Viktorianisches Design: Museumstipp für London-Besucher

Eingang Victoria and Albert Museum in South Kensington

Wer seinen Jahresurlaub noch nicht vollständig geplant hat, dem sei ein Abstecher nach London ans Herz gelegt. Die Stadt lohnt sich immer – finden wir zumindest beim Dryas Verlag …

Sollte London auf dem Reiseplan stehen, möchten wir einen Museumstipp mitgeben, ein Muss für jeden Fan des viktorianischen England: das Victoria and Albert Museum in South Kensington.

Das Museum wurde 1852 gegründet unter dem Namen „Museum of Manufactures“, also „Museum für Industrieerzeugnisse“. Nachdem die Weltausstellung 1851 in London so ein großer Erfolg gewesen war, wollte man das Interesse an aktuellen Produkten der britischen Wirtschaft aufrechterhalten – ein Vorhaben, das von Prinzgemahl Albert großzügig finanziell unterstützt wurde. Die Sammlung wuchs rasch. 1857 musste das Museum bereits umziehen, nach South Kensington – woraufhin der wenig attraktive Museumsname abgelegt wurde und es sich fortan „Museum of South Kensington“ nannte.

Aber auch dieses Gebäude war bald zu klein für die Sammlung. So legte Queen Victoria 1899 den Grundstein für einen angemessenen Neubau, woraufhin das Museum konsequenterweise „Victoria and Albert Museum“ getauft wurde.

arcos-252523_1920Ort und Name sind seither erhalten geblieben, nur zeigt die Sammlung jetzt eben nicht mehr die aktuelle britische Produktion, sondern gibt einen großartigen historischen Überblick über viktorianische Designs – von Kleidung über Möbel bis hin zu Schmuck und diversen Alltagsgegenständen.

Im Anschluss an den Museumsbesuch bietet sich übrigens noch ein Bummel durch das Viertel South Kensington an. Das Gebiet des heutigen South Kensington war nämlich bis zur Weltausstellung 1851 Ackerland. Danach kauften die Macher der Weltausstellung eine Fläche in South Kensington, die heutige Exhibition Road, für weitere Ausstellungsprojekte. Im Zuge der Entstehung diverser Museen (neben dem Victoria and Albert Museum z. B. auch das Natural History Museum) und des Imperial College entwickelte sich auch South Kensington zu einem attraktiven Vorort, in dem man heute viele Beispiel viktorianischer Architektur bewundern kann.


Weitere Infos unter http://www.vam.ac.uk/

Öffnungszeiten

Täglich: 10.00 – 17.45

Freitag: 10.00 – 22.00


Über die Autorin

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .

Golf – Ein mörderisches Vergnügen

„Sie spielen nicht Golf, Mr Poirot?“, fragte Bex. „Ich? Niemals. Was für ein Zeitvertreib!“, antwortete der erregt. „Stellen Sie sich vor, jedes Loch hat eine andere Länge. Die Hindernisse sind nicht mathematisch angeordnet. Selbst die Grüns fallen regelmäßig nach einer Seite ab! Es gibt nur eine befriedigende Sache: die – wie werden sie doch gleich genannt? –, die Abschläge! Wenigstens die sind symmetrisch.“ (Agatha Christie: „The Murder on the Links“ (1923), Übersetzung: Reef.)

Tatsächlich betrachten wie Hercules Poirot wohl die meisten Menschen das Golfspiel als eine hochgradig irrationale Beschäftigung. Die Golfer selbst bilden hier keine Ausnahme. Allerdings haben sie zu ihrem Sport ein fast sakrales Verhältnis entwickelt, und spätestens, seitdem der Astronaut Alan Shepard 1971 zwei Golfschläge auf dem Mond vollführte, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass diesem Spiel etwas Transzendentes anhaftet.

golfonthemoonErste irdische Hinweise auf einen Zeitvertreib mit Ball und Schläger lassen sich um das Jahr 1200 ausmachen. Zu dieser Zeit begannen Menschen auf der ganzen Welt einen kleinen Ball mit einem dafür ungeeigneten Stock in ein viel zu kleines Loch zu schlagen. Die Grundidee des Golfspiels war geboren.

Die eigentliche Geschichte des modernen Golfsports beginnt allerdings unstrittig in Schottland. Dort entwickelte sich im 14. Jahrhundert eine Version des Spiels, welche sich in den Grundregeln bis heute kaum geändert hat. Die Schotten liebten diesen Sport so sehr, dass sich König James II. 1457 veranlasst sah, „ye golf“ zu verbieten. Stattdessen sollten sich seine Untertanen im Bogenschießen üben. Die Wiederholung dieses Bannspruches durch seine Nachfolger James III. (1471) und James IV. (1491) lässt jedoch die Vermutung zu, dass das Verbot nur wenig Beachtung gefunden hatte. Zudem wurde bald bekannt, dass James IV. selbst Golf spielte. Als 1502 England und Schottland Frieden schlossen, verbreitete sich das Spiel rasch in ganz Großbritannien.
Auf den Kontinent kam das „moderne“ Golf durch Maria Stuart. Die Königin von Schottland führte das Spiel in Frankreich ein. Man kann davon ausgehen, dass sie eine begeisterte Golferin war. Angeblich soll sie 1567 nur einen Tag nach der Ermordung ihres zweiten Gatten eine Runde in Musselburgh gespielt haben. Auf diesem Platz in der Nähe von Edinburgh kann man übrigens heute noch spielen – und man sollte es auch tun, denn das traditionsreichste Golfturnier der Welt, die „Open“, wurde hier zwischen 1874 und 1898 sechs Mal ausgetragen. Schon für 15 Euro lässt sich an Wochentagen auf dem Old Course Golfgeschichte atmen.

The_MacDonald_boys_playing_golf-18th_century_by-jeremiah-davison-839x1024Golf entwickelte sich schnell zu einem britischen Volkssport und ist selbst für die reserviertesten Untertanen Ihrer Majestät eine hochemotionale Angelegenheit. Fragen Sie einmal einen passionierten Insel-Golfer nach John Henrie und Pat Rogie, und er wird Ihnen – vielleicht mit Tränen in den Augen – erzählen, wie diese beiden Männer 1593 für ihren Sport in den Kerker gewandert sind. Tatsächlich saßen sie ein, weil man sie am Tage des Herrn zur Stunde des Gottesdienstes wiederholt beim Golfspielen erwischt hatte. P.G. Wodehouse widmete den besagten Rebellen die vielleicht humorvollste Sammlung von Golfgeschichten: „The Clicking of Cuthbert“ (1922). Das „kriminelle“ Verhalten dieser Herren zeigt auch einmal mehr, dass sich Golf und Verbrechen näherstehen, als man es gemeinhin vermuten würde. Es ist daher doch fast folgerichtig, dass dieser urbritische Volkssport eine lange und fruchtbare Liaison mit dem urbritischen Kriminalroman eingegangen ist. Deutsche Krimi-Fans mag das überraschen, was einfach daran liegt, dass nur sehr wenige dieser Golf-Krimis übersetzt worden sind. In den 1920er und 1930er Jahren waren sie besonders en vogue. Fast jeder berühmte und weniger berühmte Autor schrieb in dieser Zeit wenigstens einen Detektivroman, in dem diesem Spiel eine tragende Rolle zukommt. Zu nennen (weil auf Deutsch erschienen) sind hier zum Beispiel Ronald A. Knox’ „Der Mord am Viadukt“ (1925) und Rex Stouts „Die Lanzenstange“ (1934). Aber es gab auch Wiederholungstäter unter den Autoren. Herbert Adams etwa brachte es auf sieben Golf-Krimis und Agatha Christie schrieb immerhin vier Romane, in denen Golf eine gewichtige Rolle spielt. Die junge Agatha soll eine begeisterte Golferin gewesen sein und spielte regelmäßig in Churston und Torquay. Nach ihrer Scheidung von Archibald Christie soll sie den Sport allerdings aufgegeben haben. Bis heute hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der Grund dafür das niedrigere Handicap ihrer Rivalin gewesen sei, die Archie kurze Zeit nach der Trennung von Agatha heiratete.

