Cornwall mit Rebecca Michéle

„Cornwall ist weit mehr, als nur Kulisse romantischer Romane und Fernsehfilme …“ – Rebecca Michéle

1989 besuchte ich zum ersten Mal den südwestlichen Zipfel der britischen Insel. Gleich am ersten Tag besichtigte ich das südlich von Bodmin gelegene Landschloss Lanhydrock House. Bei der Tour durch die 52, alle im viktorianischen Stil eingerichteten Räume, wurde die Idee für den Roman „Das Erbe der Lady Marian“ (Erstausgabe 1996) geboren – und damit der Einstieg in mein Leben als Autorin.
Lanhydrock aber nur eines von vielen historischen Häusern in Cornwall. Bei einer Reise durch Cornwall sollte man unbedingt besuchen: King Arthur’s Castle bei Tintagel, Cotehele House südöstlich von Collingford, St. Michael’s Mount bei Penzance und nicht zu vergessen: Prideaux Place in Padstow – dieses, sich im Privatbesitz befindende, Herrenhaus war bereits Drehort zahlreicher Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Es kann besichtigt werden, und manchmal trifft man sogar den heutigen Lord zeitungslesend im Salon an.

Von alten Landhäusern und Schlössern: Cornwalls Romantik

Solch alte Landhäuser und Schlösser inspirieren ungemein zu romantischen Liebesgeschichten. Kann man sich einen schöneren Heiratsantrag vorstellen, als bei Sonnenuntergang auf einer Klippe, das glasklare Meer unter einem und das melodische Kreischen der Möwen hoch über den Köpfen? Träumt nicht jede Frau davon, einem echten Prinzen – oder zumindest einen attraktiven Lord mit eigenem Schloss – zu begegnen? Nun, in Cornwall kann das durchaus geschehen.

Cornwalls Klippen und Sagen: Nicht nur für Touristen inspirierend…

In der ländlichen Beschaulichkeit Cornwalls gibt es noch heute ziemlich verschrobene Charaktere, unzählige Familiengeheimnisse und jede Menge Stoff für spannende Kriminalgeschichten. Die Mehrzahl der alten Häuser befinden sich seit Hunderten von Jahren im Besitz ein und derselben Familie, werden heute noch von dieser bewohnt – da sammelt sich so allerhand an, da wurde und wird so manches seit langer Zeit unter den Teppich gekehrt oder auf Dachböden versteckt, das irgendwann hervorbrechen und nicht selten mit einem Mord enden kann.
So wurde vor etwa zehn Jahren die Grundidee zu der Krimi-Reihe geboren. Cornwall und blutrünstige Thriller passen allerdings nicht zusammen, daher hauche ich der Reihe ein wenig britischen Humor ein, und die Figuren handeln und wirken sehr „britisch“.

Cornwall, so wird behauptet, sei mit seiner zerklüfteten Steilküste, den einsamen Buchten mit goldenem Sand, dem wild-romantischen Bodmin Moor und unzähligen immergrünen Flusstälern der schönste Landstrich Großbritanniens. Cornwall ist aber auch eine Gegend voller Legenden und den meisten „heiligen“ Ortsnamen (Saint) auf der britischen Insel. König Artus soll in Cornwall geboren sein, Riesen bauten sich Treppen und ganze Inseln, Gnome streifen durch das dichte Unterholz, Meerjungfrauen locken brave Bürger in ihr kühles Nass, und, Königen gleich, herrschten Schmuggler über die Küsten.
Zwölf ausgewählte Sagen erzähle ich mit meinen eigenen Worten in dem Buch „Sagen aus Cornwall“, das im Frühjahr 2018 im Dryas Verlag erscheint. Bereits jetzt ist ein der Tischkalender für 2018 „Sagenhaftes Cornwall“ mit zwölf wunderschönen Fotos und jeweils einen kurzen Abriss der dazugehörigen Sage erhältlich.

