Fauler Zauber oder doch echte Magie? Teil 2

Besondere Kartendecks

Zu den berühmtesten Decks, einem Set aus 78 Karten, zählen das Rider Waite Tarot und das Crowley Tarot. 1910 kam die erste Auflage der Karten in Umlauf, die der Okkultist A.E. Waite gemeinsam mit dem Verlag Rider & Son bei der Künstlerin Pamela Colma Smith in Auftrag gab. Die meisten Tarots, die man heute kaufen kann, orientieren sich an den Bildern und Szenen, die Colamn Smith damals für eine kleine Summe entwarf. Die aussagekräftigen, in klaren Farben gehaltenen Bilder sind der Grund, warum das Rider Waite Tarot heute noch gern gekauft und benutzt wird. Die Bilder des Crowley oder Thoth Tarot macht eine spontane Deutung zwar ebenso leicht, bieten aber durch die enge Verknüpfung mit den Schriften und der Philosophie des Okkultisten noch mehr Deutungsansätze. Wer sich mit diesen beiden Kartendecks nicht anfreunden kann, hat heute eine fast unendliche Auswahl zur Verfügung. Von Tarotkarten mit Alienmotiven über Indianermotive bis hin zu Einhörnen und Gummibärchen gibt es fürwirklich jeden Geschmack die passenden Karten.

Große Arkana, kleine Arkana – was ist das?

Die Entwicklung der Wahrsagekarten aus den Spielkarten zeigt sich in der Unterteilung in die Arkana. In der großen Arkana findet man Karten wie »Die Welt«, »Die Liebenden«, den »Tod« oder den »Mond«, die sich aus den Trümpfen entwickelten. Und da die Farbkarten in die kleine Arkana mündeten, bestehen diese 56 Karten aus vier Reihen in den »Farben« Schwerter, Kelche, Stäbe und Münzen, ähnlich wie Asse oder Kreuz in einem regulären Spiel.

Wie legt man eigentlich Karten?

Wer das Tarot nutzt, um in die Zukunft zu blicken, hat meistens ein System, das sich über die Jahre bewährt hat. Das keltische Kreuz mit zehn Karten beantwortet komplizierte Fragen, die in einem größeren Zusammenhang gesehen werden müssen; es gibt das schlichte Dreiersystem, bei dem Karten für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgedeckt werden. Muss es einmal schnell gehen, gibt die Tageskarte einen Hinweis auf die unmittelbare Zukunft. Bei allen Legesystemen gilt: Erlaubt ist, was gefällt.

Und sagen die Karten jetzt die Zukunft voraus oder nicht?

Heutzutage werden Tarotkarten nicht allen zur Divination, also der Voraussage der Zukunft, benutzt, sondern vor allem um Erkenntnisse über sich selbst zu sammeln. Die Archetypen auf den Trumpfkarten, aber vor allem die universelle Symbolkraft auf den Bildern führt beim Betrachter zu Assoziationen, die der Selbsterkenntnis auf die Sprünge helfen. Es gibt keine Deutungshoheit beim Betrachten der Tarotkarten – richtig ist, was der Fragende selbst sieht.

Sollte Ihnen also eine Wahrsagerin einen geheimnisvollen dunklen Fremden ankündigen oder zur Vorsicht bei Geldgeschäften raten, akzeptieren Sie die Aussagen, die Ihnen gefallen – und gestalten Ihr Schicksal selbst. Auch wenn es (manchmal) schade ist, echte Zauberei gibt es nur in Büchern.

Von unserer Autorin Natalie Winter

Fauler Zauber oder doch echte Magie?

Ein kurzer Einblick in die Geschichte der Tarotkarten

Es gibt Menschen, die unter keinen Umständen einen Blick in die eigene Zukunft werfen wollen. Meine Protagonistin Julie Mireau aus der »Hexe von Maine« ist so ein Mensch. Weder Teeblätter noch die Kristallkugel oder Runen sind für sie probate Mittel, ihre Probleme zu lösen, weder zukünftige noch aktuelle. Leider hält das Schicksal in dieser (und anderer) Beziehung die eine oder andere Überraschung bereit, und sie muss lernen, mit ihrem Erbe als Nachfahrin einer Hexenfamilie zu leben. Dabei spielen Tarotkarten eine wichtige Rolle.

Eine kurze Geschichte des Tarots

Das Tarot mit seinen 78 Karten, wie wir es heute kennen, entstand bereits vor vielen Jahrhunderten als reines Kartenspiel. Das »Tarocchi« oder auch »Taraux«, wie es genannt wurde, umfasste 60 Karten und wurde in ganz Europa begeistert gespielt. Als gesichert gilt die Existenz des Trionfi, wie es damals genannt wurde, das im 15. Jahrhundert entworfen und gefertigt

wurde und damals sagenhafte 1500 Dukaten kostete. Das entspricht in etwa 100.000 €, die der Käufer heute auf den Tisch legen müsste. Viele der aktuellen Motive waren in den historischen Karten bereits angelegt, und auch wenn die Karten erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts zum Wahrsagen genutzt werden, ähneln sich die Bilder sehr. Das Marseiller Tarot des Künstlers Nicolas Conver ist komplett erhalten und wird als eines der ältesten Wahrsage-Tarots immer wieder neu aufgelegt.