TheClickingOfCuthbertWie dem auch sei, ihre Kenntnisse des Golfsports zeigen sich in Poirots zweitem Abenteuer „Mord auf dem Golfplatz“ (1923) ebenso wie in „Ein Schritt ins Leere“ (1934), „Kurz vor Mitternacht“ (1944) und dem siebten Marple-Krimi „16 Uhr 50 ab Paddington“ (1957). Der Golf-Krimi ist im angelsächsischen Raum bis heute ein blühendes Sub-Genre. In den Vereinigten Staaten werden ganze Serien mit golfenden Detektiven verlegt (etwa Roberta Isleibs „Cassandra Burdette Mysteries“ oder die „Lee Ofsted“-Serie von Charlotte und Aaron Elkins). Viele Autoren der Gegenwart haben sich wenigstens an einem Golf-Krimi versucht (z. B. Harlan Coban: „Back Spin“ (1997), Catherine Aird: „A Hole in One“ (2005), Ian Simpson: „Murder on the Second Tee“ (2014). Einen guten Überblick bietet die Seite http://librarybooklists.org/mybooklists/mysteriesgolf und Thomas F. Taylors „The Golf Murders“ (1997)). Auch die wohl berühmteste literarische Golfszene überhaupt entstammt der Feder eines britischen Kriminalromanautors. In „Goldfinger“ (1959) lässt Ian Fleming James Bond eine Runde mit dem gleichnamigen Erzschurken im fiktionalen Royal St Mark’s Club spielen. In der Kinoversion findet dieses grandiose Aufeinandertreffen, gespielt von Sean Connery und Gert Fröbe, übrigens auf dem Anwesen von Stoke Park (nahe Heathrow) statt. Auch auf diesem Platz lässt sich noch trefflich golfen. Das Atmen von Filmgeschichte hat allerdings seinen Preis. Im Sommer kann eine Runde dort bis zu 250 Euro kosten.

Zum Autor des Beitrags: Rob Reef wurde 1968 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Berater und Texter in einer Werbeagentur. Seit seiner Jugend liest und sammelt er alte Englische Detektivromane. Seine Leidenschaft für den Golfsport entdeckte er in Devon. Reef lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin. Auf sein Handicap angesprochen, antwortet er: „Golf.“

Sein Golf-Krimi “Stableford” ist 2015 im Goldfinch Verlag erschienen (http://www.dryas.de/britcrime/stableford)

Scotland Yard und seine Vorgänger

Die Entstehungsgeschichte der legendären Polizeibehörde Londons  – von Sandra Thoms

Bobbys_1919_gemeinfrei
Nachdem 1809 Berlin als erste große Stadt Europas ihre eigene Polizeibehörde bekommen hatte, 1811 dann Paris mit der „Sûreté“ folgte, war es 1829 auch in London so weit: Die Metropolitan Police wurde gegründet – und damit eine Polizeibehörde mit legendärem Ruf bei allen Krimilesern. Diesen hat sie sicher unter anderem ihrem berühmtesten „Consulting Detective“ Sherlock Holmes zu verdanken.

Die Metropolitan Police ist für den Bezirk Greater London zuständig, nicht aber für die City of London, die ihre eigene Behörde hat, die City of London Police. Gründungsvater der Metropolitan Police war der damalige Innenminister Robert Peel, was den Beamten den Spitznamen „Bobbies“ (hergeleitet von „Robert“) oder „Peeler“ einbrachte.

Der erste Sitz der Behörde, die zu Beginn aus zwei Police-Commissioners bestand, war ein Gebäude am Ende einer Straße namens Great Scotland Yard. Das führte zu dem allgemein übliche Spitznamen der Behörde, „Scotland Yard“. Warum diese Straße so hieß, ist nicht bekannt. Einer Legende nach war das Gebäude, welches Teil des Whitehall-Palasts war, das Quartier der schottischen Könige, wenn diese London besuchten. Das Gebäude wurde allerdings bereits 1890 zu klein für die wachsende Polizeibehörde und man musste umziehen. Das neue Gebäude lag zwar an einer anderen Straße, wurde aber „New Scotland Yard“ getauft. Der Name für den Sitz der Behörde wurde auch nach zwei weiteren Umzügen beibehalten.

New_Scotland_Yard_sign_3

Vor der Gründung des Scotland Yard war ein von den Bürgern gewählter, aber nicht bezahlter Friedensrichter für strafrechtliche Angelegenheiten zuständig. Er wurde von den Common-Informers (Spitzel) und den Thief-Takers (Diebesfänger) unterstützt. Besonders Thief-Takers konnten in dem System gut verdienen, denn nach Ergreifung des Täters erhielt der Thief-Taker nicht nur eine Prämie, sondern auch den Besitz des Verurteilten. Berüchtigt war Ende des 17. Jahrhunderts Jonathan Wild, „Thief-Taker General of Great Britain and Ireland“. Wild war als Straßenräuber aufgewachsen und schaffte es bis zum Boss der Londoner Unterwelt. Wer nicht tat, was er wollte, wurde angezeigt. 1725 wurde Wild das Handwerk gelegt und er landete selbst am Galgen.

Der Autor Henry Fielding (1707–1754) schrieb in Folge die Biografie von Jonathan Wild – und sagte unter dem Eindruck der in diesem Zusammenhang gesammelten Erkenntnisse dem Verbrechen den Kampf an. Er ließ sich zum Friedensrichter wählen und konnte das Innenministerium überzeugen, ihm bezahlte Beamte zur Verfügung zu stellen. Diese „Bow-Street-Runner“ waren bis zur Gründung von Scotland Yard die Einzigen, die einer Polizeibehörde zumindest nahe kamen. Ihren Namen erhielten sie übrigens ebenfalls nach der Straße, in der sich ihre Zentrale befand.

Als Robert Peel seine Beamten auf die Straße schickte, trugen diese bereits eine Uniform mit Frack und Zylinder, damit jeder sie erkennen konnte. Doch natürlich schreckte dies Verbrecher nicht unbedingt ab, sondern verlagerte das Verbrechen nur an vermeintlich unbeobachtete Orte. Um auch dort tätig sein zu können, bezogen 1842 zwölf Polizisten, die nur in Zivil gekleidet ermittelten, das Scotland Yard.

Mit der Entstehung der Polizeibehörden in den unterschiedlichen Ländern entwickelten sich auch die Techniken für die Verbrecherjagd weiter. Zum Beispiel wurden Wiederholungstäter in einer Kartei erfasst. 1894 wurde in England die Bertillonage eingeführt, eine Identifizierungsmethode aus Frankreich, bei welcher Verbrecher durch den Vergleich von Körpervermessungen identifiziert werden. 1900 kam dann offiziell die Daktyloskopie, die Identifizierung durch Fingerabdrücke, hinzu. Nachdem die Beamten von Scotland Yard mit diesen neuen Methoden tatsächlich Aufklärungsarbeit leisten konnten, schwand das Misstrauen in der Bevölkerung und ihr Ansehen wuchs.

Wobei ein nicht unerheblicher Teil des Ansehens auf die Detektivgeschichten von Charles Dickens, Wilkie Collins und Arthur Conan Doyle zurückzuführen ist.

Edinburgh, die Stadt der Zauberer und Autoren

Ein Besuch mit Verlegerin Sandra Thoms

scotland-859332_1280-1024x681Sir Walter Scott, der Autor u. a. von „Ivanhoe“, nannte Edinburgh „my own romantic city“. Und jeder, der schon einmal dort gewesen ist, kann das mit Sicherheit nachvollziehen: die kleinen verwinkelten Gassen, der Blick vom Schloss über die Stadt und die Ebene rundherum, die Parks und herrschaftlichen Boulevards in der New Town – Romantiker und Historiker lieben diese Stadt. Ebenso wie Autoren, was sich aus der Dichte der in Edinburgh ansässigen Autoren schließen lässt.

IMG_4188-1024x683Pflichtprogramm ist daher für mich bei jedem meiner Besuche in der Stadt (und das waren über die Jahre hinweg schon einige) die Besichtigung des „Writer’s Museum“. Sehr zentral in einem kleinen Innenhof gelegen befindet sich das historische Gebäude, welches das Museum beherbergt. Schon das Gebäude fordert jeden Betrachter geradezu auf, sich hinzusetzen und eine eigene Geschichte aufzuschreiben. In dem verwinkelten historischen Gebäude werden Manuskripte und persönliche Gegenstände von Walter Scott, Robert Burns und Robert Louis Stevenson ausgestellt.

The Writers Museum

The Writers Museum

Ein „Museum“ der anderen Art widmet sich in Edinburgh übrigens einer zeitgenössischen Schriftstellerin, nämlich der Autorin von „Harry Potter“, Joanne K. Rowling. Ein großer Teil ihrer ersten Romane soll ja in dem Café The Elephant House geschrieben worden sein. Das Café gibt es immer noch, im Schaufenster hängt ein Bild der schreibenden Joanne K. Rowling, aufgenommen von einer Überwachungskamera des Cafés. An der Scheibe kleben ganze Busladungen von Touristen, die einen Blick in die Wiege ihres Helden werfen wollen, während drinnen der eine oder andere Autor versucht, seinem Vorbild nachzueifern.