Über 430 Kilometer einer schroffen, bizarren, komplett begehbaren Klippenlandschaft, unzählige Strände mit weißen, feinen Sand, Höhlen und Kavernen – das bedeutet Einsamkeit und Romantik pur. Nicht minder interessant ist das Bodmin Moor mit seinen Erhebungen „Rough Tor“ und „Brown Willy“ (dem höchsten Berg Cornwalls) und den sagenumwobenen Steinformationen „The Hurlers“ und den „Cheesewring“.
Gartenliebhaber kommen in keiner anderen englischen Grafschaft Englands so sehr auf ihre Kosten wie in Cornwall. Bedingt durch den Golfstrom herrscht hier ein sehr ausgeglichenes Klima. Nicht selten, dass die Temperaturen an Weihnachten höher sind als im August (eigene Erfahrung!). Es gibt nur ganz selten Schnee oder Frost, darum präsentiert sich die Pflanzenwelt in einer Verschwendung und Üppigkeit, die man sonst in Europa nur im Mittelmeerraum findet. Jedes Herrenhaus verfügt auch über kunstvoll angelegte Gärten, zusätzlich sollte man folgende Gartenanlagen nicht missen: Lost Garden of Heligan, Trelissick Garden und Trengwainton Garden.

Wilde Romantik trifft Minenindustrie

Über die ganze Landschaft verstreut finden sich Zeugnisse der einst blühenden Minenindustrie. Seit der Bronzezeit wurde in Cornwall nach Kupfer und Zinn gegraben. Das Leben der Bergarbeiter war hart, die Menschen starben früh, der Zusammenhalt untereinander war aber immer sehr stark. In meinen Romanen „Das Flüstern der Wände“ und „Die verlorene Zeit“ (unter dem Pseudonym Michelle Ross) habe ich mich dem Thema Bergbau in vergangenen Zeiten angenommen.
Weitere Erwerbszweige waren der Fischfang, sowie Schmuggel und Wrackräuberei. Im 18. Jahrhundert rief die britische Regierung zum ersten Mal eine Art Küstenwache ins Leben. Für die Phantasie einer Autorin sind Schmuggler und Seeräuber natürlich viel ergiebiger als Fischer.
Heute sind die einstigen Fischerdörfer immer noch voller Leben. Allerdings sind es die Touristen, die sich durch die, zum Teil für den Autoverkehr gesperrten, engen, schmalen Gassen drängen. In den Dörfern Polperro, East Looe und Port Isaac scheint die Zeit stillgestanden zu sein, finden sich dort doch noch reihenweise Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Etwas größer, aber nicht minder faszinierend, stellt sich St Ives seinen Besuchern dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die kleine, verschachtelte Hafenstadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Rosamunde Pilcher wurde in dem Dorf Lelant bei St Ives geboren, einer ihrer Söhne betreibt in der Nähe eine Farm, und der Berliner Schriftsteller Heinz Ohff nannte bis zu seinem Tod ein Haus mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Bucht von St Ives sein Eigen!

In Cornwall finden sich zwei Besonderheiten Großbritanniens: Den südlichsten („Lizard Point“) und den westlichsten Punkt („Land’s End“) der Insel.

Cornwall ist aber nicht nur ein zentraler Punkt in meiner Arbeit als Autorin. Seit über zwanzig Jahren führe ich als Reiseleiterin auch Gäste durch den westlichsten Zipfel der britischen Insel. Für Volkshochschulen und Busunternehmen organisiere ich Reisen nach Cornwall, Vereinen und private Gruppen stehe ich beratend zur Seite und – wenn gewünscht – arbeitete ich mit Reiseunternehmen zusammen und leite diese Gruppen durch Cornwall. Diese Tätigkeit macht mir sehr viel Freude, denn es ist schön, etwas von meiner Begeisterung an andere weitergeben zu können.

 

Von unserer Autorin Rebecca Michéle

Wo Cornwall am inspirierendsten ist – Reisetipp von Autorin Rebecca Michéle

Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle)

Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle)

Das zauberhafte ehemalige Fischerdorf St Ives im Westen Cornwalls ist der beliebteste Ferienort in der Grafschaft. Drei Strände (Porthminster Beach, Porthmeor Beach, Porthgwidden Beach) mit kristallklarem Wasser und feinem, weißem Sand laden zum Baden ein, ein kurzes Stück weiter lockt die Carbis Bay mit einem kilometerlangen Sandstrand. Alle Strände sind mehrfach ausgezeichnet worden.