Ein sagenumwobenes Spiel

Wie alle magischen Hilfsmittel ranken sich auch um die Entstehung der Tarotkarten allerlei Gerüchte. Manche positionieren ihre Entstehung im alten Ägypten, wo sie erschaffen wurden, um geheime Kenntnisse vor dem Untergang zu bewahren. Überhaupt spielt der Gedanke des geheimen Wissens, das sich nur einem Kreis Eingeweihter erschließt, bei den Entstehungsmythen eine große Rolle. Ausgehend von der Anzahl der Karten, die bei 78 liegt, und die Unterteilung in die 22 Trümpfe der großen Arkana und die 56 der Farbkarten, existiert noch ein weiterer Mythos: Tarot und Kabbala, eine jüdische Mysterienlehre, sind miteinander verbunden. Dieser Glaube beruht auf der Tatsache, dass das hebräische Alphabet 22 Buchstaben hat und der kabbalistische Lebensbaum 22 Wege zur Weisheit. Ob Roma und Sinti, ob Freimaurer oder altgriechische Mathematiker, auf irgendeine Weise kann alles und jeder mit dem Tarot in Verbindung gebracht werden.

Vom Kartenspiel zum Instrument der Wahrsagekunst

Ab 1750 wendete sich das Blatt, und aus dem unterhaltsamen Spiel wurde ein Mittel, um wahlweise in die Zukunft zu schauen oder an Selbsterkenntnis zu gewinnen. Der »Hermetic Order of the Golden Dawn« entdeckten die Karten als Instrument zur Erkundung der eigenen Befindlichkeit, und auch wenn der Orden die Karten nicht Divinationsinstrument ansah, so war der erste Schritt getan. Mit dem Auftritt Aleister Crowleys auf der Bühne des Okkultimus erlangten die Karten die Bedeutsamkeit, die wir ihnen heute noch zugestehen. Crowley, der zwei Jahre lang Mitglied im oben erwähnten Orden war, gab der Künstlerin Frieda Harris den Auftrag zur Illustration des Decks, das bis heute als Thoth Tarot bekannt und beliebt ist. Auch ein anderes berühmtes Tarot wurde übrigens von einer Künstlerin erschaffen und bis heute benutzt. Es ist das Rider Waite Tarot, das ebenso wenig den Namen seiner Schöpferin trägt wie es beim Crowley Tarot der Fall ist.

Aber dazu im nächsten Teil des Artikels zum Thema Tarot ein wenig mehr.

Von unserer Autorin Natalie Winter

“Der Tote im Whiskey-Fass” – Fragen an die Verlegerin

In den letzten Wochen konntet ihr an dieser Stelle bereits einiges erfahren und ich hoffe, dass ich euch mit den vorangegangenen Beiträgen neugierig gemacht habe. Mit dem gestrigen Erscheinen des Buches fand das Whiskey-Special auf diesem Blog seinen vorläufigen Höhepunkt.

Heute erwartet euch hier das letzte Whiskey-Interview. Dieses Mal antwortet die Verlegerin des Dryas-Verlags selbst.

Das Kamingespräch über Whiskey mit Sandra Thoms

1. Sandra, warum ausgerechnet Whiskey?

Weil Geruch und Geschmack so wunderbar an Schottland und Irland erinnern. Und weil man nach dem Trinken warme Füße bekommt.

2. Dein Lieblingswhiskey?

Derzeit mein 16 Jahre alter Clynelish Single Malt.

3. Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whiskey?

Zum Burns Supper natürlich oder zu einem besonders guten Buch.

4. Hast du vielleicht eine kleine Anekdote, was dich mit Whiskey verbindet?

Eine meiner ersten Reisen nach meinem 18. Geburtstag war eine Backpackertour durch Schottland und Irland. Und da ich ja damals eben gerade volljährig war, kam ich auf die Idee, eine Tour durch eine Destille mitzumachen. Whiskey wusste ich damals zwar noch nicht zu schätzen, aber der Produktionsprozess hat mich fasziniert – die viele Arbeit und die Zeit, die in die Herstellung eines Getränks gesteckt wird. Whiskey ist seither für mich ganz untrennbar mit zwei meiner Lieblingsreiseländer, Schottland und Irland, verbunden.

Das Buch, welches ihr passend zu den Interviews näher kennenlernen solltet

Wie ihr in den letzten Beiträgen erfahren habt, geht es um das gerade erschienene Buch „Der Tote im Whiskey-Fass“ von Ivy A. Paul. Es handelt sich um einen Cosy-Crime-Krimi, der aber – trotz aller Gemütlichkeit – spannend ist. Seht selbst:
„Als junger Mann verließ John Fallon Irland und kehrte nie wieder dorthin zurück. Nach seinem Tod reist seine Tochter Loreena auf die grüne Insel, um nach ihren Verwandten zu suchen. Kurz nachdem sie in dem Örtchen Badger’s Burrow angekommen ist, wird bei einer Veranstaltung eine Leiche in einem Whiskey-Fass entdeckt.

Wie sich herausstellt, trug der Tote eine Visitenkarte ihres Vaters bei sich. Loreena ist alarmiert. Wie sollte ihr verstorbener Vater etwas mit dem Tod dieses Mannes zu tun haben können? Sie forscht nach und stößt dabei auf ein Netz aus Intrigen und Geheimnissen.“

„Der Tote im Whiskey-Fass“ – Ladies-Night des Whiskeys

Weiter geht es mit unserer gemütlichen Kaminrunde, heute ergreifen die Ladies das Wort. Wir sprechen mit Katharina M. Mylius, Ivy A. Paul, Gitta Edelmann, Katja Wündrich und Rebecca Michéle.

 

1.  Katharina M. Mylius eröffnet die Ladies-Night des Whiskeys

 

Katharina, warum ausgerechnet Whiskey?

Weil er einen einfachen Tropfen Wasser zum Helden macht.

 

Dein Lieblingswhiskey?

Redbreast 21

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whiskey?