The Elephant House

The Elephant House

Während diese beiden Sehenswürdigkeiten das ganze Jahr über geöffnet haben, gibt es in Edinburgh auch einige termingebundene Attraktionen. Nicht umsonst wird die Stadt auch die „Stadt der Festivals“ genannt. Das größte und bekannteste Festival ist im August das Edinburgh Festival Fringe, ein Theaterfestival, das jedes Jahr Unmengen von Schauspielern, Straßenkünstlern und Comedians in die Stadt lockt. Direkt im Anschluss daran findet das Edinburgh International Book Festival statt, an dem jeder Autor von Rang und Namen schon mindestens einmal teilgenommen hat.

IMG_3711-1024x683Aber Edinburgh ist ja, wie beschrieben, die Stadt der Romantik, in der Zauberer geboren werden oder Monster wie Jekyll und Hyde. Natürlich werden daher dort auch noch die alten keltischen Feiertage Beltane (30. April, bei uns Walpurgisnacht) und Samhain (31. Oktober) gefeiert. An Samhain, heute Halloween, kommen der Legende nach die Geister in unsere Welt. Was in Edinburgh zur Tradition gehört. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit treffen sich die drei Hexen, die schon dem schottischen König Macbeth seine Zukunft vorausgesagt haben, kurz vor dem Eingang des Schlosses und beschwören die Geister. Diese lassen sich nicht lange bitten, bald strömen diverse Naturgeister durch die Straßen und liefern sich einen Kampf um die Stadt, welcher mit einem großen Freudenfeuer der Gewinner endet. Und im Anschluss mit einer großen Auswahl an diversen Partys weitergefeiert werden kann. Die Hexen und Geister sind Schauspielstudenten und Freiwillige, welche jedes Jahr wieder in ihre Rollen schlüpfen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sollte man sich dieses Spektakel einmal gönnen.

We sell umbrellas

We sell umbrellas

Ach ja, und weil das immer eine der ersten Fragen ist, die mir gestellt werden: Ja, es regnet um diese Zeit in Edinburgh. Das tut es meistens, auch im Winter, Frühjahr und Sommer. Aber: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Willkommen in Schottland!

Kampfkunst im viktorianischen England – von Sandra Thoms

Wer Verbrecher jagt, der lebt gefährlich. Das war auch dem Meisterdetektiv Sherlock Holmes nicht entgangen, weswegen er Bartitsu als Selbstverteidigung praktizierte. Oder wie Watson in „A Study in Scarlet“ anmerkt: „… is an expert singlestick player, boxer, and swordsman“. Heute hätte Holmes vermutlich Kung Fu oder Karate beherrscht, aber damals brachte ihm sein Schöpfer Doyle Bartitsu bei, eine Kampfkunst, die zwischen 1898 und 1902 in England maßgeblich von Edward William Barton-Wright entwickelt wurde und den Spazierstock als Waffe einsetzt.

Selbstverteidigung war gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein großes Thema im viktorianischen England, es herrschte Panik aufgrund der immer brutaleren Gang-Aktivitäten in den großen Städten Europas. So war es nicht ungewöhnlich, dass Gentleman boxten, fochten oder eben andere Kampfsportarten ausübten. Zu dieser Zeit wurde auch Jiu Jitsu in Europa bekannt, das für Barton-Wright die Grundlage für seine Selbstverteidigungskunst darstellte. Dazu kamen Elemente des Savate (ein französischer Boxstil, der an Thai-Boxen erinnert), des Boxens und des Stockfechtens (Canne). Der Name Bartitsu setzt sich aus seinem Namen Barton und der Bezeichnung Jiu Jitsu zusammen.1898 gründete Barton den Bartitsu Club in Soho.

Natürlich beherrschte Holmes all diese Techniken meisterhaft – etwas, was in vielen Nacherzählungen oder Neuverfilmungen nur selten Erwähnung findet. Explizit aufgegriffen wurde es in neuerer Zeit vor allem in der Holmes-Verfilmung mit Robert Downey jr. und Jude Law als Watson.

Bartitsu wird auch heute noch gelehrt, in Deutschland vornehmlich in Wuppertal in der Schwertkampfschule „Alte Kampfkunst“. Stärker verbreitet ist Savate oder Canne mit eigenem Verband in Deutschland.


Hier ein paar Eindrücke vom Training der Schwertkampf-Schule “Alte Kampfkunst“, die genauer gesagt eine Schule für Historische Eu­ro­päische Kampfkünste mit dem Schwerpunkt Historische Fechtkunst ist. Die Fotos stellte uns Stefan Dieke zur Verfügung, der als einer der Pioniere der Historischen Fechtkunst in Deutschland gilt. Seit über 20 Jahren wimdet er sich der Erforschung, dem Training und der Vermittlung Historischer Europäischer Kampfkünste und ist ein international gefragter Experte in Sachen Historische Fechtkunst. Vielen Dank an dieser Stelle.


Die Autorin

thoms_sandra_portraet_webSandra Thoms ist die Geschäftsführerin der Verlage Dryas und Goldfinch und außerdem freie Lektorin. Mit ihrem Wissen um Verlagsabläufe und dem Überblick über den Buchmarkt beurteilt sie die Veröffentlichungs- und Verkaufschancen von eingereichten Manuskripten. Außerdem gibt sie Seminare im Bereich digitales Publizieren und bloggt unter www.miss-eyre.de .

 

Liverpool – auf den Spuren der Beatles…

John Lennon Statue Mathew Street

… so heißt ein Buch von Beate Baum, dass im Goldfinch Verlag erschienen ist. Grund genug sich die Geburtsstätte der legendären Band einmal näher anzuschauen.

Cover-Liverpool_72-dpiLiverpool befindet sich im Nordwesten von England, an der Mündung des Flusses Mersey in die Irische See. Hier leben mehr als 470.000 Menschen, zudem ist Liverpool der zweitgrößte Exporthafen Großbritanniens. Bis nach London sind es ca. 280 km. Offiziell nennt man die Einwohner Liverpools „Liverpudlians“. Geläufiger ist aber die Bezeichnung „Scousers“, nach dem in Liverpool gesprochenen Dialekt Scouse. Sie sind für ihre häufig etwas ruppige Freundlichkeit und ihren tiefgründigen Humor bekannt.

2004 wurde der historische Teil der Hafenstadt zum Weltkulturerbe erklärt. 2008 war Liverpool die Europäische Kulturhauptstadt. Bekannt ist die Stadt nicht nur durch die Beatles, sondern auch wegen der traditionsreichen Fußballvereine FC Liverpool und Everton. Zudem gibt es eine ganze Reihe besonders schöner Bauwerke, herausragender Museen und herrlicher Grünanlagen und damit viele Ausflugsziele. Ein Besuch in Liverpool lohnt also immer.

b6LiverBuilding-1024x768

Liver Building – © Beate Baum www.beatebaum.de

Als das Liverpooler Hafenviertel gebaut wurde, gehörte es zu den modernsten Häfen der Welt. Zu den bekanntesten Vierteln des Hafens gehören der Albert Dock und der Pier Head. Hier befinden sich auch die markanten Gebäude der Three Graces (Royal Liver BuildingCunard BuildingPort of Liverpool Building) befinden. Seit 2004 gelten die Hafenanlagen als UNESCO-Weltkulturerbe, stehen seit 2012 allerdings als gefährdet auf der Roten Liste. Begründung: Es wird zu wenig für den Erhalt getan, die Folge ist ein langsamer Zerfall einiger Gebäude, aber auch zu viele (Neu-)Baumaßnahmen im direkten Umfeld, durch die die Optik des Ensembles negativ beeinflusst wird.

In Liverpool gibt es zwei Kathedralen: die protestantische neugotische Liverpool Cathedral und die römisch-katholische Liverpool Metropolitan Cathedral. Letztere wurde 1967 fertiggestellt, die Liverpool Cathedral zwischen 1904 und 1978. Sie gilt als einer der größten Sakralbauten jGroßbritanniens. Ein wunderschönes weltliches Bauwerk ist Speke Hall. Hierbei handelt es sich um ein Fachwerkherrenhaus mit Gartenanlage aus dem Jahre 1598. Der herrschaftliche Hof im Tudorstil ist eines der hervorragendsten und am besten rhaltenen Beispiele für die Fachwerkarchitektur in der Tudor-Dynastie.

