Jules Verne und seine Visionen der Zukunft

jules-verne-393713„Sie sehen“, sagte Kapitän Nemo, „ich verwende bunsensche Elemente, nicht ruhmkorffsche. … Die erzeugte Elektrizität zieht sich nach hinten, wo sie durch sehr große Elektromagnete auf ein besonderes System von Hebeln und Rädergetrieben wirkt, welche die Bewegung auf die Welle der Schraube hinleitet. Diese, deren Durchmesser 6 Meter mißt und das Gewinde 7 1/2 Meter, kann in einer Sekunde bis auf 120 Umdrehungen erzeugen.“

„Und damit erhalten Sie?“

„Eine Geschwindigkeit von 50 Meilen in der Stunde.“

Hier fand ein Geheimnis statt, aber ich bestand nicht darauf, es kennenzulernen. Wie wurde es möglich, dass die Elektrizität mit solcher Kraft wirkte?*

*(aus „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne)

Ein mit Elektrizität betriebenes Unterseeboot – für Jules Vernes Zeitgenossen eine unglaubliche Vorstellung, für die Leser heute nichts Besonderes. Genauso die Mondlandung, ein wichtiges Thema bei Verne, oder die Reise in 80 Tagen um die Welt.

Von Unbekannt - Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter'm Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV-V, Wien, Pest, Leipzig: A. Hartleben, 1874, Seite 112., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13286200

Von Unbekannt – Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter’m Meer. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band IV-V, Wien, Pest, Leipzig: A. Hartleben, 1874, Seite 112., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13286200

Jules Verne, der oft als „Vater der Science-Fiction“ bezeichnet wird, rückte als einer der ersten Autoren Schilderungen wissenschaftlich-technischer Vorgänge in den Mittelpunkt seiner Bücher. Genau das macht Science-Fiction aus. Natürlich sind die Grenzen zur Fantasy nicht immer eindeutig. So kann man sich sicher darüber streiten, ob einige der vor Jules Verne erschienenen Utopien schon als Science-Fiction zählen können. Auch ist Verne nicht der Erste, der eine Mondlandung beschreibt. Doch meist ging es den Autoren in diesem Fall nicht um die Technik, sondern um gesellschaftliche Aussagen, wie z. B. bei Savinien Cyrano de Bergerac in seinem Roman „Reise zum Mond und zur Sonne“ von 1655.

Verne wurde 1828 geboren und erlebte somit eine Epoche rasanten industriellen Fortschritts. Dinge wurden möglich, an die vorher niemand auch nur gedacht hatte, wodurch oft ein geradezu unbegrenzter Glaube an die Wunderkraft der Technik entstand. Auch Verne war fasziniert von den neuen Möglichkeiten, er studierte Berichte über Erfindungen, lotete ihre Einsatzmöglichkeiten aus und entwickelte so Abenteuer, die bis heute begeistern. Seine Bücher wurden in 143 Sprachen übersetzt, somit liegt er nach einer Statistik der UNESCO hinter der Bibel, Lenin, Enid Blyton, Marx und Agatha Christie auf dem 6. Platz der Weltrangliste der am meisten übersetzten Autoren.

Jules Verne war der Sohn eines Rechtsanwalts aus Nantes und studierte auf Wunsch des Vaters hin Jura in Paris. Doch das Theater interessierte ihn mehr als sein Studium, und schon bald begann er, Stücke zu schreiben.

Jules Vernes 1863 erschienener Roman Cinq semaines en ballon (Fünf Wochen im Ballon), illustriert von Riou und de Montaut. (Quelle: Von Édouard Riou - Scan of this book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1587091)

Jules Vernes 1863 erschienener Roman Cinq semaines en ballon (Fünf Wochen im Ballon), illustriert von Riou und de Montaut. (Quelle: Von Édouard Riou – Scan of this book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1587091)

Nach der Heirat mit der reichen Witwe Honorine Morel war er finanziell unabhängig, arbeitete aber weiter für das Theater und auch an der Börse. Ein Freund Jules Vernes plante eine Ballonfahrt und Verne half beim Bau des Ballons. Leider verunglückte der Freund tödlich in dem Ballon, was Jules Verne dazu brachte, seinen ersten Roman zu schreiben: „Fünf Wochen im Ballon“. Dieser wurde 1863 mit großem Erfolg im Verlag Hetzel veröffentlicht. Der Verleger war so begeistert von Verne, dass er mit ihm eine ganze Romanserie, die „Voyages Extraordinaires“ (Die außergewöhnlichen Reisen) herausbrachte.

Jules Verne wurde schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit, der selbst der Papst eine Audienz gewährte. 1905 starb er in Amiens. Den ersten Flug der Brüder Wright 1903 hat er demnach noch mitbekommen.

Fisher_Echo8_300dpi_RGBScience-Fiction hat sich seit Jules Verne als Genre fest etabliert. Daher freuen wir uns, nun auch im Dryas Verlag einen ersten Science-Fiction-Roman im Programm zu haben: „Echo 8“ von Sharon Lynn Fisher. Was bei Verne noch Utopie war, die Mondlandung, ist in der heutigen Science-Fiction ja schon keine Vision mehr. Daher wird in „Echo 8“ auch nicht mehr der Mond erforscht. Stattdessen bekommt es die Parapsychologin Tess mit Besuchern aus einem Paralleluniversum zu tun – und einem hartnäckigen FBI-Agenten aus ihrer eigenen Welt. Hier geht´s zum Buch.