Besonders zur kalten Jahreszeit

 

Hast du vielleicht eine kleine Anekdote, was dich mit Whiskey verbindet?

Da mein Mann Ire ist, hat bei uns zu Hause besonders der irische Whiskey einen hohen Stellenwert. „Uisce beatha“, übersetzt „Wasser des Lebens“, wie Whiskey in Irland genannt wird, wird vor allem in der Erkältungszeit getrunken. Getreu dem irischen Sprichwort „Was Butter (bevorzugt Kerrygold) und Whiskey nicht heilen, das kann man nicht heilen“ wird dann ein sogenannter „Hot Toddy“ gemischt. Das ist ein Heißgetränk bestehend aus Whiskey, Wasser, Honig, etwas Zitrone und Nelken. Nach dem Genuss des irischen Zaubertranks lässt es sich selig schlafen und am nächsten Tag ist die Erkältung meist vergessen. Und falls nicht, hat man einen triftigen Grund, den guten irischen Tropfen erneut aus dem Schrank zu holen …

 

2.  Ivy A. Paul kommt hinzu

Ivy, warum ausgerechnet Whiskey?

Weil jeder Schluck nach Irland und Freiheit und Melancholie und Sehnsucht schmeckt …

 

Dein Lieblingswhiskey?

Also ein Ire? Dann ist’s natürlich Tullamore Dew, hab noch nie einen getrunken, der nicht gut schmeckte 😉

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whiskey?

Am liebsten nach einem erfolgreichen Arbeitstag, ganz allein für mich. Nur ich, der Whiskey und ein guter Film.

 

Hast du vielleicht eine kleine Anekdote, was dich mit Whiskey verbindet?

Meine Leidenschaft für Whiskey ließ mich gerade in den ersten Jahren vergessen, dass der irische Name „uisce beatha“ = „Wasser des Lebens“ nichts daran ändert, dass es Alkohol ist. Und so habe ich für den 4. Geburtstag meines Ältesten einen Whiskey-Schokoladenkuchen gebacken.

Das wäre grundsätzlich nicht so dramatisch gewesen, wenn es sich bei der Hälfte der Gäste nicht um gleichaltrige Kinder gehandelt hätte und in dem Kuchen rund 1/4 l Whiskey verbacken worden wäre.

Der Kuchen schmeckte super, wirklich. Nur eben sehr stark nach Whiskey.

Nie in meinem Leben habe ich mich mehr geschämt für meine Liebe zum Whiskey als an diesem Nachmittag.

 

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann3.  Gitta Edelmann tritt hinzu

Gitta, warum ausgerechnet Whiskey?

Ganz einfach, er schmeckt mir. Whiskey, genauer gesagt Single Malt, ist das einzige „harte“ Getränk, das ich mag.

 

Dein Lieblingswhiskey?

Laphroaig

 

Dazu gibt es eine kleine Geschichte. Anfang der 80er Jahre reiste ich mit meiner Freundin durch Schottland und wir kamen recht bald an die Nordwestküste. Dort wollten wir erstmals richtig schottischen Single Malt Whiskey probieren, von dem wir bis dahin nur gelesen hatten. In dem kleinen Örtchen Laide, wo wir unser Zelt aufgeschlagen hatten, gab es außer dem Campingplatz und ein paar Häusern nur einen Mini-Shop mit Post Office und einer Zapfsäule, also fuhren wir hinüber nach Aultbea in den Pub des Aultbea Hotels.

Dort bestellten wir mutig: „Two single malt whiskeys, please.“

Der ältere Mann hinter der Bar beäugte uns amüsiert, lehnte sich dann zu uns, zwinkerte und fragte: „You want a good one?“

Wir nickten natürlich eifrig und er schenkte uns ein: Laphroaig. Vielleicht hatte er gedacht, das intensive, torfig-rauchige Aroma würde uns abschrecken, vielleicht aber wollte er uns auch gleich richtig auf den Geschmack bringen. Letzteres ist ihm gelungen.

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whiskey?

Fangen wir damit an, wann ich keinen trinke: im Sommer, wenn es heiß ist. Ansonsten? Ich liebe ein „wee dram“, wenn ich ein wenig feiere, z. B. wenn ich ein Manuskript abgeschlossen habe. Oder wenn es sonst wie gerade passt – ich weiß, das ist jetzt ein wenig schwammig, aber subjektive Stimmungen lassen sich nicht immer erklären. Natürlich auch, wenn ich mit jemandem zusammensitze, der/die meinen Hang zum schottischen Lebenswasser teilt. Oder gleich mit einer ganzen Gruppe „Mörderischer Schwestern“ ;-).

 

4.  Katja Wündrich trinkt auch gerne Whiskey

Katja, warum ausgerechnet Whiskey?

Weil es ein Getränk ist, über das sich wunderbar fabulieren lässt. Jede Abfüllung ist anders, jeder Dram erzählt eine andere Geschichte.

 

Dein Lieblingswhiskey?

Schwer zu sagen. Ich liebe die unverdünnten “cask strength” Whiskeys, am liebsten die von der Insel Islay.

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whiskey?

Auf Berggipfeln, im Pub und natürlich Freitagabend am heimischen Feuer.

 

5.  Rebecca Michéle vervollständigt die Runde

Rebecca, warum ausgerechnet Whiskey?

Whiskey ist nicht nur einfach ein Getränk, Whiskey zu trinken ist eine Lebenseinstellung. Aqua vita – Wasser des Lebens; bereits die Römer wussten den köstlichen Gerstensaft zu schätzen. Beim Duft nach Torf und Rauch, der aus dem Glas aufsteigt, und wenn die goldgelbe bis goldbraune Flüssigkeit sich langsam auf der Zunge verteilt, dann rieche und schmecke ich die Wildheit der Highlands und die Weite des Meeres. Whiskey genieße ich in kleinen Schlucken und träume mich beim Trinken nach Schottland.