St. Georges-Hall - © Beate Baum www.beatebaum.de

St. Georges-Hall – © Beate Baum www.beatebaum.de

Anschauen sollte man auch die neoklassizistische St. George’s Hall, die zwischen 1840 und 1855 erbaut wurde, und die Philharmonic Hall. Die St. George Hall an der Lime Street, die alte Stadthalle, bildet mit der Walker Art Gallery, dem World-Museum und der Bibliothek ein beeindruckendes Ensemble, das ebenfalls seit 2004 zum Weltkulturerbe zählt. Bei der Philharmonie handelt es sich um ein Gebäude in großartiger Art-Deco-Architektur, ergänzt durch den gleichnamigen Pub schräg gegenüber (!)

Phil - Pub gegenüber der Philharmonie - © Beate Baum www.beatebaum.de

Phil – Pub gegenüber der Philharmonie – © Beate Baum www.beatebaum.de

Museumsfans kommen ebenfalls voll und ganz auf ihre Kosten, denn in Liverpool gibt es gleich mehrere bedeutende Museen. Im Jahre 1988 wurde die Tate Liverpool (eine Zweigstelle der Tate Modern in London) in einem umgebauten Speicher in den Albert Docks errichtet. Die Kunstgalerie umfasst die nationale Sammlung britischer Kunst aus dem Jahre 1500 bis heute. Immer wieder werden hier auch Sonderausstellungen gezeigt. Bis 2003 war Tate Liverpool die größte Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst in Großbritannien außerhalb von London.

Ebenfalls in den Albert Docks im Hafenviertel befindet sich das Schifffahrtsmuseum Merseyside Maritime Museum, das Stadtmuseum Museum of Liverpool, das Fotomuseum Open Eye, das Beatles-Museum The Beatles Story und das Sklavereimuseum. Eine der größten englischen Kunstsammlungen befindet sich in der Walker Art Gallery. Zu bestaunen gibt es hier Gemälde und Skulpturen aus den letzten 600 Jahren. Alles rund um Ägyptologie, Ethnologie und Naturwissenschaften dreht es sich im World Museum Liverpool. Die Blue Coat Gallery im ältesten Gebäude Liverpools hat sich einen Namen mit moderner Kunst gemacht. Der Eintritt in sämtlichen städtischen oder staatlichen Museen ist kostenlos.


Beatles und die Musik in und aus Liverpool

John Lennon Statue Mathew Street

John Lennon Statue Mathew Street

In Liverpool existiert seit den 1960er Jahren eine sehr lebendige Musikszene, die der Gründungsort vieler bekannter Musikgruppen war. Ganz vorn natürlich „The Beatles“, die sich 1960 in Liverpool gründeten und der Stadt damit den Beinamen „Stadt der Beatles“ bescherten. Der bekannteste Musikclub ist der 1957 eröffnete Cavern Club. Lennon, McCartney, Harrison und Pete Best feierten am 9. Februar 1961 ihr Debüt im Cavern Club. Das düsteren Kellerlokal befindet sich in der Mathew Street und wurde zum Stammlokal der Gruppe. Bis heute hat das Local durch 292 nachgewiesene Auftritte der Beatles Kultstatus.

Es gibt aber eine ganze Reihe weiterer bekannter Bands aus Liverpool, wie z.B. The Boo Radleys, Echo & The Bunnymen, The Farm oder Frankie Goes to Hollywood.

Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist auch das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, das regelmäßig Konzerte in der Philharmonic Hall gibt. Es ist eines der ältesten Symphonieorchester der Welt, gegründet 1840, und trägt seit 1957 den durch Königin Elisabeth II. verliehenen Titel Royal. Über viele Jahrzehnte hinweg war es das einziges Orchester in Großbritannien.


Das Buch

Cover-Liverpool_72-dpi“Liverpool – Auf den Spuren der Beatles” von Beate Baum – Die Autorin, Liverpool-Kennerin und Musikjournalistin, führt den Leser zu zahlreichen Beatles-Orten, auch solchen, die abseits der gängigen Pfade liegen; allem voran in Kneipen, in denen die Jungs Konzerte gegeben haben, wo man noch heute in unverfälschter Atmosphäre sein Bier trinken kann. Aber nicht nur Beatles-Fans kommen auf ihre Kosten: Die Autorin verrät auch, wo man gut wohnen und speisen kann, welches die wichtigsten Museen und Sightseeingpunkte sind und, für eine perfekte „Night Out“, welcher Musikstil wo zu finden ist.

Liverpool fasziniert mich weil…

Beate-Baum_Dietrich-Flechtner-150x150… es bis heute wirklich ein „Pool of Life“ ist, wie Carl Gustav Jungs berühmte Worte lauteten. (Beate Baum)

Reisen im 19. Jahrhundert – von Marlene Klaus

Der Mensch reist.

Schon immer.

hieroglyphics-315121_1280Bereits in der Antike machte man sich auf den Weg. Ägyptens Altertümer zieren zahlreiche in den Stein geritzte Nachrichten Reisender von der Antike über das 18. bis zum 19. Jahrhundert.

Auf letzterem soll unser Fokus liegen.

Trotzdem reise ich erst einmal ein wenig in der Zeit zurück. Lasse Kriegs- und Eroberungszüge links liegen und schaue mal, wer da etwa ab dem Mittelalter so alles auf den Straßen unterwegs war: Da zog zunächst der König mit seinem Gefolge von Pfalz zu Pfalz, um sich blicken zu lassen und Recht zu sprechen. Pilger, Händler, Fahrendes Volk traf man ebenso an wie Boten (beritten und zu Fuß), Lehrlinge auf dem Weg zum Lehrherrn oder Handwerksgesellen auf Wanderschaft. Später bevölkerten abgedankte Soldaten die Wege und ab dem 17. Jahrhundert traf man zunehmend junge Söhne von Adligen auf Kavalierstour, von Lehrern und Mentoren begleitet.castle-eltz-209992_1280

Sie alle hatten also eher pragmatische Gründe für‘s Unterwegssein. Sieht man von den Soldaten ab, die marodierten, weil es sonst nichts mehr für sie gab, suchte man religiöse Läuterung, wollte man Geschäfte abwickeln, Geld verdienen und, im Falle der jungen Adligen, seinen Bildungshorizont erweitern.

Bildungsreisen gehören auch im beginnenden 19. Jahrhundert zum Standardprogramm, zunehmend auch für Frauen.

Doch was in dieser Epoche neu hinzukommt, sind Erholungsreisen sowie Abenteuer- und Erforschungsreisen. Oder einfach nur „reisen, um zu reisen“, wie George Sand es in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ausdrückt.

closeup-749954_1280Schauen wir uns die Hintergründe an: Wissenschaft und Fortschritt, Erfindungen und Entdeckungen auf sämtlichen Gebieten. Mit der Industrialisierung wird die Eisenbahn und die Dampfschifffahrt aufgebaut. Verkehrsnetze entwickeln sich. Wirtschaftsräume werden erschlossen, die Suche nach Rohstoffvorkommen gipfelt zum Ende des Jahrhunderts im Imperialismus und Kolonialismus.

Ab Mitte des Jahrhunderts wird die Telekommunikation ausgebaut, Kabel werden über den Atlantik gelegt, Zeitungen und Journale schießen aus dem Boden, Nachrichten gehen um die Welt.

Die Bevölkerung wächst, Städte platzen aus den Nähten, über London hing permanent ein Nebel aus Ruß, Kohlestaub und Schwefel. Das führt uns zum Thema Erholung – und damit zu Thomas Cook.

nile-271312_1280Cook, ein baptistischer Geistlicher, organisierte 1841 eine Eisenbahnfahrt der Abstinenzbewegung von Leicester nach Loughborough zum Sonderpreis von einem Schilling pro Person. Die Bahnfahrt 3. Klasse ohne Sitzgelegenheit in offenen Waggons sollte die Menschen von der Ginflasche weg und hinaus an die frische Luft bringen. Im Reisepreis enthalten war neben der Hin- und Rückfahrt ein Schinkenbrot und eine Tasse Tee. Damit fing alles an. Cook organisierte künftig Exkursionen zur Weltausstellung in London (1851), die erste Reise auf das europäische Festland (1855) sowie eine Reise für Arbeiter per Bahn und Schiff nach Paris (1861), in der erstmals die Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung im Preis inbegriffen waren. 1869 führte er die erste Pauschalreise nach Ägypten durch, organisierte in Luxor die ersten Nilkreuzfahrten, die sich nun auch weniger Begüterte leisten konnten. Er gründete 1845 ein Reisebüro, führte Reiseschecks und Hotelcoupons ein. Der Massentourismus war geboren. Der Wunsch, den Metropolen und ihrem Dunst zu entfliehen und Sonne, Meer, Wüste oder Gebirge zu sehen wurde für immer mehr Menschen erfüllbar.

