2. Dezember: Mein erstes Weihnachten in Cornwall von Rebecca Michèle (Teil 2)

Rebecca Michèle im Kreise lieber Freunde

Bereits gestern konntet ihr den ersten Teil von Rebecca Michèles Eindrücken ihres ersten Weihnachtsfests in Cornwall lesen. Heute erhaltet ihr auch schon den 2. Teil ihrer wahren Erzählung:

Von Christmas Cracker, Papierkronen und jeder Menge Essen

Rebecca Michèle nach den weihnachtlichen Luftschlangen

Rebecca Michèle nach den weihnachtlichen Luftschlangen

Gegen ein Uhr ging es zurück auf die Farm, bis auf die Autofahrer waren alle nicht mehr so ganz nüchtern. Bevor nun das große Schmausen begann, galt es, erst die Christmas Cracker (Knallbonbons) zu öffnen. Es knallte, Konfetti spritzte über die Tische, die in den Cracker enthaltenen Lebensweisheiten wurden gegenseitig vorgelesen und die kleinen Geschenke bestaunt. In den Crackern ebenfalls enthalten sind bunte Papierkronen. Diese müssen getragen werden, sonst gibt es nichts zu essen, und es ist »verboten« die Kronen im Laufe des Tages abzusetzen.

Dann trugen Mary und John das Essen auf: Gemüsesuppe, danach der Truthahn mit Stuffing (das ist die typische Füllung mit Maronen), der von John am Tisch tranchiert wurde, Lachs, Kartoffeln, Soßen und verschiedene Gemüse. Zu Trinken gab es diversen Wein. Abgerundet wurde das Mahl mit dem klassischen Christmas Pudding, der allein schon sehr süß ist, trotzdem noch mit der klassischen Clotted Cream oder mit reichlich Dosenmilch übergossen wird. Gegen vier Uhr am Nachmittag gab es zum ersten Mal an diesem Tag antialkoholische Getränke: Tee und Kaffee.

Von weihnachtlichen Gesellschaftsspielen und Scharaden

Da bei den Getränken Selbstbedienung galt, machte ich mich auf die Suche nach Mineralwasser – ohne Erfolg! Als ich Mary danach fragte, lachte sie nur und meinte, an Weihnachten wäre Wasser ungesund, sie brachte mir aber dann doch von irgendwoher eine Flasche Cola.

Nach dem Tee wurden zuerst die Geschenke ausgepackt, dann begannen die typischen Gesellschaftsspiele: Scharade und Personenraten, und Luftschlangen flogen durch das Zimmer. Als es zu dunkeln begann, schoben Phillip und seine Frau deren Vater, der im Rollstuhl sitzt, aus dem Raum. Eine Weile waren sie verschwunden, dann verlöschte plötzlich das Licht – und ein über und über mit Kugeln, Lametta und vielen bunten, kleinen Lichtern dekorierter Roger wurde ins Zimmer geschoben. Im erster Moment musste ich schlucken, dachte, es wäre doch ein wenig pietätlos, alle anderen fanden es aber außerordentlich lustig – und Roger lachte von allen am lautesten.

Rebecca Michèle im Kreise lieber Freunde

Rebecca Michèle im Kreise lieber Freunde

Um 6 Uhr am Abend wurde erneut Essen serviert: Die Reste vom Mittag, aber auch zahlreiche Fisch- und Fleischpasteten und diverse Salate. Eigentlich konnte ich keinen Bissen mehr herunterbringen, probierte aber trotzdem von all den Köstlichkeiten.

Bis etwa Mitternacht wurden weitere Gesellschaftsspiele gemacht, getanzt, gelacht und gefeiert. Alle Gäste blieben die Nacht auf der Farm, so floss der Alkohol in Strömen, niemand war aber richtig betrunken oder wurde gar ausfällig. Ich trinke nur selten Alkohol, die Flasche Cola war längst leer, da die Farm aber über einen eigenen Brunnen mit bestem Wasser verfügte, hielt ich mich eben an den Wasserhahn.

Am nächsten Morgen bereitete Mary ein reichhaltiges Frühstück für alle zu, nicht wenige, die besonders bei den Fischen gut zugriffen. Die meisten Gäste reisten dann ab, Phillip, seine Frau und deren Vater Roger bleiben die nächsten Tage jedoch auf der Farm, und wir machten gemeinsam eine Wanderung durch das Moor (bei immer noch sommerlichen Temperaturen), und am nächsten Abend einen Ausflug zu dem Fischerdorf Mousehole, das für seine Christmas Lights berühmt ist. Alle Cottages und das Hafenbecken sind mit zahlreichen Lichtern geschmückt, die ganze Geschichten erzählen.

Seit diesem Weihnachten feierte ich noch öfters mit meinen Freunden in Cornwall – das erste Mal, ein englisches Weihnachtsfest erleben zu dürfen, ist mir aber unvergesslich geblieben.

Weihnachten in England ist so anders, als wir es in Deutschland begehen: Bunt, blinkend, lustig, ausgelassen – und sehr, sehr laut.

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