In St Ives findet der Besucher nicht nur Badevergnügen, schmale Gässchen mit jahrhundertealten Cottages und eine Vielzahl von Geschäften vor, sondern auch die sehenswerte Tate Gallery, ein „Ableger“ von der Tate in London. Die Galerie geht auf eine Künstlerkolonie zurück, die 1928 von den Londonern Ben Nicholson und Christopher Wood gegründet wurde und in die auch der lokale Maler Alfred Wallis eingeladen wurde, und bietet eine Vielzahl moderner Kunst. Der Eintritt ist kostenlos.

Die Tate St Ives leitet seit 1980 auch das Barbara Hepworth Museum in St Ives, das frühere Atelier der britischen Bildhauerin, das nach ihrem Tod zusammen mit ihrem Skulpturengarten zum Museum umgestaltet wurde.

Bucht St Ives (Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle))

Bucht St Ives (Blick über St Ives (Copyright: R. Michéle))

Nicht versäumen sollte man eine Wanderung an der Küste auf dem South West Path in Richtung Land’s End. Bereits nach wenigen Minuten lässt man den Trubel der Stadt hinter sich, es gibt nur noch den Wanderer, das Meer und die Seevögel. Ein Gefühl der absoluten Ruhe, des Friedens und der Freiheit.

Für geübte Wanderer bietet sich eine Tagestour in das kleine, romantische Dorf Zennor an. Die Strecke beträgt 11 Kilometer (ca. 4–5 Stunden) und bietet spektakuläre Ausblicke und bizarre, schroffe Klippenformationen. Der Weg ist manchmal eben, oft geht es aber auch steil bergauf und bergab. Eine gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollten gegeben sein. Ausreichend zu trinken und Sonnenschutz (Hut, Mütze) mitnehmen, da es keinen Schatten gibt.

Zwischen Zennor und St Ives verkehren in regelmäßigen Abständen Linienbusse (meist zweistöckig mit offenem Oberdeck). Es empfiehlt sich, zuerst mit dem Bus nach Zennor zu fahren und dann auf dem Küstenweg nach St Ives zu wandern. So ist man zeitlich flexibel und unabhängig.

Im Tourist Information Center (The Guildhall, Street-An-Pol) in St Ives finden sich zahlreiche Unterlagen über die Stadt, den Küstenpfad und auch über Rundwanderwege. Ebenso ist dort ein kostenloser Fahrplan aller Linienbusse erhältlich.


Michele_hell-683x1024Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit 15 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane und Krimis veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de

Golf – Ein mörderisches Vergnügen

„Sie spielen nicht Golf, Mr Poirot?“, fragte Bex. „Ich? Niemals. Was für ein Zeitvertreib!“, antwortete der erregt. „Stellen Sie sich vor, jedes Loch hat eine andere Länge. Die Hindernisse sind nicht mathematisch angeordnet. Selbst die Grüns fallen regelmäßig nach einer Seite ab! Es gibt nur eine befriedigende Sache: die – wie werden sie doch gleich genannt? –, die Abschläge! Wenigstens die sind symmetrisch.“ (Agatha Christie: „The Murder on the Links“ (1923), Übersetzung: Reef.)

Tatsächlich betrachten wie Hercules Poirot wohl die meisten Menschen das Golfspiel als eine hochgradig irrationale Beschäftigung. Die Golfer selbst bilden hier keine Ausnahme. Allerdings haben sie zu ihrem Sport ein fast sakrales Verhältnis entwickelt, und spätestens, seitdem der Astronaut Alan Shepard 1971 zwei Golfschläge auf dem Mond vollführte, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass diesem Spiel etwas Transzendentes anhaftet.

golfonthemoonErste irdische Hinweise auf einen Zeitvertreib mit Ball und Schläger lassen sich um das Jahr 1200 ausmachen. Zu dieser Zeit begannen Menschen auf der ganzen Welt einen kleinen Ball mit einem dafür ungeeigneten Stock in ein viel zu kleines Loch zu schlagen. Die Grundidee des Golfspiels war geboren.