Kommen wir zu den Forschern: Mehr als in den Jahrhunderten zuvor stand die gezielte Erforschung und Untersuchung der Altertümer oder der Flora und Fauna des bereisten Landes in ihrem Fokus. Diese Reisenden verfügten meist über Kenntnisse auf botanischem, mineralogischem oder agrarwissenschaftlichem Gebiet, und sie notierten und zeichneten eifrig, was sie in der Fremde vorfanden.

Die Abenteurer trieb eine Sehnsucht, die sie manchmal gar nicht genau benennen konnten. Der Enge entfliehen, sich Unvorhersehbarem stellen, Rekorde aufstellen oder brechen mag ihre Motivation zum Aufbruch gewesen sein.

Thomas Stevens zum Beispiel fuhr 1884 bis 1888 auf seinem Hochrad um die Welt nur um die Menschen zu sehen, die in ihr lebten.

manhattan-67474_1280

Manhatten

Oder die amerikanische Journalistin Nellie Bly, die 1889 in New York aufbrach, um die Reise aus Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ nachzuahmen. Sie reiste über England, Jules Vernes Wohnort Amiens, Italien, Ceylon, Hongkong, China, Japan und San Francisco. Nach 72 Tagen beendete sie die Exkursion in damaliger Rekordzeit im Januar 1890. Das dürfte weltweit für Aufsehen gesorgt haben, denn Nellie Bly war die erste Frau, die unbegleitet von einem Mann eine derartige Reise unternommen hatte, was sie zum Vorbild für viele Frauen machte.

Überhaupt die Frauen: In diesem Jahrhundert sind sie unterwegs wie nie zuvor, suchen körperliche Heilung oder seelische Linderung, folgen dem fortreisenden Mann – oder schlicht ihrer eigenen Abenteuerlust. Namen wie Lady Hester Stanhope, Ida Pfeiffer, Isabella Bird Bishop, Jane Digby el-Mezrab, Alexine Tinne, Lady Duff Gordon, Amelia Edwards waren damals bekannt und sind es heute, denn die meisten hinterließen Reiseberichte und Bücher. Die oben erwähnten neuen Möglichkeiten in der Kommunikation taten ihr Übriges, um Kunde über diese Frauen zu verbreiten.

Mark Twain, der aufgrund einer Fehlinvestition fast bankrott war, profitierte ebenso von diesem sicheren Markt für abenteuerliche Erdumrundungen und veröffentlichte 1897 unter dem Titel „Dem Äquator nach“ einen Bericht seiner Reise durch das Britische Empire.

Charles Dickens, Gustave Flaubert, Heinrich Heine, Henry James – um nur einige zu nennen – geben uns ebenfalls durch ihre Werke Kunde von damaligen (Reise)Gegebenheiten.

Dann gilt es noch die Entdecker zu nennen, die sich zu den Polen aufmachten oder ins Innere noch unerforschter Regionen in Afrika, Asien, Nord- und Südamerika.

Doch wie gestaltete sich das Reisen selbst? Wir haben oben bereits vom beginnenden Pauschaltourismus durch Thomas Cook erfahren. Dampf ausstoßende und funkensprühende Lokomotiven, unbequeme Holzbänke, enge Kabinen, Schmutz, Flöhe und sonstiges Ungeziefer dürften an der Tagesordnung gewesen sein.

Auch die Entbehrungen und Strapazen der Entdeckungsreisenden sind uns nicht unbekannt, Nahrungs- oder Wasserknappheit, erfrorene Gliedmaßen, feindliche Völker, wilde Tiere und vieles mehr sind die Herausforderungen, denen sie sich stellen mussten.

Und schließlich die Privilegierten. Sie reisten in komfortablen Schlafwagen, luxuriösen Kabinen, logierten in bestens ausgestatteten Hotels und genossen die Erfüllung ihrer Wünsche durch eine Schar von Dienern und Angestellten.

Für alle jedoch gilt gleichermaßen: Man benötigte auch damals Pässe und Einreisevisa, letztere waren bei konsularischen und diplomatischen Vertretungen der betreffenden Länder in den Grenzstädten erhältlich. Gesundheitsatteste mussten mitgeführt und Zollerklärungen ausgefüllt werden.

globus-228082_1280Drei Beispiele mögen uns stellvertretend einen kleinen Einblick in die Zeit geben: Mariana Starke, eine englische Schriftstellerin, veröffentlichte 1820 ihr Buch „Reisen auf dem Kontinent“, das das gesamte 19. Jahrhundert hindurch als Standardwerk betrachtet wurde. Darin zählt sie auf, was man als Engländer unbedingt mit sich führen sollte, wenn man auf den Kontinent reist: „Zwei Säcke aus Schaffell, ein Paar Kissen, ein Paar Wolldecken, ein Paar Bettvorleger, Betttücher, zwei Bezüge, ein Moskitonetz aus feinem Schleierstoff, ein Vorhängeschloss, Handtücher, Tischtücher, Mundtücher (nicht schöne, sondern dauerhaft im Gebrauch befindliche), Pistolen, Messer, ein Taschenmesser für die Mahlzeit, silberne Esslöffel, Suppen- und Teelöffel, eine Teekanne aus Silber, eine Blechkanne zum Kochen des Teewassers, eine Schachtel mit dem Feuerstahl und dem phosphorigen Zunder, Hafermehl, Federn, Federmesser, Stecknadeln, Schuhe und Stiefel mit doppelter Sohle, einfach oder aus Kork, unentbehrlich, um der Marmor- oder Ziegelpflasterung standzuhalten (die Sohlen müssen elastisch sein), eine Kassette mit Arzneien …“ Diese Liste ist, das sei versichert, von mir unvollständig aufgeführt.

Als zweites Beispiel sei die russische Journalistin und Globetrotterin Lydie Paschkoff erwähnt, die 1872 nach Syrien aufbrach und deren Ausrüstung aus 33 Maultieren für die Taschen, 35 Kamelen für Wasser, zwanzig Eseln für die Kameltreiber und zwölf Pferden für die Soldaten bestand.

horses-116884_1280Und schlussendlich nennen wir Charles Dickens, der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie im Vierspänner gen Italien fuhr. Die Pferde trugen 96 Glöckchen am Geschirr, die Kutsche war mit Tag- und Nachtbeleuchtung, Fächer für diverse Gegenstände und mit aus Leder gearbeiteten Likörbehältern ausgestattet.

Wohlan – packen wir unsere 20kg Koffer und fliegen unserem Traumziel entgegen.


Die Autorin

Marlene_Klaus_Hockenheim_3Marlene Klaus ist ausgebildete Buchhändlerin. Bevor sie sich als Autorin selbständig machte, jobbte sie als Taxifahrerin, Kellnerin, Postbotin und Bibliothekarin. Mehr zur Autorin unter www.marlene-klaus.de.

Bei Dryas erschienen:

Klaus_Gloria_Verona_150dpi_RGB Klaus_Gloria_AegyptischeAffaere_300dpi_CMYK

Canterbury – das Touristenzentrum in Kent

Tiny Tim's Tearoom - hier hätte sich Agatha Christie auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?

Mit Insidertipps der Autorin Gitta Edelmann

In der Universitätsstadt Canterbury leben rund 55.240 Einwohner. Die Stadt am Fluss Stour in der Grafschaft Kent im Südosten von England ist Sitz des Erzbischofs von Canterbury. Einer Sage nach wurde Canterbury 900 v. Chr. von Rudilibas angelegt. Heute lebt das Zentrum vom Tourismus und ist so kompakt, dass es leicht zu Fuß zu erkunden ist. Außerhalb der Stadtmauern liegen die St Augustine’s Abbey und die Church of St Martin, die aber beide ebenfalls gut zu Fuß zu erreichen sind.

Die Bücher “Canterbury Requiem” und “Canterbury Serenade” der Autorin Gitta Edelmann spielen in dieser sehenswerten Stadt. Hier ein Portrait, bei dem Gitta Edelmann uns und Ihnen die Highlights verrät.

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist die Kathedrale von Canterbury, die in Form eines erzbischöflichen Doppelkreuzes erbaut wurde. Sie hat von Ost nach West eine Länge von 160 Metern. Der älteste Teil ist die Krypta, die um 1070 erbaut wurde. Begraben sind hier König Heinrich IV. von England und Edward of Woodstock, der „Schwarze Prinz“. Berühmt geworden ist die Kathedrale allerdings wegen des Mordes an Thomas Becket im Jahre 1170, der auch Gegenstand der Dramen von George Darley, Alfred Tennyson und Jean Anouilh sowie T. S. Eliots Theaterstück „Murder in the Cathedral“ und Ken Folletts Roman „Die Säulen der Erde“ war.

