Damast und Färberwaid – Autorin Ivonne Hübner entdeckt die Geschichte der Oberlausitz

Buchinspiration

Für den Roman „Die Tuchhändlerin“ habe ich mich, wie schon für „Teufelsfarbe“, wieder von unserer wunderschönen Oberlausitz inspirieren lassen. Das „Oberland“ am Fuße des Zittauer Gebirges mit seinen Mythen, Sagen und einzigartigen Umgebindehäusern, nicht zuletzt den besonderen Handwerkstraditionen, birgt viel Romanstoff wie etwa den der Damastweberei. Das Damastweberhandwerk geht weit über die Leineweberei hinaus und war zumindest bis zum Vormarsch der Webmaschinen privilegierten Webern vorbehalten. Diese hüteten das einst aus Holland überlieferte, streng vertrauliche Wissen und waren dazu verdammt, ihr Leben an ein und demselben Ort zu fristen. Die Faszination für so geheimes Fachwissen hielt mich an, im Laufe von sieben Jahren eine Vielzahl von Recherchefahrten, Archiv-, Bibliotheks-, und Museumsbesuchen sowie Fachgesprächen zu unternehmen, bis ein belletristischer Roman fertig wurde.

Die Protagonisten

Wie schon in „Teufelsfarbe“ mit der Schmiedtochter Margarete Rieger steht im Fokus der „Tuchhändlerin“ mit Luisa Treuentzien, Tochter eines Expediteurs und Bildungsbürgers, eine junge Frau, die sich nicht mit der ihr vorbestimmten Rolle abfinden will.
Luisa Treuentzien, vom bevorstehenden Los einer biedermeierlichen Hausfrau und Mutter erschreckt und gelangweilt, mischt sich, geleitet von Abenteuerlust und Neugier, so weit in die Familienangelegenheiten der Damastweber Weber ein, dass sie nicht umhinkommt, die harten Lebensbedingungen der Lohnweber beeinflussen zu wollen. Und so nimmt Luisas Lebenswandel seinen Anfang.
Der junge Damastweber Balthasar Weber und die ungestüme Luisa Treuentzien scheinen zunächst ein eher widersprüchliches Gespann zu sein. Während Standesdünkel sowie Vorurteile die beiden entzweien, eint sie schließlich die Liebe zu handgezogenem Damast. Luisa Treuentziens Rebellion wird nicht zuletzt angetrieben durch einen aufklärerischen Geist.

Unterschiede in den Romanen “Teufelsfarbe” und “Die Tuchhändlerin”

Anders als Margarete Rieger in „Teufelsfarbe“, wo um 1510 der erneuernde Geist der Renaissance noch nicht bis zu den mittelalterlichen Dörflern vorgedrungen ist, lebt Luisa Treuentzien 1830 in einer Zeit voller Umbrüche, Revolutionen und industriellem Aufschwung. Luisa kann sich eine Auflehnung dem familiären Gegenwind zum Trotz erlauben, Margarete nicht.

Anspruch des Autors

Wie in „Die Tuchhändlerin“ erhebe ich bei jedem meiner Romane einen gewissen authentischen Anspruch, bin lieber für gut recherchierte Fakten, Lokalkolorit und diffizile – manchmal auch unbequeme – Charaktere als für Schema F. Gerade das Lokalkolorit macht die Verbundenheit zu meiner Leserschaft aus, und das ist es, was ich nicht missen möchte.

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