Der National Trust in Cornwall (von Rebecca Michéle)

Das im Elisabethanischen Zeitalter erbaute Herrenhaus Higher Barton, in dem seit Jahren gemordet wird, ist ebenso fiktiv wie die dort immer wieder verübten Verbrechen. Häuser wie Higher Barton finden sich zahlreich in Cornwall, viele sind heute elegante Hotels, einige auch noch im Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es für die Aristokratie immer schwerer, ihre Anwesen zu erhalten. Die Steuern und Unterhaltungskosten für Herrenhäuser sind enorm; beim Denkmalschutz gelten strenge Auflagen, die ebenfalls sehr kostspielig sind. Daher übereigneten die Eigentümer ihren Besitz dem National Trust. Die gemeinnützige Organisation betreut Objekte aus dem Bereich der Denkmalpflege und des Naturschutzes in England, Wales und Nordirland und macht diese für die Öffentlichkeit zugänglich. Gegründet wurde der National Trust bereits 1895, aber erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges widmete er sich intensiv der Restaurierung und Verwaltung von Schlössern, Burgen und Herrenhäusern. Das erste größere historische Gebäude, das der Trust 1947 übernahm, befindet sich in Cornwall: Cotehele House.

Der National Trust finanziert sich vorrangig durch die Beiträge der Mitglieder, durch Spenden und durch den Verkauf in den eigenen Tea-Rooms und Souvenirgeschäften. Die Mehrzahl der Mitarbeiter betätigt sich ehrenamtlich. Gerade Personen, die bereits in Rente sind, stehen in den Herrenhäusern den Besuchern Rede und Antwort und führen sie durch die bis ins kleinste Detail eingerichteten historischen Räume. So erhalten wir einen hervorragenden Eindruck vom Leben in vergangenen Zeiten. Man hat das Gefühl, als ob jeden Moment der frühere Lord oder die Lady in den Raum treten. In Cornwall reicht die Bandbreite der historischen Gebäude des National Trust von Anlagen der Zinn- und Kupferminen über eine ehemalige Klosterburg (Saint Michael’s Mount), ein elisabethanisches Herrenhaus (Trerice) und ein Haus im Queen-Anne-Stil (Antony House) bis hin zu dem viktorianischen Lanhydrock House, in dem sich die Anhänger der Fernsehserie »Downton Abbey« in diese Zeit versetzt fühlen. Aber auch einzelne, uralte Häuser (Old Post Office, Tintagel), Straßenzüge (z. B. die Stippy Stappy in St Agnes) und ganze Ortschaften (z. B. Boscastle) gehören dem National Trust.

Übergibt man seinen Besitz dem Trust, dann wird oft ein Wohnrecht für die Familie in einem abgetrennten Bereich des Hauses ausgehandelt. So wurde zum Beispiel 1957 mit den Besitzern des Saint Michael’s Mount ein Wohnrecht für die Familie für die nächsten 999 Jahre vereinbart. Es ist also durchaus möglich, bei einem Besuch auf dem Inselberg Angehörigen der Familie St Aubyn zu begegnen. Diese wohnen in einem für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Teil der alten Befestigung.

Neben den historischen Gebäuden kümmert sich der National Trust auch um Landschaftsgärten, Parks und weite Teile der Küstenlinie, wie z. B. den South West Coast Path.

Mitglieder des National Trust erhalten zu allen Objekten freien Eintritt, ebenso verwaltet der Trust zahlreiche Parkplätze an den Küsten, auf denen Mitglieder kostenlos parken. Bei einer Reise durch England kann sich eine Mitgliedschaft im National Trust durchaus lohnen, wenn man Schlösser, Burgen und Herrenhäuser besichtigen möchte. Neben der Jahresmitgliedschaft gibt es auch Mitgliedschaften für nur sieben Tage. In allen Geschäftsstellen des Trust stehen freundliche Mitarbeiter gern für eine Beratung zur Verfügung.

Der Präsident des National Trust ist Charles, Prince of Wales.

Informationen unter: https://www.nationaltrust.org.uk/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.