Cornwall entdecken mit Rebecca Michéle

St-Michaels-Mount

„Cornwall ist weit mehr, als nur Kulisse für bezaubernde Romane und schöne Fernsehfilme …“ (Rebecca Michéle)

Cornwall hat eine Jahrtausende zurückreichende bewegte Geschichte, so kommen Historienfans voll auf ihre Kosten. Neben Geschichte bedeutet Cornwall aber auch schroffe Klippen, tosende Brandung und Sandstrände. Ein Cornwallaufenthalt wäre unvollständig, wenn man sich nicht mindestens einmal einen ganzen Tag lang aufmacht, die wild-romantische Küste per Fuß zu erkunden. Rund um den gesamten Südwestzipfel Englands zieht sich der so genannte „South West Cost Path“, der allein in Cornwall eine Länge von 430 km hat. Die schönsten, aber auch schwierigsten, Streckenabschnitte liegen eindeutig an der Nordküste zwischen Bude und Newquay und rund um die Penwith Halbinsel (von St. Ives nach Penzance). Feste Wanderschuhe, eine Regenjacke (das Wetter in Cornwall kann sich innerhalb einer Stunde rapide ändern!) und etwas zum Essen und zum Trinken sind unablässig. Man sollte sich vorher eine Karte, die es in jedem „Tourist Information“ gibt besorgen und seine Kräfte nicht überschätzen.

Crown Mines Bottlack

Crown Mines Bottlack

Oft geht der Weg über Stock und Stein, fällt sehr steil zum Meer ab, um auf der anderen Seite wieder so steil hinaufzuführen, dass man durchaus auch mal auf allen Vieren kraxeln muss. Man wird aber mit wunderschönen romantischen Plätzen in kleinen Sandbuchten, die sonst nicht zugänglich sind, und mit fantastischen Ausblicken auf Kavernen und Grotten belohnt. Bei solchen Wanderungen stelle ich mir oft vor, wie es in vergangenen Zeiten war, als die Einwohner oft stundenlang über solche Wege zum nächsten Markt haben laufen müssen. Gehörte man nicht der Oberschicht an, so war das Leben in Cornwall beschwerlich, von Armut, Krankheiten und Hunger geprägt. Trotzdem waren die Einwohner immer sehr stolz und liebten ihren Landstrich. In all meinen Romanen sehnen sich meine Protagonisten nach Cornwall, wenn sie sich durch diverse Umstände gezwungen sehen, die Grafschaft verlassen zu müssen. Sitze ich zu Hause an meinem Computer und lasse meine Akteure an den Klippen spazieren gehen, so kann ich regelrecht das Rauschen der Brandung und das Kreischen der Möwen in meinen Ohren hören. Über Cornwall zu schreiben, bedeutet für mich auch, für diese Zeit im Geist dort zu sein.

Cornisches Cottage

Cornisches Cottage

Man findet abseits der Dörfer an der Küste meistens keine Anzeichen der Zivilisation des 21. Jahrhunderts, die Landschaft hat sich im Laufe der Hunderten von Jahren kaum verändert. Leicht fällt einem hier die Vorstellung, wie in vergangenen Zeiten Fischer, Seefahrer und auch Piraten angelegt heben. Nicht immer waren ihre Absichten ehrenhaft! Und wer weiß – wenn man aufmerksam ist, begegnet man vielleicht einem dieser verwegenen, attraktiven Gesellen –zumindest in der Phantasie. Mir passiert das regelmäßig!

Wenn man sich für das Leben in vergangenen Zeiten interessiert, sollte man auf keinen Fall die folgenden Höhepunkte verpassen:

Lanhydrock House bei Bodmin – das prächtigste Herrenhaus im Herzogtum Cornwall. Über fünfzig, prächtig und bis ins kleinste Detail im victorianischen Stil eingerichtet, kann man hier besichtigen. Der frühere Küchen- und Dienstbotentrakt sucht im Süden Englands seinesgleichen. Hier wird „Downton Abbey“ lebendig.

King Arthur’s Castle bei Tintagel – steht man auf den knapp 200m hohen Klippen weit über der tobenden Brandung des Atlantiks beginnt jeder an die Legende des sagenumwobenen Königs zu glauben.

Cotehele House südöstlich von Collingford – nicht nur ein Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert, sondern auch eine große Anlage mit Mühle, Schmiede und Sattlerei, ebenso wie eine kleine Hafenanlage am Ufer des Tamars. Cotehele diente mir als Vorlage für „Boventon Castle“, das in den Romanen „Das Ebenbild der Königin“ und ebenfalls „Rückkehr nach Cornwall“ eine Rolle spielt. Selbstverständlich findet der Besucher auch jene kleine Kapelle, die Richard Trelawny als Dank für seine Rettung vor den Feinden errichtet hat. Der Geheimgang ist allerdings – leider – eine Erfindung von mir.

