In Fowey/Cornwall mit Rebecca Michéle

Über Jahrhunderte einer der wichtigsten Seehäfen der englischen Südküste: Obwohl die Geschichte Foweys lange zurückreicht, ist der Ort nie zum klassischen Seebad geworden. Gründe sind sicher die Lage zwischen den Klippen und die sehr steilen, engen Straßen, die nach Fowey führen. Zudem gibt es weder eine Seepromenade noch einen Sandstrand, der zum Baden einlädt. Nichtsdestotrotz hat Fowey sich vielleicht gerade deshalb seinen Charme erhalten und ist bis heute nicht von Touristen überlaufen. Besucher kommen gern nach Fowey, aber oft nur für einen Tag. Wer es also ruhig und beschaulich mag, ist hier genau richtig. Abseits vom Massentourismus gibt es viele kleine, feine Kunstgalerien und Antiquitätengeschäfte, in denen man auch Ungewöhnliches entdecken kann.

Die Einheimischen in Fowey sind – wie eigentlich überall in Cornwall – sehr herzlich, aufgeschlossen und immer zu einem kleinen Schwätzchen bereit. Gerade weil Fowey nicht so überlaufen ist wie beispielsweise West Looe und Polperro, haben die Menschen dafür einfach mehr Zeit. Hier scheinen die Uhren langsamer als anderswo zu gehen. Und das ist gerade im Urlaub überaus wohltuend.

Fowey auf die Schnelle:

Must-See: Wer die Romane von Daphne du Maurier mag, der mag auch Fowey und dessen Umgebung. Bereits als junges Mädchen verliebte sich die Autorin in diesen zauberhaften Ort, später lebte sie auf dem Landsitz Menabilly und schrieb dort einen ihrer Erfolgsromane »Rebecca«. (Anmerkung Autorin: Diese Rebecca stand Pate für meinen Vornamen) Das Haus diente der Autorin als Vorlage für Manderly. Da es sich im Privatbesitz befindet, ist es für die Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich.

Bei einer Wanderung auf dem South West Coast Path von Fowey westlich in Richtung Polkerris wandelt man auf den Spuren von Daphne du Maurier und passiert dabei eine kleine, wildromantische Bucht mit einem einzeln stehenden Haus, das als Ferienhaus angemietet werden kann. Diese Bucht diente als Vorbild für die Bucht mit dem Bootshaus, in dem Maxim de Winter Rebecca tötete.

Aber auch wer mit dem Roman „Rebecca« nichts anfangen kann, findet auf dem Wanderweg rund um Gribbin Head Ruhe, Entspannung und wundervolle Ausblicke auf die steilen Klippen und über das Meer. Schön ist auch der Gribbin Tower, ein rot-weiß angestrichener Leuchtturm, der seit 1832 den Schiffen zur Navigation diente. Kurz vor dem Dorf Polkerris führt der Saints Way über gut beschilderte Wege zurück nach Fowey. Die Gehzeit beträgt ca. 3 Stunden, der Schwierigkeitsgrad ist mittel, mit ein paar steilen, aber kurzen Aufstiegen.

Lieblingsrestaurant: Das Hotel »King of Prussia« ist mit seiner rosa angestrichenen Fassade nicht nur ein Blickfang, auch die Küche ist sehr gut. Empfehlenswert sind die Fischgerichte, deren Hauptzutaten frisch vor Ort gefangen und zubereitet werden.

Wie in meinem Buch »Sagen aus Cornwall« beschrieben, wurde der Gasthof im 18. Jahrhundert von John Carter geführt – dem wohl berühmtesten cornischen Schmuggler überhaupt. John Carter existierte wirklich. Und obwohl er es finanziell nicht nötig hatte – das Gasthaus lief gut –, setzte er über Jahre hinweg sein Leben beim Schmuggeln aufs Spiel. Heute würden wir wohl sagen, der Schmuggel war sein Hobby. Auch wenn seitdem das »King of Prussia« mehrmals umgebaut und erweitert wurde, ist immer noch das Flair des großen John Carter in seinen Wänden zu spüren. http://www.kingofprussiafowey.co.uk/

