hätte; zur Taufe eines Kindes brachte man ein Stück Kuchen mit, das man der ersten Person übergab, der man auf dem Weg zur Kirche begegnete, und jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit stellten die Bauern Essen vor die Tür, um die Piskies milde zu stimmen, damit sie ihren Hof verschonten.

So waren die Piskies von den Menschen gefürchtet und keineswegs beliebt. Die Legende sagt aber auch: Wer einen Piskie mit eigenen Augen sieht und dabei nicht erblindet (was allerdings in der Regel der Fall ist), dem wird sein ganzes Leben lang Glück beschert.

Negative Eigenschaften, positiv vermarktet?

Da die negativen Eigenschaften der Piskies für deren Vermarktung wenig förderlich sind, hat der cornische Tourismus diese inzwischen ausgeblendet. Heute werden die Piskies als liebenswerte, zu lustigen Streichen aufgelegte und spitzbübische Gesellen angesehen. Niemand, so heißt es, kommt zu Schaden bei dem, was die Piskies anstellen. Die Legende des Glücks stellt sich inzwischen so dar, dass jedem, der einen Piskie bei sich trägt, dieses beschieden sein soll. So lassen sich Abbildungen von Piskies gut vermarkten: Statuetten, Schlüsselanhänger, Tassenuntersetzer, Türklopfer, Hals- und Ohrschmuck, Geschirrtücher – ja, sogar Piskie-Tattoos sind in Cornwall überall zu finden. Die Piskies werden dabei aber immer freundlich und lächelnd dargestellt.

Fazit: Heute ein gern gesehener Hausgast

Wer heute am Abend Essen oder ein kleines Geschenk für die Piskies vor die Haustür stellt, könnte in den Genuss kommen, dass die Gnome in der Nacht den Haushalt erledigen, putzen oder im Garten Unkraut jäten. Beobachtungen solcher Vorgänge sind aktuell aber nicht bekannt.

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