Die eigentliche Geschichte des modernen Golfsports beginnt allerdings unstrittig in Schottland. Dort entwickelte sich im 14. Jahrhundert eine Version des Spiels, welche sich in den Grundregeln bis heute kaum geändert hat. Die Schotten liebten diesen Sport so sehr, dass sich König James II. 1457 veranlasst sah, „ye golf“ zu verbieten. Stattdessen sollten sich seine Untertanen im Bogenschießen üben. Die Wiederholung dieses Bannspruches durch seine Nachfolger James III. (1471) und James IV. (1491) lässt jedoch die Vermutung zu, dass das Verbot nur wenig Beachtung gefunden hatte. Zudem wurde bald bekannt, dass James IV. selbst Golf spielte. Als 1502 England und Schottland Frieden schlossen, verbreitete sich das Spiel rasch in ganz Großbritannien.
Auf den Kontinent kam das „moderne“ Golf durch Maria Stuart. Die Königin von Schottland führte das Spiel in Frankreich ein. Man kann davon ausgehen, dass sie eine begeisterte Golferin war. Angeblich soll sie 1567 nur einen Tag nach der Ermordung ihres zweiten Gatten eine Runde in Musselburgh gespielt haben. Auf diesem Platz in der Nähe von Edinburgh kann man übrigens heute noch spielen – und man sollte es auch tun, denn das traditionsreichste Golfturnier der Welt, die „Open“, wurde hier zwischen 1874 und 1898 sechs Mal ausgetragen. Schon für 15 Euro lässt sich an Wochentagen auf dem Old Course Golfgeschichte atmen.

The_MacDonald_boys_playing_golf-18th_century_by-jeremiah-davison-839x1024Golf entwickelte sich schnell zu einem britischen Volkssport und ist selbst für die reserviertesten Untertanen Ihrer Majestät eine hochemotionale Angelegenheit. Fragen Sie einmal einen passionierten Insel-Golfer nach John Henrie und Pat Rogie, und er wird Ihnen – vielleicht mit Tränen in den Augen – erzählen, wie diese beiden Männer 1593 für ihren Sport in den Kerker gewandert sind. Tatsächlich saßen sie ein, weil man sie am Tage des Herrn zur Stunde des Gottesdienstes wiederholt beim Golfspielen erwischt hatte. P.G. Wodehouse widmete den besagten Rebellen die vielleicht humorvollste Sammlung von Golfgeschichten: „The Clicking of Cuthbert“ (1922). Das „kriminelle“ Verhalten dieser Herren zeigt auch einmal mehr, dass sich Golf und Verbrechen näherstehen, als man es gemeinhin vermuten würde. Es ist daher doch fast folgerichtig, dass dieser urbritische Volkssport eine lange und fruchtbare Liaison mit dem urbritischen Kriminalroman eingegangen ist. Deutsche Krimi-Fans mag das überraschen, was einfach daran liegt, dass nur sehr wenige dieser Golf-Krimis übersetzt worden sind. In den 1920er und 1930er Jahren waren sie besonders en vogue. Fast jeder berühmte und weniger berühmte Autor schrieb in dieser Zeit wenigstens einen Detektivroman, in dem diesem Spiel eine tragende Rolle zukommt. Zu nennen (weil auf Deutsch erschienen) sind hier zum Beispiel Ronald A. Knox’ „Der Mord am Viadukt“ (1925) und Rex Stouts „Die Lanzenstange“ (1934). Aber es gab auch Wiederholungstäter unter den Autoren. Herbert Adams etwa brachte es auf sieben Golf-Krimis und Agatha Christie schrieb immerhin vier Romane, in denen Golf eine gewichtige Rolle spielt. Die junge Agatha soll eine begeisterte Golferin gewesen sein und spielte regelmäßig in Churston und Torquay. Nach ihrer Scheidung von Archibald Christie soll sie den Sport allerdings aufgegeben haben. Bis heute hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der Grund dafür das niedrigere Handicap ihrer Rivalin gewesen sei, die Archie kurze Zeit nach der Trennung von Agatha heiratete.

