Cornwall mit Rebecca Michéle

„Cornwall ist weit mehr, als nur Kulisse romantischer Romane und Fernsehfilme …“ – Rebecca Michéle

1989 besuchte ich zum ersten Mal den südwestlichen Zipfel der britischen Insel. Gleich am ersten Tag besichtigte ich das südlich von Bodmin gelegene Landschloss Lanhydrock House. Bei der Tour durch die 52, alle im viktorianischen Stil eingerichteten Räume, wurde die Idee für den Roman „Das Erbe der Lady Marian“ (Erstausgabe 1996) geboren – und damit der Einstieg in mein Leben als Autorin.
Lanhydrock aber nur eines von vielen historischen Häusern in Cornwall. Bei einer Reise durch Cornwall sollte man unbedingt besuchen: King Arthur’s Castle bei Tintagel, Cotehele House südöstlich von Collingford, St. Michael’s Mount bei Penzance und nicht zu vergessen: Prideaux Place in Padstow – dieses, sich im Privatbesitz befindende, Herrenhaus war bereits Drehort zahlreicher Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Es kann besichtigt werden, und manchmal trifft man sogar den heutigen Lord zeitungslesend im Salon an.

Von alten Landhäusern und Schlössern: Cornwalls Romantik

Solch alte Landhäuser und Schlösser inspirieren ungemein zu romantischen Liebesgeschichten. Kann man sich einen schöneren Heiratsantrag vorstellen, als bei Sonnenuntergang auf einer Klippe, das glasklare Meer unter einem und das melodische Kreischen der Möwen hoch über den Köpfen? Träumt nicht jede Frau davon, einem echten Prinzen – oder zumindest einen attraktiven Lord mit eigenem Schloss – zu begegnen? Nun, in Cornwall kann das durchaus geschehen.

Cornwalls Klippen und Sagen: Nicht nur für Touristen inspirierend…

In der ländlichen Beschaulichkeit Cornwalls gibt es noch heute ziemlich verschrobene Charaktere, unzählige Familiengeheimnisse und jede Menge Stoff für spannende Kriminalgeschichten. Die Mehrzahl der alten Häuser befinden sich seit Hunderten von Jahren im Besitz ein und derselben Familie, werden heute noch von dieser bewohnt – da sammelt sich so allerhand an, da wurde und wird so manches seit langer Zeit unter den Teppich gekehrt oder auf Dachböden versteckt, das irgendwann hervorbrechen und nicht selten mit einem Mord enden kann.
So wurde vor etwa zehn Jahren die Grundidee zu der Krimi-Reihe geboren. Cornwall und blutrünstige Thriller passen allerdings nicht zusammen, daher hauche ich der Reihe ein wenig britischen Humor ein, und die Figuren handeln und wirken sehr „britisch“.

Cornwall, so wird behauptet, sei mit seiner zerklüfteten Steilküste, den einsamen Buchten mit goldenem Sand, dem wild-romantischen Bodmin Moor und unzähligen immergrünen Flusstälern der schönste Landstrich Großbritanniens. Cornwall ist aber auch eine Gegend voller Legenden und den meisten „heiligen“ Ortsnamen (Saint) auf der britischen Insel. König Artus soll in Cornwall geboren sein, Riesen bauten sich Treppen und ganze Inseln, Gnome streifen durch das dichte Unterholz, Meerjungfrauen locken brave Bürger in ihr kühles Nass, und, Königen gleich, herrschten Schmuggler über die Küsten.
Zwölf ausgewählte Sagen erzähle ich mit meinen eigenen Worten in dem Buch „Sagen aus Cornwall“, das im Frühjahr 2018 im Dryas Verlag erscheint. Bereits jetzt ist ein der Tischkalender für 2018 „Sagenhaftes Cornwall“ mit zwölf wunderschönen Fotos und jeweils einen kurzen Abriss der dazugehörigen Sage erhältlich.