St-Michaels-Mount

St-Michaels-Mount

St. Michael’s Mount bei Penzance – das auf einer Felseninsel gelegene einstige Benediktinerkloster ist seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie St. Aubyn, die noch heute in dem imposanten Gebäude lebt. Bei Flut setzt man mit kleinen Booten über, bei Ebbe führt ein gepflasterter Weg auf die Insel.

Körperlich etwas weniger anstrengend als eine Küstenwanderung, aber nicht minder romantisch, ist ein Ausflug ins Bodmin Moor. Die meisten Besucher lassen diesen Nationalpark links liegen, erfreut sich das in der Nachbargrafschaft Devon gelegene Dartmoor üblicherweise mehr Beliebtheit. Wenn auch kleiner, ist das Bodmin Moor auf jeden Fall einen Ausflug wert. Unbedingt sollte man die Erhebungen „Rough Tor“ und „Brown Willy“ (der höchste Berg Cornwalls) erklimmen, und „The Hurlers“ und den „Cheesewring“ bei einer Wanderung erkundenn. Keine Angst – beim Bodmin Moor handelt es sich nicht um einen Sumpf, in dem man versacken kann, sondern um eine ganz spezielle und sehenswerte Landschaftsform. Wer weiß, vielleicht findet man ja auch in dem kleinen See „Dozmary Pool“ King Arthur’s Schwert Excalibur? Laut alten Sagen leben allerhand seltsame Gestalten im Bodmin Moor, gute aber auch welche, die mit den Menschen gerne Schabernack treiben. Eine dieser Gestalter ist der „cornische Piskey“, eine Art Kobold. Er gilt als Glückbringer und wer ihn sieht, wird in seinem Leben niemals wieder Kummer erleiden müssen.

Küste beim Lizard

Küste beim Lizard

In keiner anderen englischen Gegend Englands kommen Gartenliebhaber so sehr auf ihre Kosten wie in Cornwall. Bedingt durch den Golfstrom herrscht ein sehr ausgeglichenes Klima. Nicht selten, dass die Temperaturen an Weihnachten höher sind als im August (eigene Erfahrung!). Es gibt nur ganz selten Schnee oder Frost, die Pflanzenwelt präsentiert sich in einer Exotik und Üppigkeit, die man in Europa nur noch im Mittelmeerraum findet. Jedes Herrenhaus verfügt über kunstvoll angelegte Gärten, zusätzlich sollte man folgende Gartenanlagen nicht missen: Lost Garden of Heligan, Trelissick Garden und Glendurgan Garden.

Pflanzen und Sonstiges für den heimischen Garten erwerben, kann man bei allen öffentlich zugänglichen Gärten, sowie in zahlreichen Gartenmärkten. Der größte und schönste Gartenmarkt befindet sich in der Nähe der Stadt Wadebridge in Nordcornwall: Trelawney Garden Center

In der Umgebung von Redruth, St. Agnes und auf der Penwith Halbinsel stechen jedem Besucher eine Vielzahl von Ruinen alter Zinn- oder Kupferminen ins Auge. Über viele Jahrhunderte brachten Zinn und Kupfer Reichtum und Wohlstand nach Cornwall – allerdings nur für die Besitzer der Minen, nicht für die Arbeiter.

Wer sich für die Geschichte des Bergbaus interessiert, sollte die „Poldark Mine“ (bei Helston) und die „Grevor Tin Mine“ (bei Botallack) besichtigen und in die alten Minenschächte absteigen. Allerdings darf man dabei nicht unter Platzangst leiden.

Ein zweiter großer Erwerbszweig war der Fischfang. Böse Stimmen behaupten noch heute, dass darüber hinaus der Schmuggel und die Wrackräuberei einen weitaus größeren Stellenwert bei den Küstenbewohnern hatten. Nun, zweifelsohne steckt in der Behauptung etwas Wahrheit. Nicht ohne Grund rief die britische Regierung im 18. Jahrhundert in Cornwall zum ersten Mal eine Art Küstenwache ins Leben.

Hafen Polperro

Hafen Polperro

Heute sind die einstigen Fischerdörfer immer noch voller Leben. Allerdings sind es die Touristen, die sich durch die, zum Teil für den Autoverkehr gesperrten, engen, schmalen Gassen drängen. In den Dörfern Polperro, East Looe und Port Isaac scheint die Zeit stillgestanden zu sein, finden sich dort doch noch reihenweise Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Etwas größer, aber nicht minder faszinierend, stellt sich St. Ives seinen Besuchern dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die kleine, verschachtelte Hafenstadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Übrigens – Rosamunde Pilcher wurde in Lelant, einem Dort in unmittelbarer Nähe von St. Ives geboren, einer ihrer Söhne betreibt in der Nähe eine Farm, und der Berliner Schriftsteller Heinz Ohff lebte über dreißig Jahre in St. Ives.