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral, Montag bis Samstag 9.00 bis 17.30 Uhr (Krypta 10.00 bis 17.00 Uhr) im Winter bis 17.00 Uhr, Sonntags 12.30 bis 14.30 Uhr (Kirche & Krypta). Erwachsene £ 10.50, Kinder (unter 18) £ 7.00 (Das Ticket ist 1 Jahr lang gültig, Stand 2015)

St Augustine’s Abbey

598 n. Chr. wurde außerhalb der östlichen Stadtmauer durch den Benediktinermönch und Missionar Augustinus ein Kloster gegründet, das später auch eine letzte Ruhestätte für Könige und Erzbischöfe wurde. Archäologische Ausgrabungen der Grundmauern bilden heute zusammen mit der normannischen Krypta den Mittelpunkt der Anlage. Die Nordmauern sind der höchste erhaltene Teil. Von 1826 bis 1844 war der Bau eine Brauerei. Heute ist in einem Teil die King’s School untergebracht und am Eingang hat das Denkmalschutzamt English Heritage ein kleines Museum, mit Fundstücken vom Gelände der Abtei, eingerichtet.

St Augustine’s Abbey, Tel.: 01227/767345. 28. März bis 30. September täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, 1. Oktober bis 1. November Mittwoch bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, 2. November bis 24. März Samstag/Sonntag 10.00 bis 16.00 Uhr (Stand 2015). Erwachsene £5.40, Kinder (5-15 Jahre) £3.20

Insidertipp von Autorin Gitta Edelmann:

 

Vom oberen Teil des Kirchhofs hat man einen schönen Blick auf die alten Grabsteine

Vom oberen Teil des Kirchhofs hat man einen schönen Blick auf die alten Grabsteine

“Sehenswert sind auch die St. Martin’s Church und St. Martin’s Churchyard – die älteste Pfarrkirche Englands, die immer noch in Gebrauch ist. Die hübsche kleine Steinkirche gehört mit der St. Augustine’s Abbey und der Kathedrale zum Weltkulturerbe. Vom oberen Teil des Kirchhofs aus hat man einen schönen Blick auf die alten Grabsteine und die Silhouette von Canterbury “

Zu den Bildungseinrichtungen der Stadt gehören die University of Kent, die Canterbury Christ Church University (gegründet 1962), die University for the Creative Arts, das Chaucer College und das Franciscan International Study Centre. Zudem gibt es das Kent College an der Whitstable Road. The King’s School wurde 597 vom Heiligen Augustinus von Canterbury gegründet und ist die älteste erhaltene Schule der Welt.

Gitta Edelmann, warum spielen Ihre Krimis gerade in Canterbury?

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

“Eigentlich hätte ich meine Krimis gerne in Edinburgh spielen lassen, wo ich zwei Jahre gelebt und viele Urlaube verbracht habe. Da aber Mara Laue bereits diesen Schauplatz ausgewählt hatte, suchte ich eine andere Stadt in Großbritannien, die ich gut kenne. Zur Auswahl standen York und Canterbury, beides alte Städte mit engen Gassen und imposanten Kirchen, mit Universitäten, Museen und Shops. Das Zünglein an der Waage schlug letztlich für Canterbury aus, weil dort eine Freundin von mir lebt und weil die Stadt von Deutschland aus recht leicht erreichbar ist.

Es ist auch von Canterbury aus nicht weit nach London (man kann mit dem Bus morgens hin und abends zurück fahren) und Oxford ist ebenfalls gut erreichbar – so kann ich leicht recherchieren und Ella Martin hat die Gelegenheit,  an weiteren Schauplätzen ihre Nase in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen …”

Tipp Nummer 2 von Gitta Edelmann:

Tiny Tim's Tearoom - hier hätte sich Agatha Christie auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?

Tiny Tim’s Tearoom – hier hätte sich Agatha Christie auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?

Tiny Tim’s Tearoom – ein herrlich altmodischer Tearoom im Stil der 30er Jahre (Agatha Christie hätte sich hier auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?) Im oberen Teil des Gebäudes, neben den Toiletten, spukt es! Und nicht nur da. Entsprechend gibt es auch eine “Ghost Tour” als Stadtführung.

Canterbury Tales - Museum zum Thema Chaucer und seine "Canterbury Tales"

Canterbury Tales – Museum zum Thema Chaucer und seine “Canterbury Tales”

Auch an Museen hat Canterbury einiges zu bieten, wie das Canterbury Tales Museum, im dem Besucher alles über Chaucer, seine Zeit und seine “Canterbury Tales” erfahren.

Interessant ist auch das Roman Museum, in dem ein Mosaik in situ zu bewundern ist. Nachdem das Museum 2013 einer Verjüngungskur unterzogen wurde, bietet es heute einen faszinierenden und familienfreundlichen Einblick in das römische Canterbury. Erbaut wurde das Museum um die Reste eines originalen römischen Stadthauses mit Mosaiken und Fußbodenheizung. Es gilt als einer der bedeutendsten römischen Funde und katapultiert die Besucher direkt auf die ursprüngliche römische Straße der Vergangenheit. Besucher können sehen, wie die römische Stadt gebaut wurde, sie können durch den Markt schlendern, Gerichte im neuen römischen Esszimmer genießen und erstaunliche Objekte, darunter seltene Werkzeuge, bestaunen. Das Museum gilt nicht ohne Grund als ein Hort der verborgenen Schätze.

3. Insidertipp von Gitta Edelmann:

Historic River Tours

Historic River Tours

Historic River Tours – Bootsfahrten auf dem Flüsschen Stour – Junge “Captains” mit viel Sachkenntnis und Humor.  Die informative und kurzweilige Bootsfahrt liefert viele historische Informationen zur Stadt und ist auch für Nicht-Engländer gut verständlich. Die Strecke ist verhältnismäßig kurz, dennoch ist man gut 40 Minuten unterwegs. HIn und wieder staunt man über die Geschicklichkeit der “Captains”, die unglaublich schnell und mit viel Gefühl die engen Wasserstraßen bezwingen und die Besucher in den Booten unter tiefen Brücken durchlotsen.
Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall und ist sehr witzig!

Old Weavers´ Restaurant

The Old Weavers House

The Old Weavers House

Wenn Ihnen in Canterbury der Magen knurrt, dann sollten Sie unbedingt in “The Old Weavers´ House” einkehren. Doch Sie brauchen viel Glück, denn hier spontan einen Tisch zu bekommen, ist reine Glückssache. Vielleicht sollten Sie vorher besser einen Tisch bestellen. Das Restaurant ist in einem Gebäude aus dem Jahre 1500 untergebracht und verfügt über eine gut gefüllte Menükarte mit bezahlbaren Preisen. Das Old Weavers´ ist eines der wenigen Restaurants, in denen es noch wirklich traditionelles englisches Essen gibt und das in guter Qualität.

4. Insidertipp von Gitta Edelmann

Norman Castle

Norman Castle

Norman Castle – Ruine der normannischen Burg: die Burg gehörte zu den ältesten in Großbritannien. Ihr Bau wurde um 1070 von William dem Eroberer begonnen. Die Steinburg wurde später ein Gefängnis und im 19. Jahrhundert Lager einer Gas-Gesellschaft. Heute ist die Ruine von einer kleinen Grünanlage umgeben. Die Burganlage ist frei zugänglich. Am Eingang kann man ein 3D-Modell der Burg, wie sie um 1200 ausgesehen hat, bestaunen.

The Beaney House of Art & Knowledge – Tourist Info, Kunstgalerie und Bibliothek

The Beaney House of Art & Knowledge ist ein Haus der Kunst und Wissenschaft und das zentrale Museum, Bibliothek und Kunstgalerie der Stadt Canterbury. Es ist einem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht und war bis 2009, bis es für eine Sanierung geschlossen wurde, als das “Beaney Institut” oder “Royal Museum and Art Gallery” bekannt. Im September 2012 wurde es unter dem neuen Namen wiedereröffnet.


Die Autorin:

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Spannung mit einem Augenzwinkern findet man nicht nur in Gitta Edelmanns zahlreichen Kurzkrimis und Kinderbüchern, sondern auch in ihrer englischen Krimireihe um die Liebesroman-Autorin und Detektivin wider Willen Ella Martin, die zur Recherche nach Canterbury gezogen ist.
Nach längeren Auslandsaufenthalten in Brasilien und Schottland lebt die Autorin seit einiger Zeit in Bonn, von wo aus es nicht allzu weit nach Großbritannien ist.
Gitta Edelmann ist Mitglied verschiedener Autorenvereinigungen und im Vorstand des Verbands Deutscher Schriftsteller VS in NRW. Sie leitet außerdem Seminare für kreatives Schreiben.