 

Dein Lieblingswhiskey?

Edradour

12 Jahre alt (aus Pitlochry)

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whiskey?

Wenn an eisigkalten Winterabenden das Kaminfeuer knistert, genieße ich gern einen guten Whiskey, oder auch, um bei einer besonderen Gelegenheit anzustoßen. Im Winter trinke ich eher Whiskey als im Sommer, denn ich mixe diesen niemals mit einem anderen Getränk, sondern genieße ihn pur. Wir haben immer so um die 10 bis 12 verschiedene Sorten in der Bar vorrätig.

 

Hast du vielleicht eine kleine Anekdote, was dich mit Whiskey verbindet?

Bei meinem letzten Aufenthalt in Edinburgh besuchten wir ein Restaurant, in dem alle Gerichte mit Whiskey zubereitet werden, über 200 Single Malt im Angebot sind und damit geworben wird, dass das Angebot alle (!) Whiskeys aus Schottland umfasst. Als ich mir Edradour bestellte (siehe oben), kannte der Barkeeper diese Marke allerdings nicht. Er holte seinen Chef, der ganz verlegen wurde und meinte, er kenne Edradour zwar, sie hätten ihn aber nicht im Angebot.

Ich bestellte dann meinen zweitliebsten Whiskey: Glen Elgin.

Erneutes bedauerndes Kopfschütteln – auch nicht im Angebot. Anmerkung: Edradour sowie Glen Elgin zählen zu den feinsten Whiskeys Schottlands.

Schließlich entschieden mein Mann und ich uns für einen Aberlour und der Chef meinte: „Die gehen aufs Haus und wir werden unseren Slogan überdenken müssen.“

 

Das in Schottland Whiskey in allen Lebenslagen Verwendung findet, zeigt das Foto (rechts) – aufgenommen in eben diesem Restaurant in Edinburgh.

 

6.  Wie es nächste Woche weitergeht

Nächste Woche wird Sandra Thoms an dieser Stelle über ihre Lieblingswhiskeys Auskunft geben. Denn die Verlegerin trinkt auch gerne mal den ein oder anderen Whiskey – bei passender Gelegenheit.

„Der Tote im Whiskey-Fass“ – Autoren sprechen über Whiskey

In den letzten Beiträgen habe ich euch in die Whiskey-Welt einzuführen versucht. Unsere Autoren jedoch sind schon längst in besagter Welt angekommen.

Mit jedem Einzelnen habe ich kürzlich über ihre Lieblingssorten gesprochen und so vielschichtige Gespräche miterleben dürfen. Euch möchte ich heute daran teilhaben lassen. So mancher präsentiert dabei nicht nur seinen individuellen Geschmack, sondern gibt auch noch die ein oder andere Anekdote zum Besten.

1.  Rob Reef eröffnet die Runde

Rob, warum ausgerechnet Whisky?

 

Ja warum eigentlich? Das Whiskytrinken überlasse ich in der Regel meinen Protagonisten! Ich trinke eher um den Whisky herum. Mal einen Single Malt, wenn er mir angeboten wird, aber ich reiße mich nicht darum.

 

Dein Lieblingswhisky?

 

Mein Lieblingswhisky ist Teil eines Whiskycocktails: dem Brooklyn.

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whisky?

 

Mal in einer Bar mit Freunden, lieber in einem Pub nach einer Wanderung durch die Highlands. Aber am liebsten schaue ich anderen dabei zu und bestelle mir ein Pint Lager.

 

2.  Robert C. Marley ergänzt die Runde

Robert, warum ausgerechnet Whisky?

 

Weil mich Whisky – abgesehen vom eigentlichen Genuss – immer an drei wunderbare Tugenden der Schotten erinnert: Hingabe, Geduld und ihren großen Vertrauensvorschuss Fremden gegenüber.

 

 Dein Lieblingswhisky?

 

Mit Whisky ist es bei mir wie mit chinesischem Essen – lange Zeit dachte ich, das sei einfach nichts für mich. Heute weiß ich beides zu schätzen. Aber ich trinke ihn einfach zu selten, um einen Lieblingswhisky zu haben.

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whisky?

Immer nur dann, wenn mir jemand, der sich wirklich damit auskennt, einen speziellen Whisky empfiehlt. Aber dann genieße ich ihn auch.

 

Hast du vielleicht eine kleine Anekdote, was dich mit Whisky verbindet?

 

Oh, viele. Und die meisten haben mit dem oben erwähnten Vertrauensvorschuss zu tun. Ich will mal eine erzählen:

Ende der 90er Jahre waren meine Frau und ich in Großbritannien unterwegs, um in einem ungeklärten Kriminalfall zu recherchieren, fanden das Herrenhaus aber nicht, in dem sich das Verbrechen 1910 ereignet hatte. Während wir auf einem Feldweg standen und auf der Motorhaube unsere Karte studierten (denn Navis gab es damals noch nicht), sprach uns ein älteres Ehepaar an. Sie fragten uns, ob wir uns verfahren hätten und ob sie helfen könnten. Wie sich herausstellte, bewohnten sie genau das Haus, das wir gesucht hatten. Und obwohl man erst einen Monat zuvor bei ihnen eingebrochen hatte, luden sie uns – zwei wildfremde Touristen – nicht nur zu einem Rundgang durch ihr Anwesen, sondern auch zu Tee und später sehr altem Whisky ein. Ein unglaubliches Erlebnis!