TheClickingOfCuthbertWie dem auch sei, ihre Kenntnisse des Golfsports zeigen sich in Poirots zweitem Abenteuer „Mord auf dem Golfplatz“ (1923) ebenso wie in „Ein Schritt ins Leere“ (1934), „Kurz vor Mitternacht“ (1944) und dem siebten Marple-Krimi „16 Uhr 50 ab Paddington“ (1957). Der Golf-Krimi ist im angelsächsischen Raum bis heute ein blühendes Sub-Genre. In den Vereinigten Staaten werden ganze Serien mit golfenden Detektiven verlegt (etwa Roberta Isleibs „Cassandra Burdette Mysteries“ oder die „Lee Ofsted“-Serie von Charlotte und Aaron Elkins). Viele Autoren der Gegenwart haben sich wenigstens an einem Golf-Krimi versucht (z. B. Harlan Coban: „Back Spin“ (1997), Catherine Aird: „A Hole in One“ (2005), Ian Simpson: „Murder on the Second Tee“ (2014). Einen guten Überblick bietet die Seite http://librarybooklists.org/mybooklists/mysteriesgolf und Thomas F. Taylors „The Golf Murders“ (1997)). Auch die wohl berühmteste literarische Golfszene überhaupt entstammt der Feder eines britischen Kriminalromanautors. In „Goldfinger“ (1959) lässt Ian Fleming James Bond eine Runde mit dem gleichnamigen Erzschurken im fiktionalen Royal St Mark’s Club spielen. In der Kinoversion findet dieses grandiose Aufeinandertreffen, gespielt von Sean Connery und Gert Fröbe, übrigens auf dem Anwesen von Stoke Park (nahe Heathrow) statt. Auch auf diesem Platz lässt sich noch trefflich golfen. Das Atmen von Filmgeschichte hat allerdings seinen Preis. Im Sommer kann eine Runde dort bis zu 250 Euro kosten.

Zum Autor des Beitrags: Rob Reef wurde 1968 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Berater und Texter in einer Werbeagentur. Seit seiner Jugend liest und sammelt er alte Englische Detektivromane. Seine Leidenschaft für den Golfsport entdeckte er in Devon. Reef lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin. Auf sein Handicap angesprochen, antwortet er: „Golf.“

Sein Golf-Krimi “Stableford” ist 2015 im Goldfinch Verlag erschienen (http://www.dryas.de/britcrime/stableford)

Cornwall entdecken mit Rebecca Michéle

St-Michaels-Mount

„Cornwall ist weit mehr, als nur Kulisse für bezaubernde Romane und schöne Fernsehfilme …“ (Rebecca Michéle)

Cornwall hat eine Jahrtausende zurückreichende bewegte Geschichte, so kommen Historienfans voll auf ihre Kosten. Neben Geschichte bedeutet Cornwall aber auch schroffe Klippen, tosende Brandung und Sandstrände. Ein Cornwallaufenthalt wäre unvollständig, wenn man sich nicht mindestens einmal einen ganzen Tag lang aufmacht, die wild-romantische Küste per Fuß zu erkunden. Rund um den gesamten Südwestzipfel Englands zieht sich der so genannte „South West Cost Path“, der allein in Cornwall eine Länge von 430 km hat. Die schönsten, aber auch schwierigsten, Streckenabschnitte liegen eindeutig an der Nordküste zwischen Bude und Newquay und rund um die Penwith Halbinsel (von St. Ives nach Penzance). Feste Wanderschuhe, eine Regenjacke (das Wetter in Cornwall kann sich innerhalb einer Stunde rapide ändern!) und etwas zum Essen und zum Trinken sind unablässig. Man sollte sich vorher eine Karte, die es in jedem „Tourist Information“ gibt besorgen und seine Kräfte nicht überschätzen.

Crown Mines Bottlack

Crown Mines Bottlack

Oft geht der Weg über Stock und Stein, fällt sehr steil zum Meer ab, um auf der anderen Seite wieder so steil hinaufzuführen, dass man durchaus auch mal auf allen Vieren kraxeln muss. Man wird aber mit wunderschönen romantischen Plätzen in kleinen Sandbuchten, die sonst nicht zugänglich sind, und mit fantastischen Ausblicken auf Kavernen und Grotten belohnt. Bei solchen Wanderungen stelle ich mir oft vor, wie es in vergangenen Zeiten war, als die Einwohner oft stundenlang über solche Wege zum nächsten Markt haben laufen müssen. Gehörte man nicht der Oberschicht an, so war das Leben in Cornwall beschwerlich, von Armut, Krankheiten und Hunger geprägt. Trotzdem waren die Einwohner immer sehr stolz und liebten ihren Landstrich. In all meinen Romanen sehnen sich meine Protagonisten nach Cornwall, wenn sie sich durch diverse Umstände gezwungen sehen, die Grafschaft verlassen zu müssen. Sitze ich zu Hause an meinem Computer und lasse meine Akteure an den Klippen spazieren gehen, so kann ich regelrecht das Rauschen der Brandung und das Kreischen der Möwen in meinen Ohren hören. Über Cornwall zu schreiben, bedeutet für mich auch, für diese Zeit im Geist dort zu sein.