Im Portrait: Chief Inspector Donald Sutherland Swanson

Er ist die Hauptperson in „Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten“ und „Inspector Swanson und der Fall Jack The Ripper“ von Robert C. Marley. Grund genug einmal zu schauen, wer dieser Chief Inspector Donald Sutherland Swanson eigentlich ist? Er ist nämlich nicht nur der Held in den beiden bisher erschienenen Krimis, sondern hat wirklich mal gelebt.

Quelle: Screenshot Wikipedia

Quelle: Screenshot Wikipedia

Chief Inspector Donald Sutherland Swanson wurde 1848 in Thurso, Schottland, geboren.

Er war der leitende Polizeibeamte in der Metropolitan Police in London bei den berüchtigten Jack the Ripper-Morden 1888. Obwohl sein Vater Braumeister war, hatte Swanson andere Ambitionen. Nachdem er zunächst eine Karriere als Pfarrer oder Lehrer in Betracht gezogen und eine Weile als Büroangestellter in der Londoner City gearbeitet hatte, erkannte er schnell, dass die dortigen Karrierechancen gering waren. Er entschied sich stattdessen für den Polizeidienst. Am 27. April 1868 trat Swanson der Metropolitan Police bei.

Von November 1887 war Swanson Chief Inspector des CID bei Scotland Yard, wurde 1896 zum Superintendenten befördert und war bei der Verhinderung der Fenian Terroranschläge in London in den 1870er und 1880er Jahren beteiligt. Es gab weitere bekannte Fälle, bei denen er mitmischte, wie den gestohlenen Juwelen der Gräfin Dysart und einem gestohlenen Gainsborough Gemälde.

Bei den Jack the Ripper Morden wurde Swanson durch Dr. Robert Anderson, Assistant Commissioner der Metropolitan Police und Chef der Kriminalpolizei (CID), als Chefermittler eingesetzt. Dafür wurde Swanson von allen anderen Aufgaben befreit und bekam sein eigenes Büro bei Scotland Yard. Von hier aus koordinierte er alle Anfragen und Aufgaben und erhielt die Generalerlaubnis „jedes Papier, jedes Dokument, jede Bericht [und] jedes Telegramm“ über die Untersuchungen sichten zu dürfen. Swanson bekam so ein enorm umfangreiches Wissen und Informationen über die Morde.

Donald Swanson starb am 24. November 1924 in New Malden, Surrey und wurde auf dem Friedhof von Kingston beigesetzt.


 

Nevill Swanson & Robert C. Marley_2

Nevill Swanson & Robert C. Marley

Autor Robert C. Marley (links) bei einem Treffen mit Nevill Swanson, den Urenkel von Chief Inspector Donald Sutherland Swanson.

Cornwall entdecken mit Rebecca Michéle

St-Michaels-Mount

„Cornwall ist weit mehr, als nur Kulisse für bezaubernde Romane und schöne Fernsehfilme …“ (Rebecca Michéle)

Cornwall hat eine Jahrtausende zurückreichende bewegte Geschichte, so kommen Historienfans voll auf ihre Kosten. Neben Geschichte bedeutet Cornwall aber auch schroffe Klippen, tosende Brandung und Sandstrände. Ein Cornwallaufenthalt wäre unvollständig, wenn man sich nicht mindestens einmal einen ganzen Tag lang aufmacht, die wild-romantische Küste per Fuß zu erkunden. Rund um den gesamten Südwestzipfel Englands zieht sich der so genannte „South West Cost Path“, der allein in Cornwall eine Länge von 430 km hat. Die schönsten, aber auch schwierigsten, Streckenabschnitte liegen eindeutig an der Nordküste zwischen Bude und Newquay und rund um die Penwith Halbinsel (von St. Ives nach Penzance). Feste Wanderschuhe, eine Regenjacke (das Wetter in Cornwall kann sich innerhalb einer Stunde rapide ändern!) und etwas zum Essen und zum Trinken sind unablässig. Man sollte sich vorher eine Karte, die es in jedem „Tourist Information“ gibt besorgen und seine Kräfte nicht überschätzen.

Crown Mines Bottlack

Crown Mines Bottlack

Oft geht der Weg über Stock und Stein, fällt sehr steil zum Meer ab, um auf der anderen Seite wieder so steil hinaufzuführen, dass man durchaus auch mal auf allen Vieren kraxeln muss. Man wird aber mit wunderschönen romantischen Plätzen in kleinen Sandbuchten, die sonst nicht zugänglich sind, und mit fantastischen Ausblicken auf Kavernen und Grotten belohnt. Bei solchen Wanderungen stelle ich mir oft vor, wie es in vergangenen Zeiten war, als die Einwohner oft stundenlang über solche Wege zum nächsten Markt haben laufen müssen. Gehörte man nicht der Oberschicht an, so war das Leben in Cornwall beschwerlich, von Armut, Krankheiten und Hunger geprägt. Trotzdem waren die Einwohner immer sehr stolz und liebten ihren Landstrich. In all meinen Romanen sehnen sich meine Protagonisten nach Cornwall, wenn sie sich durch diverse Umstände gezwungen sehen, die Grafschaft verlassen zu müssen. Sitze ich zu Hause an meinem Computer und lasse meine Akteure an den Klippen spazieren gehen, so kann ich regelrecht das Rauschen der Brandung und das Kreischen der Möwen in meinen Ohren hören. Über Cornwall zu schreiben, bedeutet für mich auch, für diese Zeit im Geist dort zu sein.

Cornisches Cottage

Cornisches Cottage

Man findet abseits der Dörfer an der Küste meistens keine Anzeichen der Zivilisation des 21. Jahrhunderts, die Landschaft hat sich im Laufe der Hunderten von Jahren kaum verändert. Leicht fällt einem hier die Vorstellung, wie in vergangenen Zeiten Fischer, Seefahrer und auch Piraten angelegt heben. Nicht immer waren ihre Absichten ehrenhaft! Und wer weiß – wenn man aufmerksam ist, begegnet man vielleicht einem dieser verwegenen, attraktiven Gesellen –zumindest in der Phantasie. Mir passiert das regelmäßig!

Wenn man sich für das Leben in vergangenen Zeiten interessiert, sollte man auf keinen Fall die folgenden Höhepunkte verpassen:

Lanhydrock House bei Bodmin – das prächtigste Herrenhaus im Herzogtum Cornwall. Über fünfzig, prächtig und bis ins kleinste Detail im victorianischen Stil eingerichtet, kann man hier besichtigen. Der frühere Küchen- und Dienstbotentrakt sucht im Süden Englands seinesgleichen. Hier wird „Downton Abbey“ lebendig.

King Arthur’s Castle bei Tintagel – steht man auf den knapp 200m hohen Klippen weit über der tobenden Brandung des Atlantiks beginnt jeder an die Legende des sagenumwobenen Königs zu glauben.

Cotehele House südöstlich von Collingford – nicht nur ein Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert, sondern auch eine große Anlage mit Mühle, Schmiede und Sattlerei, ebenso wie eine kleine Hafenanlage am Ufer des Tamars. Cotehele diente mir als Vorlage für „Boventon Castle“, das in den Romanen „Das Ebenbild der Königin“ und ebenfalls „Rückkehr nach Cornwall“ eine Rolle spielt. Selbstverständlich findet der Besucher auch jene kleine Kapelle, die Richard Trelawny als Dank für seine Rettung vor den Feinden errichtet hat. Der Geheimgang ist allerdings – leider – eine Erfindung von mir.

St-Michaels-Mount

St-Michaels-Mount

St. Michael’s Mount bei Penzance – das auf einer Felseninsel gelegene einstige Benediktinerkloster ist seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie St. Aubyn, die noch heute in dem imposanten Gebäude lebt. Bei Flut setzt man mit kleinen Booten über, bei Ebbe führt ein gepflasterter Weg auf die Insel.

Körperlich etwas weniger anstrengend als eine Küstenwanderung, aber nicht minder romantisch, ist ein Ausflug ins Bodmin Moor. Die meisten Besucher lassen diesen Nationalpark links liegen, erfreut sich das in der Nachbargrafschaft Devon gelegene Dartmoor üblicherweise mehr Beliebtheit. Wenn auch kleiner, ist das Bodmin Moor auf jeden Fall einen Ausflug wert. Unbedingt sollte man die Erhebungen „Rough Tor“ und „Brown Willy“ (der höchste Berg Cornwalls) erklimmen, und „The Hurlers“ und den „Cheesewring“ bei einer Wanderung erkundenn. Keine Angst – beim Bodmin Moor handelt es sich nicht um einen Sumpf, in dem man versacken kann, sondern um eine ganz spezielle und sehenswerte Landschaftsform. Wer weiß, vielleicht findet man ja auch in dem kleinen See „Dozmary Pool“ King Arthur’s Schwert Excalibur? Laut alten Sagen leben allerhand seltsame Gestalten im Bodmin Moor, gute aber auch welche, die mit den Menschen gerne Schabernack treiben. Eine dieser Gestalter ist der „cornische Piskey“, eine Art Kobold. Er gilt als Glückbringer und wer ihn sieht, wird in seinem Leben niemals wieder Kummer erleiden müssen.