 

3.  Die Herrenrunde wird um eine Dame (Mara Laue) erweitert

Mara, warum ausgerechnet Whisky?

Weil Whisky (natürlich nur Single Malt!) ein Göttergetränk und als solches absolut konkurrenzlos ist. Er schmeckt einfach wahnsinnig guuuuut!

 

Dein Lieblingswhisky?

Talisker, 18-jährig, in Amorosofässern gefinisht. Göttlich, köstlich, wunderbar!

 

Zu welchen Gelegenheiten trinkst du Whisky?

Zum Geburtstag, zu Weihnachten, bei jedem neuen Vertragsabschluss und nach jeder Buchneuerscheinung. Macht alles in allem ungefähr 1 Gläschen pro Monat.

 

Hast du vielleicht eine kleine Anekdote, was dich mit Whisky verbindet?

Als ich das erste Mal Schottland besuchte, im Jahr 1987, besichtigte ich auch Cawdor Castle bei Inverness, das Schloss, das in „Macbeth“ eine Rolle spielt (da, wo die Hexen im Wald orakeln). Über einem Türsturz hing ein Langbogen aus Eibenholz. Da ich ein sehr begeisterungsfähiger Mensch bin, machte ich aus meiner Bewunderung für das wirklich herrliche Stück keinen Hehl. Das hörte der Touristen-Guide, der gerade eine Führung beendet hatte. Er gesellte sich zu mir, wir fachsimpelten über Bogenbau und Bogenschießkunst und er lud mich zu einer Tasse Tee ein. Dabei kam das Gespräch auch auf Whisky. Als er erfuhr, dass ich noch nie einen Single Malt getrunken hatte, kredenzte er mir einen. Ich weiß nicht mehr, welcher es war, aber der Geschmack war so wundervoll, dass ich seitdem ein Single-Malt-Fan bin. Die nette Unterhaltung mit dem Guide endete, als er die nächste Führung einer Touristengruppe absolvieren musste. Erst in dem Moment, als er sich ihnen vorstellte, habe ich erfahren, dass der Mann kein einfacher Guide war, sondern der Hausherr persönlich, der Earl of Cawdor, mit dem ich eben mal so Tee und Whisky getrunken und geplauscht hatte. Man kann also sagen, dass der Earl of Cawdor schuld ist an meiner Whiskybegeisterung.

 

4.  Wie es nächste Woche weitergeht

In der nächsten Woche erwarten euch an dieser Stelle noch weitere spannende Autoren und ihre Lieblingswhiskeys.

“Der Tote im Whiskey-Fass” – Über die Geschichte und Herstellung des Whiskeys

Schon in meinem letzten Beitrag sprach ich über den Streit, wer eigentlich den Whisk(e)y erfunden hat. Doch wie es zu dieser Auseinandersetzung kam und welche historischen Aspekte es sonst noch über den Whisk(e)y zu berichten gibt, das erfahrt ihr heute hier.

 

Ein Streit erregt die Gemüter

 

Die besagte Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Whisk(e)y-Nationen Schottland und Irland dreht sich hauptsächlich darum, in welchem der beiden Länder der Whisk(e)y erstmals urkundlich erwähnt wurde. In Schottland gibt es ein Schriftstück aus dem Jahr 1494, in dem ein Mönch mit Namen John Cor beauftragt wird, acht Fässer „Wasser des Lebens“ herzustellen. Hierbei handelte es sich um ein Malz-Destillat. In Irland gibt es aus besagter Zeit keine Nachweise mehr. Die Rezeptur zur Herstellung von Whiskey und das Wissen um die Gewinnung von Alkohol wurde ab dem 11. Jahrhundert durch Reisende (vermutlich Mönche) weitergetragen, somit könnte man davon ausgehen, dass die Iren trotz fehlender Urkunden die Entdecker oder Erfinder des Whisk(e)ys waren. Ihre Kontakte nach Rom, von wo aus die Mönche gekommen sein sollen, waren nämlich enger als das Netzwerk zwischen der Kirche und Schottland. Auch heute noch gilt Irland als katholisches Land, wohingegen Schottland eher der Church of Scotland zugehörig ist.

 

Vom Getreidewein zum Whiskey

 

Die Whiskey-Tradition beruht vor allem darauf, dass es in den nördlicheren Regionen Europas keine Trauben gab und somit kein Wein hergestellt werden konnte. Also stellte man Getreidewein her, der „Liquid bread“ bezeichnet wurde, eine frühe Form des heutigen Bieres. Später wurde dieses dann als Ausgangsmaterial für Whiskey verwendet. Das Wissen um die Technik des Destillierens dürfte dann über die schottischen Lowlands weitergetragen worden sein. Hier hatten viele irische Familien Verwandtschaft.

 

Moderne Verfahren für besseren Geschmack

 

Da man jedoch die modernen Techniken, die heute bei der Whiskeyherstellung zum Einsatz kommen, nicht mit den damaligen vergleichen kann, dürfte der erste Whiskey nicht nur grauenhaft geschmeckt haben, er wird auch nicht ohne gesundheitliche Nebenwirkungen gewesen sein. Vermutlich wurde er mit Kräutern versetzt, die einen medizinischen Nutzen hatten.

Auch das Reifen in Fässern war damals noch unbekannt. Whiskey wurde direkt nach der Herstellung konsumiert. Für den Transport jedoch wurden bereits Fässer eingesetzt, was die Menschen im Laufe der Zeit womöglich auf die Vorteile des Reifens hinwies.

 

Ursprünge des Wortes

Das Wort „Whisk(e)y“ findet seinen Ursprung im Gälischen und bedeutet dort „Wasser des Lebens“.

