1. Dezember: Mein erstes Weihnachten in Cornwall – eine völlig andere Welt

Rebecca Michèles Christbaum

Mehrere Jahre hatte ich bereits Urlaube in Cornwall verbracht, als 1995 mein Mann und ich von unserem Freunden zum Weihnachtsfest eingeladen wurden. John und Mary lernten wir 1992 kennen, als wir ein Holidaycottage auf ihrer Farm mieteten. Aus der sofortigen gegenseitigen Sympathie wurde eine Freundschaft, die bis heute andauert.

Reiseplanung ohne Internet

In einer Zeit ohne Internet, ohne die Möglichkeit, weltweit die Wettervorhersagen abzurufen, machten mir uns am 23.12. mit jeder Menge winterlichem Gepäck auf den Weg nach Cornwall. Wir flogen von Stuttgart nach London-Heathrow, mieteten ein Auto, wohnen würden wir in Violet’s Cottage auf der Farm unserer Freunde inmitten des Bodmin Moors. Schon auf dem Weg in den Westen stellten wir fest, dass die Engländer auf eine andere Art das Weihnachtsfest begehen, als wir Deutschen. Überall trafen wir auf, als Weihnachtsmänner verkleidete, Personen, Busfahrer trugen weiße, rauschende Bärte, ein wallende roten Mäntel und ebensolche Mützen, in den Supermärkten waren Kunden und Personal weihnachtlich gekleidet, viele trugen in alle Farben blinkende Hirschgeweihe auf dem Kopf.

Rebecca Michles Christbaum

Rebecca Michèles Christbaum

Gegen Abend erreichten wir die Farm. Mary hatte für uns einen Weihnachtsbaum besorgt und stellte uns Schmuck zur Verfügung. Noch an diesem Abend schmückten wir den Baum, entzündeten ein Feuer im offenen Kamin und freuten uns auf das Kommende.

Der wichtigste Tag ist nicht der heilige Abend

Man muss wissen, dass der Holy Eve, der Heilige Abend, in England nicht wie bei uns blich im Kreis der Familie gefeiert wird. Der wichtigste Tag ist der Christmas Day, der 1. Feiertag, zu diesem Fest hatten Mary und John um die zwanzig Personen eingeladen, unter ihnen ihre drei Kinder Matthew, mit Freundin, Phillip, mit Frau und die Tochter Michelle, damals Single, sie würde noch drei oder vier Freunde mitbringen. Grundsätzlich ist es gleichgültig, wie viele Gäste kommen zu essen und zu trinken ist immer genügend vorhanden, besonders das letztere.

Zuerst aber die Schilderung, wie wir den Holy Eve verbrachten. Als wir am Morgen erwachten, schien nicht nur die Sonne von einem strahlend blauen Himmel, es war auch angenehm mild. Nun ja, mild ist nicht der richtige Ausdruck es war sehr warm: Das Thermometer zeigte über 20 Grad. In Deutschland herrschte gerade eine ähnliche Temperatur – nur im Minusbereich.

Weihnachten bei 20 Grad am Strand

Rebecca Michle am Trebarwith Strand

Rebecca Michèle am Trebarwith Strand

Wir machten einen Tagesausflug an die Nordküste in das Dorf Tintagel, den Ruinen des gleichnamigen Castles und zum Trebarwith Strand, um Tee zu trinken. Inzwischen war es so warm geworden, dass wir vor dem Pub im T-Shirt in der Sonne saßen und Schwimmer (!!!) im Meer beobachteten.

Als wir an diesem Abend bei Mary und John im Farmhaus waren, roch es verführerisch, denn John hatte einen riesigen Truthahn gefüllt und schon in die Backröhre geschoben. Obwohl sie über einen modernen Elektroherd verfügten, wurde der Truthahn grundsätzlich in dem holzbefeuerten Ofen aus Vorkriegszeit zubereitet und benötigte etwa 16 bis 18 Stunden Garzeit. Wir halfen unseren Freunden, das Wohnzimmer für den kommenden Tag herzurichten und zu dekorieren. Dabei erzählte Mary, ihre Tochter Michelle habe vorhin angerufen und gesagt, ein Freund wäre Vegetarier. Nur gut, dass in England die Geschäfte auch am Holy Eve bis in den spätem Abend hinein geöffnet hatte, so hatte John noch schnell einen großen, ganzen Lachs besorgt, denn Fisch aß der Freund.

Am nächsten Morgen stand ich vor einem frauentypischen ;-), Kleiderproblem, denn das, was ich mir vorgenommen hatte zu tragen, war für die Temperatur viel zu warm. Mir blieb aber nichts anderes übrig, als den dünnsten Pullover, den ich im Gepäck hatte, einzuziehen. Während John in der Küche weiterhin den Truthahn beaufsichtigte (während der Nacht hatte er jede Stunde nach dem Braten geschaut!) , fuhren Mary, mein Mann und ich in das von der Farm etwa zwei Kilometer entfernte Dorf St Neot. Hier trafen sich alle, um sich vor dem Mittagessen zu begrüßen und den einen oder anderen Drink zu nehmen. Das Pub London Inn war zum Bersten voll, von allen Seiten wurden Mary und wir begrüßt, die meisten Leute wussten, dass wir Freunde aus Deutschland waren.

Eine wahre Geschichte von Rebecca Michèle. Fortsetzung folgt…

 

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