Küste Lands End

Küste Lands End

In Cornwall findet man gleich zwei Besonderheiten Großbritanniens – nämlich den südlichsten („Lizard Point“) und den westlichsten Punkt („Land’s End“) der Insel. Beide sind einen Besuch wert, wobei der Rummel in Land’s End nicht jedermanns Geschmack ist. Für Kinder ist es jedoch unterhaltsam, finden sich dort doch allerlei Spiel- und Abenteuergelegenheiten für die Kleinen.

Liebhaber von Antiquitäten kommen in Cornwall ebenfalls auf ihre Kosten. Von Nippes, Schmuck, Geschirr, Haushaltsgegenstände bis zu Möbel – es gibt nicht nur eine reichliche Auswahl, dieses auch zu erschwinglichen Preisen. Das Städtchen Lostwithiel südlich von Bodmin bietet die meisten Antiquatäten-Geschäfte, aber auch in Wadebridge, Falmouth und in Mevagissey sollte man sich Zeit zum Stöbern nehmen. Darüber hinaus finden regelmäßig „Antique Fairs“ statt, in den örtlichen Touristen-Informationszentren findet man alle Informationen.

Drei kulinarische Köstlichkeiten darf man sich in Cornwall nicht entgehen lassen:

  1. Cornish Pasty – ursprünglich ein „Arme-Leute-Essen“, besonders für die Bergarbeiter, ist es heute die cornische Spezialität schlechthin. In jeder Ortschaft, in jedem Dorf findet man Pasty-Shops, die besten Pasties gibt es in Tintagel und in Lizard. Hier kann man bei der Zubereitung zusehen und schon dabei läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
  1. Cream Tea – zwei, am besten frisch gebackene und noch warme, Scones, dick mit Erdbeermarmelade bestrichen und darüber eine gute Portion Clotted Cream, dazu eine Tasse Tee … Auch diese Köstlichkeit finden man überall, am besten wählt man hier einen eher kleinen Tearoom auf dem Land, wo alles handgemacht ist. Oft weisen Schilder auf der Straße zu einer versteckt liegenden Farm, wo der Besucher nicht nur köstliches „Home Baking“, sondern auch ein netter Plausch mit den Farmern erwartet.
  1. Fish & Chips – kein Aufenthalt auf der Insel, ohne das nicht zumindest mal probiert zu haben. Hier gibt es geschmacklich jedoch großer Unterschiede. Man sollte darauf achten, dass der Fisch lokal und an diesem Tag, an dem er verkauft wird, gefangen wurde, ebenfalls dass die Pomade und die Chips frisch zubereitet und nicht zu fett sind. Hervorragende Fish & Chips erhält man in den Küstenstädten, z.B. in Padstow bei Rick Stein und in St. Agnes in der Trevaunance Cove bei Lewsey Lou’s. Bei Zweiterem bitte die Öffnungszeiten beachten.

Lohnenswert ist auch ein Besuch in Cadgwith und in Port Isaac, wo man bis zum frühen Nachmittag lokalen, an diesem Morgen gefangenen Fisch und Meeresfrüchte kaufen kann.

Zum Schluss noch zwei Veranstaltungshinweise, die man sich – wenn es möglich ist – bei einem Besuch in Cornwall nicht entgehen lassen sollte:

  • Das Minack-Theatre bei Porthcurno südlich von Penzance ist ein hoch über dem Meer in den Klippen gelegenes Amphitheater, griechischen Vorbildern nachempfunden. In den Monaten Mai – September wird dort im wöchentlichen Wechsel ein unterhaltsames Programm geboten – von klassischen Skakespeare-Stücken bis zu aktuellen Musicals.
  • Befindet man sich in der ersten Juniwoche in Cornwall, sollte man einen Tag für den Besuch der Royal Cornwall Show bei Wadebridge einplanen. Es ist eine Art Messe rund um alles, was Cornwall zu bieten hat – von Krimskrams bis hin zu Traktoren kann man hier alles kaufen. Besonders interessant sind die Viehauktionen, hier kommt alles unter den Hammer – von der Honigbiene bis zu Kühen, Schafen oder auch Frettchen für die Kaninchenjagd. Man kann einen Schafscherwettbewerb besuchen, sich die Zeit auf einem Victorianischen Jahrmarkt vertreiben oder in zahlreichen Zelten die originalen köstlichen cornischen Spezialitäten kosten. Vielleicht hat man auch das Glück und erhascht einen Blick auf ein Mitglied der königlichen Familie, von der immer jemand anwesend ist.
Strand an der Westküste

Strand an der Westküste

Jetzt hoffe ich, ein wenig Appetit auf eine Reise nach Cornwall gemacht zu haben. Im Internet sind unzählige Links zu Cornwall zu finden, alle aufzuzählen wäre an dieser Stelle zu viel. Zu erwähnen wäre jedoch die Seite www.cornwall-online.co.uk. Man findet hier eigentlich alles, was für eine Urlaubsplanung wichtig ist.


Die Autorin:

Michele_hell-683x1024Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit 15 14Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de

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