 

Der Durchbruch des Whisk(e)ys

 

Dass sich die Herstellung des Whisk(e)ys immer weiterentwickelte, ist selbstredend. Wirklich bekannt und weltweit getrunken wurde er jedoch erst zwischen 1850 und 1880, als es das Weinangebot knapp war. Die französischen Reben waren einer Reblausplage zum Opfer gefallen.

Heutzutage gibt es neben den klassischen oder traditionellen Whisk(e)y-Destillerien weltweit Hersteller.

“Der Tote im Whiskey-Fass” – Welche Whiskey-Typen gibt es?

Neulich auf Facebook stellte sich die Frage: Was mögt ihr eigentlich lieber, Whiskey, Bier oder Wein? Diese Frage dürft ihr natürlich weiterhin gerne beantworten.

Heute jedoch möchte ich auf einen anderen Themenbezug im Bereich Whiskey zu sprechen kommen. Worum es geht, sind die einzelnen Whiskey-Typen. Die Antworten einzelner Autoren beinhalteten ja schon Fachbegriffe wie „Malt“ oder „Single Malt“. Darüber hinaus gibt es auch noch Scotch, Irish, Blend, Bourbon und Rye. Doch was ist ein Scotch, ein Irish, ein Single Malt oder auch ein Blend?

“Scotch” und “Irish”

Der „Scotch“ oder auch der „Irish“ dürften euch inzwischen bekannt sein: Ich habe sie euch bereits beim letzten Mal erklärt, als ich auf die unterschiedlichen Schreibweisen des Whiskeys zu sprechen kam. Bei diesen beiden Arten handelt es sich einfach nur um die unterschiedlichen Herkunftsländer. Geschmacklich sind die Wiskeys natürlich verschieden, aber darauf möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Vielmehr möchte ich euch erklären, was ein sogenannter „Single Malt“ ist und was ein „Blend“.

Der „Blend“

Der „Blend“ ist ein gemischter Whiskey, der sich sowohl in der Sorte als auch in der Brennerei unterscheidet. Nun mag der eine oder andere von euch denken, dass man den Unterschied nicht schmeckt, aber man schmeckt ihn durchaus. „Blended Whiskey“ erhält seinen Charakter durch verschiedene Anteile der Whiskeys aus unterschiedlichen Brennereien, da jede Brennerei aufgrund ihrer Herstellungsweise ein anderes Aroma produziert. Bei den bekannten Sorten ist das Verhältnis immer gleich, damit sich der jeweils individuelle Geschmack nicht verändert. Um die Masse der „Blends“ zu produzieren, gibt es „Malt Whiskey“-Brennereien, die ausschließlich für die „Blended Whiskey“-Industrie brennen und infolgedessen keine „Single Malts“ abfüllen.

Der „Single Malt“

Der „Single Malt“ hingegen ist ein wenig „ordentlicher“ gemischt. Er enthält lediglich die Sorten einer Brennerei. Somit ist es kein Verschnitt aus mehreren Whiskey-Sorten. Als Getreide wird vor allen Dingen Malz eingesetzt. Die Auszeichnung, ein „Single Malt“ zu sein, ist dabei ein Prädikat. Diese Whiskeys reifen durch längere Lagerzeiten und haben dadurch einen intensiveren Geschmack.

Der Whiskey im Roman

Diese Unterscheidungen spielen im Roman „Der Tote im Whiskey-Fass“ von Ivy A. Paul natürlich eine untergeordnete Rolle. Dennoch ist es für euch sinnvoll, diese Kenntnisse zu haben, denn sie steigern den Genuss des Buches, womöglich bei einem guten Whiskey.

“Der Tote im Whiskey-Fass” – Was ist eigentlich Whiskey? (1)

Bier, Wein, Whiskey, Vodka oder etwas ganz anderes?

Alles eine Frage des Typs. Vermutlich habt ihr euch noch nie diese Frage gestellt, aber wenn ihr wirklich ehrlich seid, so werdet ihr feststellen, dass ihr intuitiv eines der Getränke bevorzugt, und mit großer Sicherheit bevorzugt jeder von euch ein anderes. Die Frage nach dem Getränk ist dabei eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Gerne würde ich euch an dieser Stelle zu einem Tasting der einzelnen Spirituosen einladen. Allerdings treffen wir uns an dieser Stelle nur auf einem virtuellen Parkett. Somit besteht keine realistische Chance, euch diese Getränke tatsächlich schmackhaft zu machen.

Da demnächst „Der Tote im Whiskey-Fass“ erscheint, möchte ich euch ein wenig hinter die Kulissen eines Whiskey-Tastings führen.

Doch zunächst möchte ich euch durch die Sorten des Whiskeys führen, „den“ Whiskey gibt es nicht.

Single Malt, Bourbon und Irish Whiskey – Die Qual der Wahl

Traditionellerweise kommen Whiskeys aus Irland und Schottland. Wer den Whiskey nun genau „erfunden“ hat, weiß man nicht. Genau genommen ranken sich darum einige Mythen. Auch aus den USA kommen mittlerweile eben die besagten Bourbon Whiskeys. Darüber hinaus wurde das Whiskey-Rezept auch durch die Briten nach Indien gebracht, schließlich galt Indien über viele Jahre hinweg als britische Kolonie. Heute gilt Indien hingegen als größter Whisky-Erzeuger.

Wer jetzt hier genauer mitgelesen hat, wird sich vielleicht über die verschiedenen Schreibweisen gewundert haben. Tatsächlich schreibt man Whiskey in Irland und den USA mit dem besagten „e“ und in allen anderen Ländern ohne das „e“. Was verrät uns das also über „Den Toten im Whiskey-Fass“?