Über 430 Kilometer einer schroffen, bizarren, komplett begehbaren Klippenlandschaft, unzählige Strände mit weißen, feinen Sand, Höhlen und Kavernen – das bedeutet Einsamkeit und Romantik pur. Nicht minder interessant ist das Bodmin Moor mit seinen Erhebungen „Rough Tor“ und „Brown Willy“ (dem höchsten Berg Cornwalls) und den sagenumwobenen Steinformationen „The Hurlers“ und den „Cheesewring“.
Gartenliebhaber kommen in keiner anderen englischen Grafschaft Englands so sehr auf ihre Kosten wie in Cornwall. Bedingt durch den Golfstrom herrscht hier ein sehr ausgeglichenes Klima. Nicht selten, dass die Temperaturen an Weihnachten höher sind als im August (eigene Erfahrung!). Es gibt nur ganz selten Schnee oder Frost, darum präsentiert sich die Pflanzenwelt in einer Verschwendung und Üppigkeit, die man sonst in Europa nur im Mittelmeerraum findet. Jedes Herrenhaus verfügt auch über kunstvoll angelegte Gärten, zusätzlich sollte man folgende Gartenanlagen nicht missen: Lost Garden of Heligan, Trelissick Garden und Trengwainton Garden.

Wilde Romantik trifft Minenindustrie

Über die ganze Landschaft verstreut finden sich Zeugnisse der einst blühenden Minenindustrie. Seit der Bronzezeit wurde in Cornwall nach Kupfer und Zinn gegraben. Das Leben der Bergarbeiter war hart, die Menschen starben früh, der Zusammenhalt untereinander war aber immer sehr stark. In meinen Romanen „Das Flüstern der Wände“ und „Die verlorene Zeit“ (unter dem Pseudonym Michelle Ross) habe ich mich dem Thema Bergbau in vergangenen Zeiten angenommen.
Weitere Erwerbszweige waren der Fischfang, sowie Schmuggel und Wrackräuberei. Im 18. Jahrhundert rief die britische Regierung zum ersten Mal eine Art Küstenwache ins Leben. Für die Phantasie einer Autorin sind Schmuggler und Seeräuber natürlich viel ergiebiger als Fischer.
Heute sind die einstigen Fischerdörfer immer noch voller Leben. Allerdings sind es die Touristen, die sich durch die, zum Teil für den Autoverkehr gesperrten, engen, schmalen Gassen drängen. In den Dörfern Polperro, East Looe und Port Isaac scheint die Zeit stillgestanden zu sein, finden sich dort doch noch reihenweise Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Etwas größer, aber nicht minder faszinierend, stellt sich St Ives seinen Besuchern dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die kleine, verschachtelte Hafenstadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Rosamunde Pilcher wurde in dem Dorf Lelant bei St Ives geboren, einer ihrer Söhne betreibt in der Nähe eine Farm, und der Berliner Schriftsteller Heinz Ohff nannte bis zu seinem Tod ein Haus mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Bucht von St Ives sein Eigen!

In Cornwall finden sich zwei Besonderheiten Großbritanniens: Den südlichsten („Lizard Point“) und den westlichsten Punkt („Land’s End“) der Insel.

Cornwall ist aber nicht nur ein zentraler Punkt in meiner Arbeit als Autorin. Seit über zwanzig Jahren führe ich als Reiseleiterin auch Gäste durch den westlichsten Zipfel der britischen Insel. Für Volkshochschulen und Busunternehmen organisiere ich Reisen nach Cornwall, Vereinen und private Gruppen stehe ich beratend zur Seite und – wenn gewünscht – arbeitete ich mit Reiseunternehmen zusammen und leite diese Gruppen durch Cornwall. Diese Tätigkeit macht mir sehr viel Freude, denn es ist schön, etwas von meiner Begeisterung an andere weitergeben zu können.

 

Von unserer Autorin Rebecca Michéle

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