Cornisches Cottage

Cornisches Cottage

Man findet abseits der Dörfer an der Küste meistens keine Anzeichen der Zivilisation des 21. Jahrhunderts, die Landschaft hat sich im Laufe der Hunderten von Jahren kaum verändert. Leicht fällt einem hier die Vorstellung, wie in vergangenen Zeiten Fischer, Seefahrer und auch Piraten angelegt heben. Nicht immer waren ihre Absichten ehrenhaft! Und wer weiß – wenn man aufmerksam ist, begegnet man vielleicht einem dieser verwegenen, attraktiven Gesellen –zumindest in der Phantasie. Mir passiert das regelmäßig!

Wenn man sich für das Leben in vergangenen Zeiten interessiert, sollte man auf keinen Fall die folgenden Höhepunkte verpassen:

Lanhydrock House bei Bodmin – das prächtigste Herrenhaus im Herzogtum Cornwall. Über fünfzig, prächtig und bis ins kleinste Detail im victorianischen Stil eingerichtet, kann man hier besichtigen. Der frühere Küchen- und Dienstbotentrakt sucht im Süden Englands seinesgleichen. Hier wird „Downton Abbey“ lebendig.

King Arthur’s Castle bei Tintagel – steht man auf den knapp 200m hohen Klippen weit über der tobenden Brandung des Atlantiks beginnt jeder an die Legende des sagenumwobenen Königs zu glauben.

Cotehele House südöstlich von Collingford – nicht nur ein Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert, sondern auch eine große Anlage mit Mühle, Schmiede und Sattlerei, ebenso wie eine kleine Hafenanlage am Ufer des Tamars. Cotehele diente mir als Vorlage für „Boventon Castle“, das in den Romanen „Das Ebenbild der Königin“ und ebenfalls „Rückkehr nach Cornwall“ eine Rolle spielt. Selbstverständlich findet der Besucher auch jene kleine Kapelle, die Richard Trelawny als Dank für seine Rettung vor den Feinden errichtet hat. Der Geheimgang ist allerdings – leider – eine Erfindung von mir.

St-Michaels-Mount

St-Michaels-Mount

St. Michael’s Mount bei Penzance – das auf einer Felseninsel gelegene einstige Benediktinerkloster ist seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie St. Aubyn, die noch heute in dem imposanten Gebäude lebt. Bei Flut setzt man mit kleinen Booten über, bei Ebbe führt ein gepflasterter Weg auf die Insel.

Körperlich etwas weniger anstrengend als eine Küstenwanderung, aber nicht minder romantisch, ist ein Ausflug ins Bodmin Moor. Die meisten Besucher lassen diesen Nationalpark links liegen, erfreut sich das in der Nachbargrafschaft Devon gelegene Dartmoor üblicherweise mehr Beliebtheit. Wenn auch kleiner, ist das Bodmin Moor auf jeden Fall einen Ausflug wert. Unbedingt sollte man die Erhebungen „Rough Tor“ und „Brown Willy“ (der höchste Berg Cornwalls) erklimmen, und „The Hurlers“ und den „Cheesewring“ bei einer Wanderung erkundenn. Keine Angst – beim Bodmin Moor handelt es sich nicht um einen Sumpf, in dem man versacken kann, sondern um eine ganz spezielle und sehenswerte Landschaftsform. Wer weiß, vielleicht findet man ja auch in dem kleinen See „Dozmary Pool“ King Arthur’s Schwert Excalibur? Laut alten Sagen leben allerhand seltsame Gestalten im Bodmin Moor, gute aber auch welche, die mit den Menschen gerne Schabernack treiben. Eine dieser Gestalter ist der „cornische Piskey“, eine Art Kobold. Er gilt als Glückbringer und wer ihn sieht, wird in seinem Leben niemals wieder Kummer erleiden müssen.