Richtig, vermutlich spielt die Geschichte in Irland, und vermutlich dreht es sich um einen Toten in einer Destillerie, denn wer kauft sich schon ein ganzes Fass? Obwohl, es wäre vermutlich eine profitable Angelegenheit, da der Whiskey ja mit zunehmendem Alter immer edler wird und im Fass reift.

Ich bin mir sicher, dass ihr Mädels mit dem neuen Krimi von Ivy A. Paul eure helle Freude haben werdet, für eure Partner gibt es auch noch die „Whiskey-Trails“, um sich auf die Spuren des Whiskeys zu begeben. Ich wünsche guten Genuss.

10 Jahre Dryas – Jeder fängt mal klein an

Happy Birthday, Dryas!

Der Dryas Verlag wird 10!

10 Jahre Dryas – wir blicken zurück

Mittlerweile sind wir schon 10 Jahre alt und tatsächlich haben wir auch mal klein angefangen, kleiner als jetzt. Bei unserer Gründung hatten wir noch nicht einmal eine Auslieferung und das war nicht ganz unproblematisch, wie sich Sandra Thoms erinnert.

10 Jahre Dryas – Auch wir haben mal klein angefangen

“Das erste Büro des Verlags war in einem historischen Gebäude in der Innenstadt von Mannheim, genauer gesagt im Gründerinnenzentrum. Als ich das allererste Buch drucken lies, hatte ich noch keine Auslieferung und auch noch kein Lager, also musste ich mir die 2.000 Exemplare in das 20 qm große Büro im 2. Stock schicken lassen. Das komplette Büro war voller Bücher, es gab gerade noch einen schmalen Weg von der Tür zum Schreibtisch.
Am nächsten Tag kam ein Statiker der Stadt, die für das Gebäude verantwortlich war, vorbei und meinte: “Frau Thoms, wenn Sie nicht demnächst einen Stock tiefer sitzen wollen, weil die Decke durchgebrochen ist, müssen die Bücher leider wieder raus.” Und so kam ich damals zur ersten Verlagsauslieferung”, erzählte Sandra Thoms kürzlich und ich dachte: “Glück gehabt, dass der Fußboden des Büros gehalten hat und es nicht noch mehr Bücher waren.” Heute denke ich: “Auch gut, dass der Fußboden irgendwann wieder frei war und sich die Bücher so gut verkauft haben.”

Im Rückblick hat sich natürlich viel getan. Mittlerweile ist der Dryas Verlag nicht mehr in Mannheim und auch nicht mehr im Gründerinnenzentrum, sondern in Frankfurt angekommen. Ja, mittlerweile haben wir sogar eine Verlagsauslieferung und haben auch sonst Fuß gefasst. Inzwischen haben wir nicht nur ein Buch, sondern ein ganzes Programm, eine Backlist und einen festen Leser-Stamm. Wie sind stolz auf das, was wir erreicht haben und freuen uns bereits auf viele weitere Jahre mit euch, denn eines ist gewiss: Geschichten werden immer erzählt und ohne Geschichten wäre die Welt ein verdammt trauriger Ort. Unser Verlag lebt das Motto “Lieber barfuß als ohne Buch”.

Golf – Ein mörderisches Vergnügen

„Sie spielen nicht Golf, Mr Poirot?“, fragte Bex. „Ich? Niemals. Was für ein Zeitvertreib!“, antwortete der erregt. „Stellen Sie sich vor, jedes Loch hat eine andere Länge. Die Hindernisse sind nicht mathematisch angeordnet. Selbst die Grüns fallen regelmäßig nach einer Seite ab! Es gibt nur eine befriedigende Sache: die – wie werden sie doch gleich genannt? –, die Abschläge! Wenigstens die sind symmetrisch.“ (Agatha Christie: „The Murder on the Links“ (1923), Übersetzung: Reef.)

Tatsächlich betrachten wie Hercules Poirot wohl die meisten Menschen das Golfspiel als eine hochgradig irrationale Beschäftigung. Die Golfer selbst bilden hier keine Ausnahme. Allerdings haben sie zu ihrem Sport ein fast sakrales Verhältnis entwickelt, und spätestens, seitdem der Astronaut Alan Shepard 1971 zwei Golfschläge auf dem Mond vollführte, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass diesem Spiel etwas Transzendentes anhaftet.

golfonthemoonErste irdische Hinweise auf einen Zeitvertreib mit Ball und Schläger lassen sich um das Jahr 1200 ausmachen. Zu dieser Zeit begannen Menschen auf der ganzen Welt einen kleinen Ball mit einem dafür ungeeigneten Stock in ein viel zu kleines Loch zu schlagen. Die Grundidee des Golfspiels war geboren.

Die eigentliche Geschichte des modernen Golfsports beginnt allerdings unstrittig in Schottland. Dort entwickelte sich im 14. Jahrhundert eine Version des Spiels, welche sich in den Grundregeln bis heute kaum geändert hat. Die Schotten liebten diesen Sport so sehr, dass sich König James II. 1457 veranlasst sah, „ye golf“ zu verbieten. Stattdessen sollten sich seine Untertanen im Bogenschießen üben. Die Wiederholung dieses Bannspruches durch seine Nachfolger James III. (1471) und James IV. (1491) lässt jedoch die Vermutung zu, dass das Verbot nur wenig Beachtung gefunden hatte. Zudem wurde bald bekannt, dass James IV. selbst Golf spielte. Als 1502 England und Schottland Frieden schlossen, verbreitete sich das Spiel rasch in ganz Großbritannien.
Auf den Kontinent kam das „moderne“ Golf durch Maria Stuart. Die Königin von Schottland führte das Spiel in Frankreich ein. Man kann davon ausgehen, dass sie eine begeisterte Golferin war. Angeblich soll sie 1567 nur einen Tag nach der Ermordung ihres zweiten Gatten eine Runde in Musselburgh gespielt haben. Auf diesem Platz in der Nähe von Edinburgh kann man übrigens heute noch spielen – und man sollte es auch tun, denn das traditionsreichste Golfturnier der Welt, die „Open“, wurde hier zwischen 1874 und 1898 sechs Mal ausgetragen. Schon für 15 Euro lässt sich an Wochentagen auf dem Old Course Golfgeschichte atmen.