Küste beim Lizard

Küste beim Lizard

In keiner anderen englischen Gegend Englands kommen Gartenliebhaber so sehr auf ihre Kosten wie in Cornwall. Bedingt durch den Golfstrom herrscht ein sehr ausgeglichenes Klima. Nicht selten, dass die Temperaturen an Weihnachten höher sind als im August (eigene Erfahrung!). Es gibt nur ganz selten Schnee oder Frost, die Pflanzenwelt präsentiert sich in einer Exotik und Üppigkeit, die man in Europa nur noch im Mittelmeerraum findet. Jedes Herrenhaus verfügt über kunstvoll angelegte Gärten, zusätzlich sollte man folgende Gartenanlagen nicht missen: Lost Garden of Heligan, Trelissick Garden und Glendurgan Garden.

Pflanzen und Sonstiges für den heimischen Garten erwerben, kann man bei allen öffentlich zugänglichen Gärten, sowie in zahlreichen Gartenmärkten. Der größte und schönste Gartenmarkt befindet sich in der Nähe der Stadt Wadebridge in Nordcornwall: Trelawney Garden Center

In der Umgebung von Redruth, St. Agnes und auf der Penwith Halbinsel stechen jedem Besucher eine Vielzahl von Ruinen alter Zinn- oder Kupferminen ins Auge. Über viele Jahrhunderte brachten Zinn und Kupfer Reichtum und Wohlstand nach Cornwall – allerdings nur für die Besitzer der Minen, nicht für die Arbeiter.

Wer sich für die Geschichte des Bergbaus interessiert, sollte die „Poldark Mine“ (bei Helston) und die „Grevor Tin Mine“ (bei Botallack) besichtigen und in die alten Minenschächte absteigen. Allerdings darf man dabei nicht unter Platzangst leiden.

Ein zweiter großer Erwerbszweig war der Fischfang. Böse Stimmen behaupten noch heute, dass darüber hinaus der Schmuggel und die Wrackräuberei einen weitaus größeren Stellenwert bei den Küstenbewohnern hatten. Nun, zweifelsohne steckt in der Behauptung etwas Wahrheit. Nicht ohne Grund rief die britische Regierung im 18. Jahrhundert in Cornwall zum ersten Mal eine Art Küstenwache ins Leben.

Hafen Polperro

Hafen Polperro

Heute sind die einstigen Fischerdörfer immer noch voller Leben. Allerdings sind es die Touristen, die sich durch die, zum Teil für den Autoverkehr gesperrten, engen, schmalen Gassen drängen. In den Dörfern Polperro, East Looe und Port Isaac scheint die Zeit stillgestanden zu sein, finden sich dort doch noch reihenweise Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Etwas größer, aber nicht minder faszinierend, stellt sich St. Ives seinen Besuchern dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die kleine, verschachtelte Hafenstadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Übrigens – Rosamunde Pilcher wurde in Lelant, einem Dort in unmittelbarer Nähe von St. Ives geboren, einer ihrer Söhne betreibt in der Nähe eine Farm, und der Berliner Schriftsteller Heinz Ohff lebte über dreißig Jahre in St. Ives.

Küste Lands End

Küste Lands End

In Cornwall findet man gleich zwei Besonderheiten Großbritanniens – nämlich den südlichsten („Lizard Point“) und den westlichsten Punkt („Land’s End“) der Insel. Beide sind einen Besuch wert, wobei der Rummel in Land’s End nicht jedermanns Geschmack ist. Für Kinder ist es jedoch unterhaltsam, finden sich dort doch allerlei Spiel- und Abenteuergelegenheiten für die Kleinen.

Liebhaber von Antiquitäten kommen in Cornwall ebenfalls auf ihre Kosten. Von Nippes, Schmuck, Geschirr, Haushaltsgegenstände bis zu Möbel – es gibt nicht nur eine reichliche Auswahl, dieses auch zu erschwinglichen Preisen. Das Städtchen Lostwithiel südlich von Bodmin bietet die meisten Antiquatäten-Geschäfte, aber auch in Wadebridge, Falmouth und in Mevagissey sollte man sich Zeit zum Stöbern nehmen. Darüber hinaus finden regelmäßig „Antique Fairs“ statt, in den örtlichen Touristen-Informationszentren findet man alle Informationen.

Drei kulinarische Köstlichkeiten darf man sich in Cornwall nicht entgehen lassen:

  1. Cornish Pasty – ursprünglich ein „Arme-Leute-Essen“, besonders für die Bergarbeiter, ist es heute die cornische Spezialität schlechthin. In jeder Ortschaft, in jedem Dorf findet man Pasty-Shops, die besten Pasties gibt es in Tintagel und in Lizard. Hier kann man bei der Zubereitung zusehen und schon dabei läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
  1. Cream Tea – zwei, am besten frisch gebackene und noch warme, Scones, dick mit Erdbeermarmelade bestrichen und darüber eine gute Portion Clotted Cream, dazu eine Tasse Tee … Auch diese Köstlichkeit finden man überall, am besten wählt man hier einen eher kleinen Tearoom auf dem Land, wo alles handgemacht ist. Oft weisen Schilder auf der Straße zu einer versteckt liegenden Farm, wo der Besucher nicht nur köstliches „Home Baking“, sondern auch ein netter Plausch mit den Farmern erwartet.
  1. Fish & Chips – kein Aufenthalt auf der Insel, ohne das nicht zumindest mal probiert zu haben. Hier gibt es geschmacklich jedoch großer Unterschiede. Man sollte darauf achten, dass der Fisch lokal und an diesem Tag, an dem er verkauft wird, gefangen wurde, ebenfalls dass die Pomade und die Chips frisch zubereitet und nicht zu fett sind. Hervorragende Fish & Chips erhält man in den Küstenstädten, z.B. in Padstow bei Rick Stein und in St. Agnes in der Trevaunance Cove bei Lewsey Lou’s. Bei Zweiterem bitte die Öffnungszeiten beachten.

Lohnenswert ist auch ein Besuch in Cadgwith und in Port Isaac, wo man bis zum frühen Nachmittag lokalen, an diesem Morgen gefangenen Fisch und Meeresfrüchte kaufen kann.

Zum Schluss noch zwei Veranstaltungshinweise, die man sich – wenn es möglich ist – bei einem Besuch in Cornwall nicht entgehen lassen sollte:

  • Das Minack-Theatre bei Porthcurno südlich von Penzance ist ein hoch über dem Meer in den Klippen gelegenes Amphitheater, griechischen Vorbildern nachempfunden. In den Monaten Mai – September wird dort im wöchentlichen Wechsel ein unterhaltsames Programm geboten – von klassischen Skakespeare-Stücken bis zu aktuellen Musicals.
  • Befindet man sich in der ersten Juniwoche in Cornwall, sollte man einen Tag für den Besuch der Royal Cornwall Show bei Wadebridge einplanen. Es ist eine Art Messe rund um alles, was Cornwall zu bieten hat – von Krimskrams bis hin zu Traktoren kann man hier alles kaufen. Besonders interessant sind die Viehauktionen, hier kommt alles unter den Hammer – von der Honigbiene bis zu Kühen, Schafen oder auch Frettchen für die Kaninchenjagd. Man kann einen Schafscherwettbewerb besuchen, sich die Zeit auf einem Victorianischen Jahrmarkt vertreiben oder in zahlreichen Zelten die originalen köstlichen cornischen Spezialitäten kosten. Vielleicht hat man auch das Glück und erhascht einen Blick auf ein Mitglied der königlichen Familie, von der immer jemand anwesend ist.
Strand an der Westküste

Strand an der Westküste

Jetzt hoffe ich, ein wenig Appetit auf eine Reise nach Cornwall gemacht zu haben. Im Internet sind unzählige Links zu Cornwall zu finden, alle aufzuzählen wäre an dieser Stelle zu viel. Zu erwähnen wäre jedoch die Seite www.cornwall-online.co.uk. Man findet hier eigentlich alles, was für eine Urlaubsplanung wichtig ist.


Die Autorin:

Michele_hell-683x1024Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit 15 14Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de

1 2 3 4