Lieblingscafé: Pinky Murphy’s Café in der North Street. Diese kleine, gemütliche Lokalität verbindet Café mit einer Bücherei und einem Handarbeitsgeschäft. Home Baking: Sandwiches und alle herzhaften Gerichte werden frisch zubereitet. Während des Tee- oder Kaffeetrinkens kann man stricken oder in Büchern schmökern. Für Kinder gibt es Spiele, Hunde sind willkommen und es herrscht eine lockere Atmosphäre, bei der man mit anderen Gästen schnell ins Gespräch kommt. http://pinkymurphys.co.uk/

Unbedingt essen: Die direkt aus dem Meer vor Fowey stammenden Mies- und Jakobsmuscheln sind zu empfehlen. Zudem sollte man sich – wie überall in Cornwall –eine Cornish Pasty ebenso wenig wie einen Cream Tea entgehen lassen. Cornish Pasties sind gefüllte Fleischtaschen, im Originalrezept mit Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben und Zwiebeln. Heute gibt es sie mit zahlreichen anderen Füllungen: vegetarisch, süß mit Banane und Schokolade oder auch – sehr zu empfehlen! – mit Lamm und Pfefferminze.

Ein Cream Tea besteht aus einer Kanne schwarzem Tee, zwei am besten noch warmen Scones (typische englische Brötchen, mit und ohne Rosinen), Erdbeermarmelade und – das Beste! – einer guten Portion Clotted Cream obenauf. Diese Cream ist eine Mischung aus Butter und Sahne und einfach köstlich.

Lieblingsstraße: Lostwithiel Street. In dieser engen, steil ansteigenden Straße drängen sich alte, weiß getünchte Cottages aneinander (skurrile Türklopfer beachten!). Bei vielen Häusern sind sogar noch die früheren Fischkeller zu erkennen.

Schönste Sehenswürdigkeit: Fowey ist überschaubar und insgesamt sehenswert. Die Parish Church lohnt einen Besuch, ebenso die Ruinen von Saint Catherine’s Castle. Die Befestigungsanlage war einst durch eine massive, dicke Eisenkette mit dem am gegenüberliegenden Ufer liegenden Dorf Polruan verbunden. In Krisenzeiten zog man diese Kette aus dem Meer und versperrte so Hafeneinfahrt.

Good to know: Reisende, die per Auto unterwegs sind und die Fischerdörfer East Looe und Polperro besuchen, sollten nicht den Umweg über die Hauptstraße A390 nach Fowey nehmen, sondern von Polperro auf den gut ausgeschilderten, aber schmalen Straßen nach Bodinnick fahren. Von hier kann man per Fähre nach Fowey übersetzen. Die Fähre verkehrt tagsüber und fasst 6–8 Autos. Die Überfahrt dauert etwa 10 Minuten und kostet pro Wagen £ 5, ohne Fahrzeug pro Person £ 2 (Stand: Juni 2018). Diese Strecke spart nicht nur Zeit, sondern führt auch durch wunderschöne Landschaft. Die Fähre eignet sich auch, um das am anderen Ufer liegende Dorf Polruan zu besuchen, das ebenfalls mit alten Cottages und engen Gässchen besticht.

http://www.ctomsandson.co.uk/bodinnick-ferry/ferry-and-timetable/

Beste Reisezeit: Mai, Juni und September sind meiner Erfahrung nach die regenärmsten und sonnenreichsten Monate. Aufgrund der Lage am Golfstrom herrscht in Cornwall aber fast ganzjährig ausgeglichenes und freundliches Klima. Die Südküste, an der Fowey liegt, wird selten von Stürmen oder Schnee, Eis oder Frost heimgesucht. Ab Mai präsentiert sich die Landschaft mit prachtvollen und bunten Blumen und Blüten. Ich selbst habe auch schon im August Dauerregen und kaum mehr als 10 Grad Celsius erlebt, über die Weihnachtstage jedoch Sonne pur und 24 Grad. So genau lässt sich das Wetter also nie einschätzen. In den letzten Jahren haben sich die gefürchteten Stürme, die auch zu Überschwemmungen führen können, aus dem Herbst in den Januar und Februar verschoben – eine Zeit also, die man eher meiden sollte.

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