Küste beim Lizard

Küste beim Lizard

In keiner anderen englischen Gegend Englands kommen Gartenliebhaber so sehr auf ihre Kosten wie in Cornwall. Bedingt durch den Golfstrom herrscht ein sehr ausgeglichenes Klima. Nicht selten, dass die Temperaturen an Weihnachten höher sind als im August (eigene Erfahrung!). Es gibt nur ganz selten Schnee oder Frost, die Pflanzenwelt präsentiert sich in einer Exotik und Üppigkeit, die man in Europa nur noch im Mittelmeerraum findet. Jedes Herrenhaus verfügt über kunstvoll angelegte Gärten, zusätzlich sollte man folgende Gartenanlagen nicht missen: Lost Garden of Heligan, Trelissick Garden und Glendurgan Garden.

Pflanzen und Sonstiges für den heimischen Garten erwerben, kann man bei allen öffentlich zugänglichen Gärten, sowie in zahlreichen Gartenmärkten. Der größte und schönste Gartenmarkt befindet sich in der Nähe der Stadt Wadebridge in Nordcornwall: Trelawney Garden Center

In der Umgebung von Redruth, St. Agnes und auf der Penwith Halbinsel stechen jedem Besucher eine Vielzahl von Ruinen alter Zinn- oder Kupferminen ins Auge. Über viele Jahrhunderte brachten Zinn und Kupfer Reichtum und Wohlstand nach Cornwall – allerdings nur für die Besitzer der Minen, nicht für die Arbeiter.

Wer sich für die Geschichte des Bergbaus interessiert, sollte die „Poldark Mine“ (bei Helston) und die „Grevor Tin Mine“ (bei Botallack) besichtigen und in die alten Minenschächte absteigen. Allerdings darf man dabei nicht unter Platzangst leiden.

Ein zweiter großer Erwerbszweig war der Fischfang. Böse Stimmen behaupten noch heute, dass darüber hinaus der Schmuggel und die Wrackräuberei einen weitaus größeren Stellenwert bei den Küstenbewohnern hatten. Nun, zweifelsohne steckt in der Behauptung etwas Wahrheit. Nicht ohne Grund rief die britische Regierung im 18. Jahrhundert in Cornwall zum ersten Mal eine Art Küstenwache ins Leben.

Hafen Polperro

Hafen Polperro

Heute sind die einstigen Fischerdörfer immer noch voller Leben. Allerdings sind es die Touristen, die sich durch die, zum Teil für den Autoverkehr gesperrten, engen, schmalen Gassen drängen. In den Dörfern Polperro, East Looe und Port Isaac scheint die Zeit stillgestanden zu sein, finden sich dort doch noch reihenweise Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Etwas größer, aber nicht minder faszinierend, stellt sich St. Ives seinen Besuchern dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die kleine, verschachtelte Hafenstadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Übrigens – Rosamunde Pilcher wurde in Lelant, einem Dort in unmittelbarer Nähe von St. Ives geboren, einer ihrer Söhne betreibt in der Nähe eine Farm, und der Berliner Schriftsteller Heinz Ohff lebte über dreißig Jahre in St. Ives.

Küste Lands End

Küste Lands End

In Cornwall findet man gleich zwei Besonderheiten Großbritanniens – nämlich den südlichsten („Lizard Point“) und den westlichsten Punkt („Land’s End“) der Insel. Beide sind einen Besuch wert, wobei der Rummel in Land’s End nicht jedermanns Geschmack ist. Für Kinder ist es jedoch unterhaltsam, finden sich dort doch allerlei Spiel- und Abenteuergelegenheiten für die Kleinen.

Liebhaber von Antiquitäten kommen in Cornwall ebenfalls auf ihre Kosten. Von Nippes, Schmuck, Geschirr, Haushaltsgegenstände bis zu Möbel – es gibt nicht nur eine reichliche Auswahl, dieses auch zu erschwinglichen Preisen. Das Städtchen Lostwithiel südlich von Bodmin bietet die meisten Antiquatäten-Geschäfte, aber auch in Wadebridge, Falmouth und in Mevagissey sollte man sich Zeit zum Stöbern nehmen. Darüber hinaus finden regelmäßig „Antique Fairs“ statt, in den örtlichen Touristen-Informationszentren findet man alle Informationen.