The_MacDonald_boys_playing_golf-18th_century_by-jeremiah-davison-839x1024Golf entwickelte sich schnell zu einem britischen Volkssport und ist selbst für die reserviertesten Untertanen Ihrer Majestät eine hochemotionale Angelegenheit. Fragen Sie einmal einen passionierten Insel-Golfer nach John Henrie und Pat Rogie, und er wird Ihnen – vielleicht mit Tränen in den Augen – erzählen, wie diese beiden Männer 1593 für ihren Sport in den Kerker gewandert sind. Tatsächlich saßen sie ein, weil man sie am Tage des Herrn zur Stunde des Gottesdienstes wiederholt beim Golfspielen erwischt hatte. P.G. Wodehouse widmete den besagten Rebellen die vielleicht humorvollste Sammlung von Golfgeschichten: „The Clicking of Cuthbert“ (1922). Das „kriminelle“ Verhalten dieser Herren zeigt auch einmal mehr, dass sich Golf und Verbrechen näherstehen, als man es gemeinhin vermuten würde. Es ist daher doch fast folgerichtig, dass dieser urbritische Volkssport eine lange und fruchtbare Liaison mit dem urbritischen Kriminalroman eingegangen ist. Deutsche Krimi-Fans mag das überraschen, was einfach daran liegt, dass nur sehr wenige dieser Golf-Krimis übersetzt worden sind. In den 1920er und 1930er Jahren waren sie besonders en vogue. Fast jeder berühmte und weniger berühmte Autor schrieb in dieser Zeit wenigstens einen Detektivroman, in dem diesem Spiel eine tragende Rolle zukommt. Zu nennen (weil auf Deutsch erschienen) sind hier zum Beispiel Ronald A. Knox’ „Der Mord am Viadukt“ (1925) und Rex Stouts „Die Lanzenstange“ (1934). Aber es gab auch Wiederholungstäter unter den Autoren. Herbert Adams etwa brachte es auf sieben Golf-Krimis und Agatha Christie schrieb immerhin vier Romane, in denen Golf eine gewichtige Rolle spielt. Die junge Agatha soll eine begeisterte Golferin gewesen sein und spielte regelmäßig in Churston und Torquay. Nach ihrer Scheidung von Archibald Christie soll sie den Sport allerdings aufgegeben haben. Bis heute hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der Grund dafür das niedrigere Handicap ihrer Rivalin gewesen sei, die Archie kurze Zeit nach der Trennung von Agatha heiratete.

TheClickingOfCuthbertWie dem auch sei, ihre Kenntnisse des Golfsports zeigen sich in Poirots zweitem Abenteuer „Mord auf dem Golfplatz“ (1923) ebenso wie in „Ein Schritt ins Leere“ (1934), „Kurz vor Mitternacht“ (1944) und dem siebten Marple-Krimi „16 Uhr 50 ab Paddington“ (1957). Der Golf-Krimi ist im angelsächsischen Raum bis heute ein blühendes Sub-Genre. In den Vereinigten Staaten werden ganze Serien mit golfenden Detektiven verlegt (etwa Roberta Isleibs „Cassandra Burdette Mysteries“ oder die „Lee Ofsted“-Serie von Charlotte und Aaron Elkins). Viele Autoren der Gegenwart haben sich wenigstens an einem Golf-Krimi versucht (z. B. Harlan Coban: „Back Spin“ (1997), Catherine Aird: „A Hole in One“ (2005), Ian Simpson: „Murder on the Second Tee“ (2014). Einen guten Überblick bietet die Seite http://librarybooklists.org/mybooklists/mysteriesgolf und Thomas F. Taylors „The Golf Murders“ (1997)). Auch die wohl berühmteste literarische Golfszene überhaupt entstammt der Feder eines britischen Kriminalromanautors. In „Goldfinger“ (1959) lässt Ian Fleming James Bond eine Runde mit dem gleichnamigen Erzschurken im fiktionalen Royal St Mark’s Club spielen. In der Kinoversion findet dieses grandiose Aufeinandertreffen, gespielt von Sean Connery und Gert Fröbe, übrigens auf dem Anwesen von Stoke Park (nahe Heathrow) statt. Auch auf diesem Platz lässt sich noch trefflich golfen. Das Atmen von Filmgeschichte hat allerdings seinen Preis. Im Sommer kann eine Runde dort bis zu 250 Euro kosten.

Zum Autor des Beitrags: Rob Reef wurde 1968 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Berater und Texter in einer Werbeagentur. Seit seiner Jugend liest und sammelt er alte Englische Detektivromane. Seine Leidenschaft für den Golfsport entdeckte er in Devon. Reef lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin. Auf sein Handicap angesprochen, antwortet er: „Golf.“

Sein Golf-Krimi “Stableford” ist 2015 im Goldfinch Verlag erschienen (http://www.dryas.de/britcrime/stableford)