Edinburgh, die Stadt der Zauberer und Autoren

Ein Besuch mit Verlegerin Sandra Thoms

scotland-859332_1280-1024x681Sir Walter Scott, der Autor u. a. von „Ivanhoe“, nannte Edinburgh „my own romantic city“. Und jeder, der schon einmal dort gewesen ist, kann das mit Sicherheit nachvollziehen: die kleinen verwinkelten Gassen, der Blick vom Schloss über die Stadt und die Ebene rundherum, die Parks und herrschaftlichen Boulevards in der New Town – Romantiker und Historiker lieben diese Stadt. Ebenso wie Autoren, was sich aus der Dichte der in Edinburgh ansässigen Autoren schließen lässt.

IMG_4188-1024x683Pflichtprogramm ist daher für mich bei jedem meiner Besuche in der Stadt (und das waren über die Jahre hinweg schon einige) die Besichtigung des „Writer’s Museum“. Sehr zentral in einem kleinen Innenhof gelegen befindet sich das historische Gebäude, welches das Museum beherbergt. Schon das Gebäude fordert jeden Betrachter geradezu auf, sich hinzusetzen und eine eigene Geschichte aufzuschreiben. In dem verwinkelten historischen Gebäude werden Manuskripte und persönliche Gegenstände von Walter Scott, Robert Burns und Robert Louis Stevenson ausgestellt.

The Writers Museum

The Writers Museum

Ein „Museum“ der anderen Art widmet sich in Edinburgh übrigens einer zeitgenössischen Schriftstellerin, nämlich der Autorin von „Harry Potter“, Joanne K. Rowling. Ein großer Teil ihrer ersten Romane soll ja in dem Café The Elephant House geschrieben worden sein. Das Café gibt es immer noch, im Schaufenster hängt ein Bild der schreibenden Joanne K. Rowling, aufgenommen von einer Überwachungskamera des Cafés. An der Scheibe kleben ganze Busladungen von Touristen, die einen Blick in die Wiege ihres Helden werfen wollen, während drinnen der eine oder andere Autor versucht, seinem Vorbild nachzueifern.

The Elephant House

The Elephant House

Während diese beiden Sehenswürdigkeiten das ganze Jahr über geöffnet haben, gibt es in Edinburgh auch einige termingebundene Attraktionen. Nicht umsonst wird die Stadt auch die „Stadt der Festivals“ genannt. Das größte und bekannteste Festival ist im August das Edinburgh Festival Fringe, ein Theaterfestival, das jedes Jahr Unmengen von Schauspielern, Straßenkünstlern und Comedians in die Stadt lockt. Direkt im Anschluss daran findet das Edinburgh International Book Festival statt, an dem jeder Autor von Rang und Namen schon mindestens einmal teilgenommen hat.

IMG_3711-1024x683Aber Edinburgh ist ja, wie beschrieben, die Stadt der Romantik, in der Zauberer geboren werden oder Monster wie Jekyll und Hyde. Natürlich werden daher dort auch noch die alten keltischen Feiertage Beltane (30. April, bei uns Walpurgisnacht) und Samhain (31. Oktober) gefeiert. An Samhain, heute Halloween, kommen der Legende nach die Geister in unsere Welt. Was in Edinburgh zur Tradition gehört. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit treffen sich die drei Hexen, die schon dem schottischen König Macbeth seine Zukunft vorausgesagt haben, kurz vor dem Eingang des Schlosses und beschwören die Geister. Diese lassen sich nicht lange bitten, bald strömen diverse Naturgeister durch die Straßen und liefern sich einen Kampf um die Stadt, welcher mit einem großen Freudenfeuer der Gewinner endet. Und im Anschluss mit einer großen Auswahl an diversen Partys weitergefeiert werden kann. Die Hexen und Geister sind Schauspielstudenten und Freiwillige, welche jedes Jahr wieder in ihre Rollen schlüpfen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sollte man sich dieses Spektakel einmal gönnen.

We sell umbrellas

We sell umbrellas

Ach ja, und weil das immer eine der ersten Fragen ist, die mir gestellt werden: Ja, es regnet um diese Zeit in Edinburgh. Das tut es meistens, auch im Winter, Frühjahr und Sommer. Aber: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Willkommen in Schottland!