Drei kulinarische Köstlichkeiten darf man sich in Cornwall nicht entgehen lassen:

  1. Cornish Pasty – ursprünglich ein „Arme-Leute-Essen“, besonders für die Bergarbeiter, ist es heute die cornische Spezialität schlechthin. In jeder Ortschaft, in jedem Dorf findet man Pasty-Shops, die besten Pasties gibt es in Tintagel und in Lizard. Hier kann man bei der Zubereitung zusehen und schon dabei läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
  1. Cream Tea – zwei, am besten frisch gebackene und noch warme, Scones, dick mit Erdbeermarmelade bestrichen und darüber eine gute Portion Clotted Cream, dazu eine Tasse Tee … Auch diese Köstlichkeit finden man überall, am besten wählt man hier einen eher kleinen Tearoom auf dem Land, wo alles handgemacht ist. Oft weisen Schilder auf der Straße zu einer versteckt liegenden Farm, wo der Besucher nicht nur köstliches „Home Baking“, sondern auch ein netter Plausch mit den Farmern erwartet.
  1. Fish & Chips – kein Aufenthalt auf der Insel, ohne das nicht zumindest mal probiert zu haben. Hier gibt es geschmacklich jedoch großer Unterschiede. Man sollte darauf achten, dass der Fisch lokal und an diesem Tag, an dem er verkauft wird, gefangen wurde, ebenfalls dass die Pomade und die Chips frisch zubereitet und nicht zu fett sind. Hervorragende Fish & Chips erhält man in den Küstenstädten, z.B. in Padstow bei Rick Stein und in St. Agnes in der Trevaunance Cove bei Lewsey Lou’s. Bei Zweiterem bitte die Öffnungszeiten beachten.

Lohnenswert ist auch ein Besuch in Cadgwith und in Port Isaac, wo man bis zum frühen Nachmittag lokalen, an diesem Morgen gefangenen Fisch und Meeresfrüchte kaufen kann.

Zum Schluss noch zwei Veranstaltungshinweise, die man sich – wenn es möglich ist – bei einem Besuch in Cornwall nicht entgehen lassen sollte:

  • Das Minack-Theatre bei Porthcurno südlich von Penzance ist ein hoch über dem Meer in den Klippen gelegenes Amphitheater, griechischen Vorbildern nachempfunden. In den Monaten Mai – September wird dort im wöchentlichen Wechsel ein unterhaltsames Programm geboten – von klassischen Skakespeare-Stücken bis zu aktuellen Musicals.
  • Befindet man sich in der ersten Juniwoche in Cornwall, sollte man einen Tag für den Besuch der Royal Cornwall Show bei Wadebridge einplanen. Es ist eine Art Messe rund um alles, was Cornwall zu bieten hat – von Krimskrams bis hin zu Traktoren kann man hier alles kaufen. Besonders interessant sind die Viehauktionen, hier kommt alles unter den Hammer – von der Honigbiene bis zu Kühen, Schafen oder auch Frettchen für die Kaninchenjagd. Man kann einen Schafscherwettbewerb besuchen, sich die Zeit auf einem Victorianischen Jahrmarkt vertreiben oder in zahlreichen Zelten die originalen köstlichen cornischen Spezialitäten kosten. Vielleicht hat man auch das Glück und erhascht einen Blick auf ein Mitglied der königlichen Familie, von der immer jemand anwesend ist.
Strand an der Westküste

Strand an der Westküste

Jetzt hoffe ich, ein wenig Appetit auf eine Reise nach Cornwall gemacht zu haben. Im Internet sind unzählige Links zu Cornwall zu finden, alle aufzuzählen wäre an dieser Stelle zu viel. Zu erwähnen wäre jedoch die Seite www.cornwall-online.co.uk. Man findet hier eigentlich alles, was für eine Urlaubsplanung wichtig ist.


Die Autorin:

Michele_hell-683x1024Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit 15 14Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de