Marlene Klaus im Interview: “Gloria” und die realen Protagonisten

Aktuell beschäftige ich mich mit der kürzlich erschienenen Folge von Gloria, die den Titel „Gloria und die Londoner Liebschaften“ trägt. Aus diesem Grund stelle ich euch derzeit bei Facebook die entsprechenden real existierenden Protagonisten vor:

 







Wen wundert es, dass bei der Vielzahl jener Personen, die tatsächlich existierten, die Frage aufkommt, was eigentlich hinter diesen „realen Protagonisten“ steckt, und natürlich ebenso die Frage, warum das Buch in eben jener Zeit spielt. Diese Fragen habe ich für euch an Marlene Klaus gerichtet und ein paar spannende Antworten bekommen.

1.  Marlene, aus welchem Grund haben Sie sich für einen Krimi in der viktorianischen Zeit entschieden?

Marlene Klaus: Sandra Thoms plante die „Bakerstreet Bibliothek“ und wir waren uns rasch einig, dass es darin auch Geschichten einer ermittelnden englischen Lady geben soll. So entstand die Konzeption der Gloria-Reihe.

Wie Sie vielleicht wissen, liegt der Fokus der Geschichten stets auf dem Aspekt der Liebe, auf der Liebesbeziehung eines bekannten fiktiven oder historischen Paares. Diese Paare haben natürlich mit der Romanhandlung nichts zu tun, doch sind sowohl ihre Biografien als auch einige Handlungsaspekte an die Vorbilder angelehnt. Ich begann die Reihe mit dem bekanntesten aller Liebespaare: Romeo und Julia, was am deutlichsten im Titel anklingt: „Gloria und die Liebenden von Verona“. Danach fiel die Wahl auf ein weiteres populäres Paar: Cäsar und Kleopatra. Ein weiterer Grund für Ägypten war, dass das Land 1888 unter britischer Herrschaft stand, was für meine Protagonistinnen bei aller Exotik ein vertrautes Reisegebiet bedeutet. Das historische Liebespaar, das im dritten Band als Vorbild dient, sind Königin Victoria und ihr über alles geliebter Gemahl und Cousin Albert, ein Herzogssohn aus deutschem Hause.



2.  Wer ist Ihre Lieblingsperson, die real existiert und in Ihren Büchern vorkommt?

Marlene Klaus: Das ist schwer zu beantworten, denn wie Sie wissen, lieben Schriftstellerinnen all ihre Figuren. Dennoch gibt es tatsächlich eine, die herausragt: Karomara Said im zweiten Gloria-Band ist Königin Kleopatra nachempfunden. Ich hatte große Freude am Ausarbeiten einer so mächtigen und zielstrebigen Person.

3.  Warum?

Marlene Klaus: Ich las viel über Kleopatra. Ihr absoluter Wille zur Herrschaft, ihr erklärtes Ziel, sich von den Männern nicht unterjochen und für deren Zwecke einsetzen zu lassen, hat mich beeindruckt. Zielsicher ist sie ihren Weg gegangen, hat Intrigen ebenso wenig gescheut wie gut durchdachte Propaganda. Ungewöhnlich für eine Frau damals. Ungewöhnlich daher meine Figur Karomara Said, die sich in viktorianischer Zeit in einer Männerwelt als Geschäftsfrau behauptet.

4.  Vielen Dank für die Antworten, liebe Marlene!

Ich hoffe, dass euch, liebe Leser, dieses Interview ein wenig mehr über die Gloria-Reihe verraten hat. Welche Fragen hättet ihr außerdem gestellt?

Wie lebt es sich in einem viktorianischen Haushalt?

"The Governess" von Richard Redgrave

“The Governess” von Richard Redgrave

In der viktorianischen Ära blühte die britische Wirtschaft und das Arbeitsleben trennte sich vom Familienleben. Unterstützt von der anglikanischen Kirche entwickelte sich ein hehres Bild von Ehe und Familie und gerade die Frauen der prosperierenden Mittelklasse unternahmen große Anstrengungen, diesem Ideal zu entsprechen. Ihre oberste Pflicht war es, dem männlichen Haushaltungsvorstand (Gatte/Vater) ein gepflegtes und gemütliches Zuhause zu bieten. Unterstützt wurden sie dabei von einem Heer von Dienstboten.

Je größer der Haushalt war, umso mehr Dienstboten gab es: Hausmädchen, Zofen, Kindermädchen, Ammen, Kammerdiener, Diener, um nur einige zu nennen. Köchin oder Koch nahmen eine Sonderstellung ein. Grundsätzlich kann man sagen: Je schmutziger die Arbeit war, umso niedriger stand man in der häuslichen Hierarchie und umso schlechter war die Entlohnung. Es war also ungefähr wie heute.

In „Engel der Themse“ ist es Emma, die ganz unten steht. Als Tochter eines irischen Arbeiters hat sie nicht viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Sie fängt als Scullery-Maid, was nur unzureichend mit „Küchenmädchen“ übersetzt ist, in Whitewood Manor an. Sie scheuert und poliert die kupfernen Töpfe und eisernen Pfannen und muss die Feuer im Haus in Gang halten. Wenn selbst die anderen Dienstboten noch schlafen, schleicht sie sich aus der Dachkammer, die sie sich mit einem anderen Dienstmädchen teilt, und huscht wie ein rußbefleckter Geist mit Ascheeimer und Kehrbesen durchs Haus, um die Öfen einzuheizen und die Kamine zu säubern und neu zu bestücken. Danach geht sie der Köchin zur Hand und bedient am Gesindetisch. Und natürlich ist sie es, die am Ende des Tages auf den Knien liegt und die Küche schrubbt. Ein armseliges Leben, das einem wunde Finger und schmerzende Knie bescherte. Also nicht unbedingt die Art Hausarbeit, die Charlotte Brontë vorschwebte, als sie in einem Brief an eine Freundin schrieb:

“I discovered a most unladylike talent for cleaning, sweeping up hearths, dusting rooms, making beds etc., so if everything else fails ‒ I can turn my hand to that ‒ if anybody will give me good wages, for little labour.”

(Autorin: Anne Breckenridge)